Chronik der Frauen: 1001 - 1487
1001: Sophie, die Tochter Ottos II. verweigert mit Waffengewalt dem Bischof Bernward von Hildesheim den Eintritt in das Kloster Gandersheim
1008-12: Bischof Burchard von Worms entwickelt Beichtfragen zum sexuellen Verhalten von Mädchen und Frauen.
1009: In einer Art religiösen Wahns lässt der Fatimidenkalif Al-Hakim alle seine Lieblingskonkubinen in mit Steinen beschwerten Kisten im Nil ertränken, weil er der Sinneslust entsagen will.
1012-18: Thietmar, Bischof von Merseburg, beklagt sich über die Frauenmode seiner Zeit.
Um 1030: König Knut von England verbietet zum ersten Mal in Europa, dass eine Frau zu einer Hochzeit gezwungen oder verkauft wird.
Ende 11. Jh: die Medizinschule von Salerno ist ein Zentrum der Frauenheilkunde und der Ausbildung von Ärztinnen.
1056: Als letzte deutsche Königin übernimmt Agnes von Poitou die Regentschaft im Reich
1062: Beatrix von Tuszien greift aktiv in die Papstwahl ein und versperrt dem ihr nicht genehmen Kandidaten Cadalus-Honorius II. den Weg nach Rom
1095: Mit einer flammenden Predigt auf der Synode von Clermont löst Papst Urban II. den ersten Kreuzzug aus.
Um 1100: Am Mittelrhein entsteht der Jungfrauenspiegel, ein Moralkodex für Nonnen
1111/14: Kaiser Heinrich V. gewährt den Bürgerinnen und Bürgern von Speyer und Worms die freie Wahl des Ehepartners.
Um 1130: Im Straßburger Stadtrecht werden erstmals Frauen erwähnt, die in den Städten selbständig Handel treiben
1131: Melisende wird Erbin Jerusalems.
1141: Ein mystisches Erlebnis inspiriert die Äbtissin und von Papst Eugen III. anerkannten Prophetin Hildegard von Bingen zu ihrer ersten Schrift Scivias - Wisse die Wege
2. Hälfte 12. Jh: Etienne Fougères grenzt in seinem Sittenbuch die Frauen aus der ständischen Gesellschaft aus.
Nach 1160: Marie de France verfasst Versnovellen.
Um 1170: eine unbekannte Nonne verfasst das älteste erhaltene deutsche Liebesgedicht.
1176: In Reims verteidigt eine häretische Magistra mit großer Gewandtheit ihr Recht, als Frau zu predigen.
Um 1178-1196: Die Äbtissin Herrad von Landsberg schreibt mit ihren Nonnen den Hortus deliciarum, eine Enzyklopädie in Wort und Bild.
1191: In Genua gehören die Sklavin Justa und ihre Tochter Vereta 16 verschiedenen Eigentümern.
1200: Papst Innozenz III. erlaubt -Frauen, ihre Männer auf dem Kreuzzug zu begleiten.
1205: Die genuesischen Notariatsregister zeigen, dass 21,1 % aller an Handelsverträgen Beteiligter, Frauen sind
1209: Von ihren Visionen geleitet, erkämpft die belgische Mystikerin Juliane einen Feiertag für die hl. Eucharistie – das Fronleichnamsfest. Den zahlreichen Geistlichen ist die Ehe bereits seit dem 11. Jh. verboten.
1211/12: Franz von Assisi nimmt di adlige Klara unter seine Gefährten auf. Sie wird die Begründerin des Klarissenordens.
1215: das vierte Laterankonzil macht die priesterliche Segnung bei der Eheschließung zur Pflicht.
1226: Als eine der ersten Zünfte gewähren die Kürschner in Basel Frauen die gleichen Rechte wie Männern.
1228: Das Generalkapitel des Franziskanerordens beschließt, keine Frauenklöster mehr aufzunehmen.
1230-49: Guillaume de Lorris schreibt den ersten Teil des Rosenromans, der ein negatives Frauenbild beschreibt.
1245: Die Nonnen des Klosters Engelthal bei Nürnberg erzwingen die Aufnahme ihres Klosters in den Dominikanerorden.
Um 1260-70: Der Richter Etienne de Boileau verfasst ein Handbuch über die in Paris ansässigen Zünfte, in dem auch die Frauenzünfte aufgeführt werden
1267: Thomas von Aquin verkündet die doppelte subiectio = Unterwerfung der Frau
1275: In seinen Predigten wettert der Franziskaner Berthold von Regensburg gegen die Unterdrückung der Frauen
1280: Bei einem Turnier in Magdeburg wird als Siegespreis eine junge Prostituierte ausgesetzt
1281: In Oberitalien stirbt Guglielma von Mailand, die Begründerin einer ketzerischen Frauenbewegung
1286: Mehrere Wollweberinnen gehen in Douai (Flandern) gerichtlich gegen ihren Arbeitgeber vor, der sie um Lohn und Rohstoffe betrogen hat.
1299: Papst Bonifatius VIII. begrenzt durch seine Bulle Periculoso die Bewegungsfreiheit der Nonnen.
Gegen Ende des 13. Jh. breitet sich die Prostitution immer mehr aus, denn große Teile der städtischen männlichen Bevölkerung bleiben aus religiösen und sozialen Gründen unverheiratet. Infolge der strengen Regelung der Zünfte können sich viele Bürger erst sehr spät selbständig machen und heiraten. Doch setzt sich gegen die kirchliche Sexualethik die Überzeugung durch, dass ohne ausreichende sexuelle Betätigung die Körpersäfte eines Mannes verderben und zum Tode führen. Um derart gefährdeten Männern Hilfe zu verschaffen, gleichzeitig aber auch die Verführung oder Vergewaltigung ehrbarer Frauen zu vermeiden, entstehen seit Ende des 13. Jh. Frauenhäuser. Diese Bordelle stehen unter städtischer Aufsicht und werden von einem Wirt oder Wirtin gepachtet. Es wird getanzt, getrunken und geliebt. Die Frauen treibt meist die Armut in solche Frauenhäuser, viele werden aber auch dazu gezwungen. Es gibt regelrecht Banden, die Frauen entführen, missbrauchen und an Frauenhäuser verkaufen. Oft werden Frauen auch von ihren Ehemännern oder Eltern wegen Schulden ans Frauenhaus verkauft. Die Wirte sind die eigentlichen Verdiener und natürlich der Fiskus.
1. Hälfte 14. Jh.: In der Gegend von Birmingham sind etwa 7 – 10 % aller Kinder unehelich.
1310: In Paris wird die Begine Marguerite Porete als Ketzerin verbrannt.
1311; Das Konzil von Vienne hebt den Stand der einfachen Beginen wegen Häresie auf und eröffnet damit deren Verfolgung
1314; Der Theologe Berthold von Freiburg verfasst das erste Handbuch des Kirchenrechts in deutscher Sprache
1316; Frauen werden in Frankreich von der Thronfolge ausgeschlossen
1320: Herzog Johann von Lothringen gestattet die Eröffnung von fünf Mädchenschulen in Brüssel.
1321: Franzisca de Romano erhält die herzogliche Erlaubnis, als Chirurgin zu arbeiten.
1322: In Paris wird der Ärztin Jacobe, die ihre Patienten wie ein studierter Arzt behandelt hat, die Berufsausübung verboten.
1340: Das Wiener Stadtrecht erlaubt einem Ehemann, seine ehebrecherische Frau zu erschlagen.
1341: Margarete Maultasch, Fürstin von Tirol, verschließt vor ihrem Mann die Burgtore und beendet so die Ehe.
1347 Die erste Pestepidemie bricht in Europa aus. Der schwarze Tod breitet sich von Florenz aus, wohin er mit den Ratten auf den Orientschiffen gekommen war. Bis 1380 hat die Pest rund 40% der europäischen Bevölkerung dahingerafft. Bis 1440 sterben noch weitere 10%.
1362: Unter dem Titel De mulieribus claris = Über berühmte Frauen, stellt Giovanni Boccaccio 104 Frauenbiographien zusammen
1363 Der englische König Eduard III. schränkt durch ein Statut die Nebenerwerbstätigkeit von Männern, nicht aber die von Frauen ein.
1365-71: Bei der Errichtung des Kollegs von Périgord in Toulouse wird die Hälfte der Arbeit im Bau von Frauen verrichtet.
1377: Jeane Daubenton, eine der Anführerinnen einer Gesellschaft der Armen, wird vom Pariser Parlament als Ketzerin verbrannt.
1386: Agnes von Romsley führt englische Bauern im Kampf gegen die Verschärfung ihrer Fron.
1388: Margarete I. von Dänemark wird von schwedischen Adligen zur Königin von Schweden ernannt. Sie vereinigt ganz Skandinavien unter ihrer Herrschaft.
1389-1497: In Frankfurt praktizieren in diesem Zeitraum 15 Ärztinnen, unter ihnen drei auf arabische Augenheilkunde spezialisierte Jüdinnen.
1390: Dorothea Bocchi übernimmt das Amt eines Professors für Medizin und Moralphilosophie in Bologna.
1394: Christine de Pisan beginnt als erste Frau des Mittelalters, sich als Schriftstellerin ihren Unterhalt zu verdienen
1397: Die Kölner Garnmacherinnen und die Goldspinnerinnen erhalten ihre Zunftbriefe.
Anfang 15 Jh.: Der Prediger Bernardino von Siena verurteilt das Schlagen der Ehefrauen. Eine Nürnberger Ratsverordnung verbietet die Sitte der Kindbetthöfe, bei denen die Wöchnerin mit anderen Frauen die überstandene Geburt feiert.
1406: Der Metropolit von Russland, Fotij, verbietet die Verheiratung von Mädchen unter zwölf Jahren.
1425: Francesca Romana gründet in Rom eine religiöse Frauengemeinschaft zur Pflege von Kranken. Wegen ihrer Geschicklichkeit, Krankheiten, vor allem Frauenleiden zu heilen, gilt Francesca Romana als Wundertäterin. In ganz Europa gründen Fürstinnen und Königinnen Hospitäler, fromme Frauen und Nonnen pflegen die Kranken, Arme finde Zuflucht.
1429: Gemäß ihrer göttlichen Berufung befreit das französische Bauernmädchen Jeanne d’Arc die Stadt Orléans von den Engländern.
1435: Eine Kölner Eheschließungsformel zeigt, wie sich die Konsensehe in den Städten durchgesetzt hat.
Mitte 15: Jh.: Die Briefe der englisch Familie Paston spiegeln das Alltagsleben von Frauen des englischen Adels. Zahlreiche Mäzeninnen fördern die Ausbreitung der Renaissance in Europa. Das grundlegend neue Menschenbild, das Renaissance und Humanismus seit dem 14. Jh. von Italien ausgehend in ganz Europa entwickeln, gründet sich auf die Entdeckung des Eigenwerts des Individuums und die Bejahung des irdischen Daseins.
1455: Um das Dirnenwesen einzuschränken, verbannt der Kölner Rat die schönen Frauen in bestimmte Straßenzüge.
1472: In den französisch-burgundischen Kriegen wirft sich Jeanne de la Hachette mit einem Beil den Feinden entgegen und rettet dadurch ihre Heimatstadt Beauvais.
1476: Beatrice von Aragonien wird Königin von Ungarn und fördert dort die Verbreitung der italienischen Renaissancekultur.
1484: Papst Innozenz VIII. gibt mit der Bulle Summmis desiderantes affectibus den Befehl zur Inquisition der Hexen
1487: Die beiden deutschen Inquisitöre Heinrich Institoris und Jakob Sprenger verfassen den Hexenhammer, der die Folter legitimiert. Die beiden hatten bereits 1484 bei Papst Innozenz VIII. die Berechtigung zur Hexenverfolgung erwirkt.
