Chronik der Frauen: 1500 - 1649

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Renaissance und frühe Neuzeit 1500 bis 1650:

Eine geistigkulturelle Bewegung war es, die in Europa den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit einleitete.
Ihre Wurzeln hat sie in den großen oberitalienischen Handels- und Gewerbestädten des Spätmittelalters. An die Stelle theologischer Spekulationen setzte ein selbstbewusstes Städtebürgertum das Streben nach Vervollkommnung des Menschen und nach besserer Ordnung des Gemeinwesens ein. Begleitet waren diese Bemühungen von der Wiederentdeckung des Kulturgutes der griechischen und römischen Antike.
Malerinnen wie Sofonisba Anguissola und ihre Schwestern, Artemisia Genileschi, Lavinia Fontana, Fede Galizia oder Arcangela Paladini gelangen zu künstlerischer Anerkennung.
Das scholastische Weltbild und die theologische Praxis der mittelalterlichen Papstkirche waren wachsender Kritik ausgesetzt. Das führt aber weder in Italien, noch in einem der später vom Renaissancehumanismus erreichten Länder zu einer Abkehr vom patriarchalisch geprägten Frauenbild der katholischen Kirche.
Immer mehr Menschen wenden sich den neuen Lehrern, den Reformatoren Martin Luther, Johannes Calvin, Ulrich Zwingli, den Wiedertäufern und Quäkern zu. Die patriarchalische Rollenverteilung der Geschlechter ist im Calvinismus beibehalten, aber seine mit dem Naturrecht in Verbindung gebrachte Ehelehre leitet die Unterordnung der Frau nicht von göttlichem Gebot ab.
Die gefühlsbetonte humanistische Tradition ist in dem Streben nach Balance und Harmonie in den ehelichen Beziehungen erhalten. Das Missverhältnis zwischen dem Erwartungsanspruch vieler Frauen an die Reformation und den Ergebnissen ist eklatant.
Da die Ehe als wichtigste Säule der weltlichen Ordnung proklamiert ist und zur einzigen Lebensbestimmung der Frau wird, geraten die zahlreichen ohne Mann lebenden Frauen in eine Außenseiterrolle.
In der städtischen Gesetzgebung werden Verordnungen, die weibliche Konkurrenz in Handwerk und Handel ausschalten sollten, immer häufiger. Eine vorrangige Rolle spielt dabei das Verbot einer geregelten Lehre für weibliche Arbeitkräfte.
Negative Auswirkungen für die Frauen hat auch die Festigung der absolutistischbürokratischen Strukturen oder territorialherrlichen Machtbefugnisse.
Auf dem Gebiet der Rechtsprechung führt sie zur Ballung von weltlicher und geistlicher Macht in einer Hand.
In dem Streben nach einer rechten Ordnung treffen sich protestantische mit restaurativen katholischen Bestrebungen.
Zu einem Meilenstein der katholischen Erneuerung wird das Konzil von Trient (1542-1563), das für Geistliche wie für Laien wichtige Reformbeschlüsse fasst und die gegenreformatorische Bewegung stärkt. Nach dem Vorbild des Jesuitenordens, jedoch mit eigenständigen Intentionen, entstehen in Europa katholische Frauengemeinschaften, wie die Ursulinen, Salesianerinnen, Vinzentinerinnen, die Englischen Fräulein, die auf ihre Weise bemüht sind, das Ansehen der katholischen Kirche bei den Gläubigen zu heben.
Ein bemerkenswerter Zug weiblicher gegenreformatorischer Bewegungen ist eine aus dem religiösen Gleichheitsanspruch der Frauen abgeleitete Selbständigkeit und Selbstbehauptung.
Der Klerus jedoch hält an dem frauenfeindlichen mittelalterlichen Frauenbild fest.
Die Frauengemeinschaften werden in die Klausur zurück gezwungen oder aufgelöst.
Um 1500: Das Menstrualblut wird während der Renaissance als Ursache von Krankheiten wie Syphilis, Lepra und Pest angesehen.
Die Wissenschaftler betrachten den weiblichen Körper als gifthaltiges Gefäß. Schon im Mittelalter galt die Menstruation als Sündenmal der Frau. Die monatliche Periode erklärte man als eine Strafe für Evas Sündenfall im Paradies. Als Verführerin Adams wurde sie, und mit ihr alle anderen Frauen, unrein. Das Menstruationsblut wurde verstanden als Inbegriff und Essenz aller weiblichen Bosheit, Gefährlichkeit und Giftigkeit. So behauptet der Arzt und Botaniker Petrus Andreas Matthiolus, dass man vom Trinken von Menstrualblut, insbesondere demjenigen boshafter und zänkischer Frauen, verrückt werde. Jede Frau sei in der Lage, als Giftmischerin, anderen Menschen durch heimliches Verabreichen von Menstrualblut, Schaden zuzufügen oder jemanden zu verhexen. Der Blick menstruierender Frauen mache sogar Spiegel trübe. Johanna von Valois gründet in Bourges den Orden der französischen Annunziatinnen.
Der Eintritt ins Kloster ist für die Töchter der reichen Bürger- und Adelsfamilien die einzige Möglichkeit, sich zu bilden und geistig zu betätigen. Das Leben hinter Klostermauern garantiert den Nonnen sowohl eine gesellschaftlich und wirtschaftlich abgesicherte Existenzweise, als auch einen Ausweg aus der Bevormundung durch den Vater, Bruder oder Ehemann.
Die Novizinnen müssen sich sowohl untereinander als auch mit den Geistlichen auf Latein unterhalten können. In den Frauenklöstern entstehen eine Reihe lateinischer und deutscher Schriften, wie Lebensbeschreibungen, Chroniken, Nonnenbücher und prophetische oder mystische Traktate.
Mit den Entdeckungen und Eroberungen im 16. Jh. treten bisher unbekannte Völker in das Blickfeld der europäischen Mächte.
Das Verhältnis der Geschlechter zueinander und damit die Rolle der Frau in der Andenkultur ruft bei den europäischen Entdeckern Verblüffung und Unverständnis hervor.
Die Frau hat in der landwirtschaftlich strukturierten Gesellschaft der Inkas einen festen Platz. Entsprechend dem dualistisch aufgebauten Weltbild der Inkas stehen auch die Rollen von Mann und Frau als sich ergänzende Gegensätze zueinander in Beziehung. Frauen und Männer arbeiten partnerschaftlich zusammen, Frauen verkaufen auf den Märkten landwirtschaftliche Erzeugnisse und selbst hergestellte Textilien. Teilweise beteiligen sie sich auch am Militärdienst. So wie die Coya, die höchste Frau im Staat, den Inkaherrscher bei Kriegszügen begleitet, ziehen auch nichtadlige Frauen zusammen mit ihren Ehemännern in den Kampf. Obwohl bei den Inkas die Ehe als unauflöslich gilt und Ehebruch mit dem Tode bestraft wird, ist vorehelicher Geschlechtsverkehr bei den Inkas, im Gegensatz zu den Azteken, gesellschaftlich akzeptiert.
Die Mädchen können in einer Probeehe mit ihrem Liebsten zusammenleben. Beziehungen mit mehreren Männern steigern sogar das gesellschaftliche Ansehen der jungen Frauen.

1501: In Paris legt die Witwe Guyonne Viart Henri Estienne den Grundstein für die Pariser Druckerei Estienne.

1503: Caritas Pirckheimer, der Äbtissin des Klarissenklosters in Nürnberg, wird verboten, weiterhin lateinisch zu schreiben, um zu verhindern, das sie sich als gelehrte Frau in politische und religiöse Angelegenheiten einmischt. Constanza d’Àvalos, Herzogin von Francavilla, verteidigt die Insel Ischia gegen die Franzosen.

1505: In Schwabach bei Nürnberg wird eine Frau namens Barbara als Hexe verbrannt, ihre kleine Tochter ebenfalls wegen Zauberei verhaftet.

Um 1510: In der bildenden Kunst werden Frauen immer öfter als dämonische Wesen dargestellt.
Die Dämonisierung der Frau in der Kunst der frühen Neuzeit steht in engem Zusammenhang mit einer von Kirche und Stadtpatriziat getragenen Politik der Zurückdrängung der Frau in die Familie. Bis weit ins Mittelalter hinein sind matriarchale Vorstellungen und Strukturen noch lebendig, die sich in erster Linie auf die Sexualität der Frau gründen. Fruchtbarkeitsriten, die um die Sexualität der Frau kreisen, werden bis in die frühe Neuzeit hinein zelebriert.
Die Kirche versucht, diese Bräuche zu unterdrücken und warnt vor der Sexualität der Frau.
Schon im Mittelalter wird sie als Todsünde der Wollust anhand der weiblichen Figur Luxuria dargestellt.
Frauen werden häufig in Verbindung mit den Elementen dargestellt; sie setzen ihre nackten Körper dem Wind aus, fliegen durch die Lüfte oder brauen mit Hilfe des Feuers geheimnisvolle Tränke.
Das Bild der Frau als gefährliche magische Gestalt wird zur Grundlage der Hexenverfolgung.
Die Kirche verbreitet anhand von Mariendarstellungen das Ideal der neuen Mütterlichkeit.
In Tiroler Nonnenklöstern existieren Amazonentheater, die ausschließlich mit weiblichen Kräften arbeiten. In vielen Städten kämpfen die Beginen um den Bestand ihrer Konvente. Auf bildlichen Darstellungen wird das Verhältnis der Geschlechter zum Symbol für die verkehrte Welt.

1510/13: Romane von Elisabeth von Nassau-Saarbrücken entwickeln sich zu einer beliebten Lektüre.

1512: In England wird von der Kirche eine Reglementierung der Hebammen eingeführt.

1518: Das Bayerische Landrecht entzieht verheirateten Frauen das Verfügungsrecht über ihren Besitz. Ohne Wissen und Zustimmung des Ehemannes ist es der Frau verboten, Güter zu verkaufen.

1519: Die italienische Renaissancefürstin Lucrezia Borgia stirbt. Sie machte den Hof von Ferrara zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt.

Ab 1520: Urteilssprechung und Strafvollzug bei Hexenprozessen fallen in den Bereich der weltlichen Gerichtsbarkeit. Durch diese Neuregelung nimmt die Zahl der Prozesse zu.

Um 1520: In Deutschland wird der Verkauf abtreibender Mittel durch neue Apothekenordnungen verboten. Zur gleichen Zeit gerät das praktische Heilwissen der Hebammen und Kräuterkundigen Frauen immer mehr in Verruf (es heißt während der Hexenverfolgung, Hebammen verabreichten empfängnisverhütende Mittel und sorgten mittels geheimer Künste dafür, dass Schwangerschaften unerbrochen würden; auch könnten sie durch ihre magischen Kräfte die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen beeinflussen. Sie raubten Männern die Potenz und verhinderten die Fortpflanzung. In Hamburg wird eine Frau hingerichtet, weil sie junge Mädchen im Gebrauch von Verhütungsmitteln unterrichtete..

1520: Die aztekische Prinzessin Malintzin, Marina von Mexiko, dolmetscht bei den Verhandlungen in Tenochtitlan

1523: In Deutschland wird im Zuge der Reformation gefordert, den Frauen unter 60 Jahren den Beitritt ins Kloster nicht zu erlauben. Frauen sollen heiraten und Kinder gebären.

1524: In Süd- und Mitteldeutschland beginnt der Bauernkrieg. Zusammen mit den Bauern und Landsknechten ziehen auch viele Frauen als Marketenderinnen und Trossdirnen in die Schlachten.

1525: Der Rat der Stadt Straßburg beschließt, alle Klöster zu schließen. Die ehemalige Nonne Katharina von Bora heiratet den früheren Mönch Martin Luther.

1527: Im mittelrheinischen Gebiet wird unter Androhung von Strafe verboten, Mägden das Nähen beizubringen. Die Ansätze zu wirtschaftlicher Selbständigkeit von Frauen werden in den folgenden Jahren überall in Deutschland bekämpft.

Um 1530: Im Gefolge der Reformation werden in Deutschland viele Frauenklöster geschlossen.

1531: Die braunschweigische Kirchordnung besagt, dass Mädchen höchstens 2 Std. täglich in die Schule gehen sollen da sie die restliche Zeit für das Erlernen der Haushaltsführung benötigen.

1535: Angela Merici begründet die Gesellschaft der hl. Ursula, die sich dem Unterricht, der Krankenpflege und der Fürsorge widmet.

1537/38: Paracelsus schreibt über Die Hexen und ihre Werke. In seiner Typologie entwickelt er einen Katalog von Merkmalen, mit deren Hilfe Hexen zu erkennen seien. Besonders deutlich sei eine Hexe an ihrer Abneigung gegen Männer zu erkennen. Haare und Gesicht waschen sie sich nur selten, sie schätze das Alleinsein und beschäftige sich gerne mit heimlichen Künsten, vernachlässige den Haushalt, verweigere sich ihrem Ehemann, koche nur selten. Anhand dieser von ihm aufgestellten Kriterien wird das Hexenbild verfestigt und später zur Grundlage für die Verfolgung und Hinrichtung vieler tausend Frauen in ganz Europa.

1540: Neue Eheregeln im calvinistischen Genf setzen fest, dass die Frau jünger sein muss als der Mann und dass Ehebruch mit dem Tode betraft werden soll. In Wittenberg werden vier Hexen verbrannt. Für ledige Frauen wird in vielen Gebieten die Vormundschaft eingeführt.

1542: Am Amazonas findet ein Kampf zwischen Konquistadoren unter Francisco de Orellana und einem Frauenheer statt. Der Fluss wird nach den Amazonen benannt. Luis de Caraval beschreibt sie: Diese Frauen sind sehr weiß und groß und tragen das Haar sehr lang und zu Zöpfen geflochten, um den Kopf gelegt, und sie sind sehr stämmig und gehen splitternackt, die Scham unverhüllt, und sie kämpfen ebensoviel wie jeweils zehn Indianer. Spanien erlässt für seine Kolonien die Neuen Gesetze zum Schutz der Indios. Zwar wird dadurch die Versklavung der Indios abgeschafft, die Länder der Neuen Welt werden jedoch in den nächsten Jahren zu wichtigen Absatzgebieten für schwarze Sklavinnen und Sklaven aus Afrika. Schon seit 1440 verdienen europäische Sklavenhändler an dem Handel mit Menschen. Zwischen 1500 und 1600 verzehnfacht sich die jährliche Anzahl der aus Afrika verschleppten Menschen. Der Großteil stammt aus Senegal und von der Ostküste von Guinea. Sklavinnen gelten als Ware und nicht als Menschen. Einerseits sind sie der unmenschlichen Schwerarbeit ausgesetzt, andererseits werden sie von den weißen Herren mit Vergewaltigung bedroht. Sie sollen möglichst viele Kinder haben, um so den Besitz des Herren zu vermehren. Die Kinder können als billige Arbeitskräfte eingesetzt oder gewinnbringend weiterverkauft werden. Häufig nimmt man den Frauen ihre Kinder weg, sobald sie nicht mehr gestillt werden. Häufig entbinden sie während der Schwerarbeit auf den Feldern.

1546: In Smithfield wird die 25jährige protestantische Märtyrerin Anne Askew wegen Ketzerei verbrannt. Die Italienerin Sofonisba Anguissola aus Cremona beginnt ihre künstlerische Ausbildung. Sie wird später Hofmalerin des spanischen Königs Philipp II, und gehört zu den ersten Künstlerinnen, die namentlich bekannt werden.

1547: Die Dichterin und Gouverneurin der Stadt Benevent, Vittoria Colonna, stirbt

Ab 1550: Die neu entdeckten Länder und Gebiete in Übersee werden in der bildenden Kunst durch weibliche Figuren symbolisiert. Amerika erscheint fast durchgängig als schöne, nackte Menschenfresserin. In Deutschland und Europa beginnt das Jahrhundert der Hexenverfolgung, das sog. eiserne Zeitalter, dem in erster Linie Frauen zum Opfer fallen (über 300.000 Menschenopfer). In erster Linie werden zunächst Hebammen, Allein stehende, sozial nicht abgesicherte Frauen und Kräuterfrauen verfolgt, Konkubinen, Huren, Ehebrecherinnen, bald schon genügt aber eine anonyme Verdächtigung, um den Mechanismus von Verhaftung, Verhör, Folter und Hinrichtung einzuleiten. Auffallende Schönheit ist genauso ein Verdachtsmoment wie körperliche Missbildungen, besonderer Reichtum von Frauen wie Armut. In einigen süddeutschen Dörfern wird fast die gesamte weibliche Bevölkerung hingerichtet. Hexen stellen eine Gefahr für die weltliche und göttliche Ordnung dar. In wirtschaftlichen Krisenjahren geht man besonders heftig gegen Hexen vor, denen dafür die Schuld zugeschrieben wird.

1551: Barbara Uttmann baut ihre zahlreichen Berg- und Schmelzwerke im Erzgebirge zu höchst gewinnbringenden Unternehmen aus.

1554: In Frankreich erscheint die Schrift: Von der Überlegenheit des weiblichen Geschlechts über das männliche

1555: Die italienische Renaissance-Gelehrte und bedeutendste Frau des Humanismus Olympia Morata stirbt. Kurz zuvor hatte sie einen Ruf nach Heidelberg erhalten auf den Lehrstuhl für griechische Sprache und Literatur.

1556: Johanna von Albret, Königin von Navarra, tritt zum Protestantismus über und wird zur Vorkämpferin der Hugenotten.

Ab 1560: erstmals weibliche Bühnenrollen gespielt

1561: Im Todesjahr einer der ersten historisch erwähnten Chemikerinnen, Isabella Cortese, erscheint in Venedig ihr Werk: Verborgene heimliche Künste in der Alchimie, Medizin und Chirurgie

1563: Die katholische Kirche ändert das Eheschließungsrecht auf dem Konzil von Trient. Der Humanist Johannes Weyer führt das Hexenwesen auf die grundsätzliche Schwachheit der Frau zurück.

1566:Die strenge Klausur wird durch päpstlichen Beschluss zur Voraussetzung für den Zusammenschluss von Frauen zu einem Orden mit feierlichen Gelübden.

1567: Die Zittauer Gesindeordnung verbietet es ledigen Frauen, selbständige Stellungen anzunehmen. Dadurch wird die Ehe immer mehr zur sozialen Notwendigkeit für Frauen. 400 Frauen zu Pferd und 800 zu Fuß begleiten das Heer von Fernando Alvarez de Toledo, Herzog von Alba, im Feldzug der Spanier gegen die Niederlande.

1570: Die spanische Mystikerin Theresia von Avila wird erste weibliche Kirchlehrerin

1572: Die Hexerei wird im lutherischen Sachsen zum Kapitalverbrechen erklärt und mit Verbrennen bei lebendigem Leibe bestraft. Damit beginnt auch in den protestantischen Territorien die Hexenverfolgung. Königin Katharina de Medici benutzt das Hochzeitsfest ihrer Tochter Margareta mit Heinrich IV. von Navarra, um in dieser Bartholomäusnacht in Paris 200 führende Hugenotten hinrichten zu lassen.

1574: Die französische Nonne und Äbtissin Claudine Bectoz stirbt. Sie gilt als beste lateinische Schriftstellerin ihrer Zeit.

1579: In London gibt die Buchdruckerin Joanne Juge: Die Kunst der Navigation heraus. Trotz rechtlicher Behinderungen sind in England mehrere Frauen als Buchdruckerinnen und Verlegerinnen tätig.

1583: In Wien findet zum ersten und einzigen Mal ein Hexenprozess statt. Die Angeklagte, die 70jährige Elisabeth Plainmacher soll ihre epileptische Enkelin verhext haben.

1587: In Madrid erscheint: Eine neue Philosophie der menschlichen Natur, von der spanischen Heilkundigen Olivia Barrera. Bis auf zwei Kopien werden alle Exemplare von der Inquisition vernichtet.

1589: Jane Anger verfasst die erste feministische Schrift in England und fordert Rechte für Frauen.

Ab 1590: In Frankreich werden die öffentlichen Bordelle geschlossen.

1593: Die 74jährige Alice Samuel wird zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter in England hingerichtet. Sie ist das Opfer des Warboys-Prozesses, dem ersten Hexenprozess, bei dem Kinder Ankläger sind. Eine Sammlung der Madrigale der 23jährigen italienischen Komponistin und Nonne Victoria Aleotti wird veröffentlicht.

1594: In Nördlingen widersteht die der Hexerei angeklagte Maria Holl 56 Folterungen, ohne zu bekennen.

1595: Die spanische Seefahrerin Isabel Barreto entdeckt zusammen mit ihrem Mann die Insel Santa Cruz,. Anna Wecker veröffentlicht das medizinische Kochbuch

1596: In Amsterdam wird ein Spinn- und Zuchthaus für Frauen eröffnet, das Haus des unnützen und unbändigen Frauenvolcks. Der Generalstaatsanwalt von Lothringen rühmt sich, innerhalb von 10 Jahren rund 900 Hexen und Hexer verbrannt zu haben.

1597: In Brüssel wird die letzte protestantische Märtyrerin, eine Wiedertäuferin, lebendig begraben.

1599: In der anonymen Streitschrift: Le Triumphe des Dames wird mit theologischen Argumenten behauptet, dass der Mann die geringere Form des Menschseins darstellt.

Um 1600: In England und Frankreich beginnt erstmalig eine breite Schicht von Frauen, Naturwissenschaften zu studieren und darin zu forschen. In Afrika unternimmt die Amazone Anna Xonga aus Angola weite Kriegszüge. Die Italienerin Lucrezia Marinella fordert in ihrer Streitschrift: Über Adel und Vorzüglichkeiten der Frauen und Fehler und Mängel der Männer gleiches Recht auf Bildung für Frauen

In Europa tobt in der ersten Hälfte des 17. Jh. der Dreißigjährige Krieg. Ganze Landstriche werden entvölkert. Obwohl sich Frauen als Marketenderinnen den Heeren anschließen, sind sie meist die Opfer der Auseinandersetzungen. Kriegsgeschehen 1636 und 1637: Es war unter der Soldateska damals allgemein, nach Erstürmung von Städten und Ortschaften unreife Mädchen zu Tode zu schänden, Jungfrauen und Frauen auf dem Rücken ihrer gebundenen und verstümmelten Väter und Gatten zu notzüchtigen, Schwangeren die Brüste abzureißén, Gebärenden den Leib aufzuschlitzen…

1601: Als Reaktion auf die starke Konkurrenz im städtischen Handwerk wird in der Zunft der Bortenwirker die Beschäftigung von Frauen verboten.

1603: Am osmanischen Hof praktiziert eine Ärztin, die den jungen Sultan Achmed I. von den Blattern heilt.

1606: Maria Andreae wird Hofapothekerin in Stuttgart.

1608: Die Künstlerin Lavinia Fontana wird von Papst Klemens VIII. nach Rom berufen, um eine Altartafel für die Basilika San Paolo fuori le Mura auszuführen.

Um 1610: In Deutschland entstehen Strafanstalten für Frauen, die als Textilmanufakturen geleitet werden. Die Marquise von Rambouillet richtet als Erste einen Salon in Paris ein. In Deutschland darf in 15 Städten kein Handwerker mehr eine Frau ausbilden und beschäftigen..

1616: In Delft stürmen bewaffnete Frauen das Rathaus, um gegen erhöhte Kornsteuern zu protestieren.

1617: In England verfasst die Feministin Ester Sowernam eine Verteidigungsschrift des weiblichen Geschlechts. Der römische Senat ehrt die Gelehrte, Künstlerin, Mathematikerin und Astronomin Tarquinia Molza mit der Verleihung des Bürgerrechts, übertragbar auf ihre Nachkommen.

1618: Die italienische Malerin Artemisia Gentileschi wird in die Accademia del Disegno aufgenommen und mit Dekorationen für die Casa Buonarroti in Florenz beauftragt.

1620: Mit der Mayflower treffen 28 Puritanerinnen aus England als Siedlerinnen in Nordamerika ein.

1622: Marie de Jars de Gournay verfasst die Schrift: Die Gleichheit von Männern und Frauen; die italienische Malerin Artemisia Gentileschi richtet sich in Rom ein Atelier ein und nimmt Portraitaufträge an

1624: Die englische Buchkdruckerin Elizabeth Jaggard gibt Francis Bacons Essays heraus

1625: Am florentinischen Hof wird unter Mitwirkung der Komponistin Francesca Caccini die Oper: La Liberazione di Ruggiero dall’Isola Alcina uraufgeführt.

1626: In ihrer Schrift: Grief des Dames, entwirft Marie de Jars de Cournay ein Zeitbild weiblicher Einschränkungen.

1627: In Würzburg werden 157 Hexen verbrannt. Die Postmeisterin Katharina Henot wird in Köln als Hexe verbrannt

1629: Johannes Bergmann stellt einen Katalog der Eigenschaften von Frauen und Männern auf. Er bezeichnet Unbeständigkeit, Leichtfertigkeit und Ungeduld als weibliche Eigenschaften. Schlagen der Ehefrau gilt als Rechtens.

1631: Die von Mary Ward gegründete Gemeinschaft der Englischen Fräulein wird durch päpstlichen Erlass verboten. Die Schrift Cautio Criminalis des deutschen Theologen Friedrich Spee von Langenfeld muss anonym erscheinen, da sie den Hexenwahn in Deutschland kritisiert

1632: Martine de Beausoleil, die erste Geologin Europas, weist in einer Denkschrift auf die Bodenschätze und ihre Bedeutung für den Wohlstand eines Landes hin.

1635: Die holländische Malerin Judith Leyster beendet ihr Selbstportrait. Die Künstlerin, als Leitstern der Malerei gefeiert, gilt als eine der größten Malerinnen ihrer Zeit.

1638: Sibylla Schwarz stirbt 17jährig; die Dichterin des Frühbarock gestaltete als erste neben religiösen auch weltliche Themen in der Tradition der barocken Kunstdichtung. A. Rivet veröffentlicht den Disput über den weiblichen Verstand, den Anna Maria von Schurmann mit ihm geführt hat. In Wittenberg erscheinen die: Practica nova Imperialis Saxonica Rerum Criminalium des Benedikt Carpzov. Das Strafgesetzbuch behandelt ausführlich die Hexenprozesse.

1639: Im Bürgerspital in Wien wird eine Möglichkeit zur Abgabe unehelicher Kinder geschaffen.

Um 1640: Sehr viele Protestschriften religiösen und politischen Inhalts werden von Frauen in England verfasst.

1641: Die Engländerin Catherine Chidley tritt für weibliche Unabhängigkeit ein

1642: Herzog Ernst von Gotha führt als erster die allgemeine Schulpflicht für Knaben und Mädchen ein.

1643: Madeleine Béjart, die erste professionelle Schauspielerin Frankreichs, und Jean-Baptiste Poquelin, gen. Molière, gründen das illustre Théatre.

1644: In China kommt die Mandschu-Dynastie an die Macht. Es ist nun Frauen verboten, sich die Füße einzuschnüren, trotzdem wird das in der Landbevölkerung weiterhin gemacht. Die völlig verkrüppelten, stark verkürzten Frauenfüße, die im Idealfall nur 7,5 cm lang sein sollen, gelten in China etwa seit dem Jahr 1000 als Gipfel weiblicher Schönheit. Vor allem der unsichere, schwankende und watschelnde Gang der Frauen wird von den Männern als anziehend gerühmt. Die verkrüppelten Füße selbst, Goldlotusse genannt, verehrt man als sexuell attraktivsten Teil des weiblichen Körpers. Für die betroffenen Frauen bedeuten die eingebunden Füße nicht nur eine lebenslange schmerzhafte Qual, sondern auch totale Abhängigkeit von Ehemann und Familie. Ans Haus gefesselt können sie sich nur mit Hilfe von Krücken oder kriechend fortbewegen. Zuerst werden den kleinen Mädchen die kleinen Zehen unter der Fußsohle mit straffen Bandagen festgebunden, bis sie absterben. Dann werden Zehen und Hacken eng zusammengebunden, so dass der Mittelfußknochen sich bogenförmig biegt oder bricht. Entzündungen der Fußnägel, herauseiternde Knochensplitter und das Verfaulen der Haut verursachen den Mädchen unerträgliche Schmerzen, bis das Gefühl in den Füßen schließlich abstirbt. Auch die erwachsenen Frauen haben ihr Leben lang mit Entzündungen zu kämpfen.

1647: Madeleine de Scudéry eröffnet ihren Salon in Paris.

Um 1648: Während und nach dem Dreißigjährigen Krieg nimmt das Frauenvagabundieren drastische Ausmaße an. Wachsende Frauenarbeitslosigkeit, Vertreibung aus den Klöstern und Stiften sind auch ein Grund dafür.

1648: Ende des Dreißigjährigen Krieges. Durch den Einfluss von Amalie Elisabeth von Hessen-Kassel wird das reformierte Glaubensbekenntnis als gleichberechtigt mit der protestantischen Lehre anerkannt.