Chronik der Frauen: 1850 - 1930
Mit der Einführung der Anästhesie, der Schmerzbetäubung, dem Wissen um die inneren Geschlechtsorgane, mit dem Gebrauch von diversen Instrumenten wie die Uterussonde, Speculum, Sthethoskop, entwickelt sich die Gynäkologie, die Lehre von der Frauenheilkunde einschließlich der Geburtshilfe, zum eigenständigen wissenschaftlichen Fach. James Young Simpson, Geburtshelfer in Edinburgh hatte 1847 das Chloroform in die Schmerzbekämpfung eingeführt. Allmählich wird in Notsituationen der Kaiserschnitt zum gebräuchlichen Eingriff. Erste Operationen an der Gebärmutter werden durchgeführt.
1850: Maria von Colomb gründet in Görbersdorf, Schlesien, eine Kaltwasserheilanstalt. In Hamburg wird die erste Frauenhochschule des Dt. Bundes gegründet. In Preußen werden alle bestehenden Frauenvereine aufgelöst. Jenny Lind, die schwedische Nachtigall, gibt ihr erstes Konzert In New York.
1851: Die Volkslieder der Marie Cäcilie Rivelers werden von Karl Simrock in seine Sammlung dt. Volkslieder aufgenommen. Kindergärten werden in Preußen wegen der destruktiven Tendenzen auf dem Gebiet der Religion und Politik verboten.
1852: Die US-amerikanische Schriftstellerin Harriet Beecher Stowe veröffentlicht den Roman: Onkel Toms Hütte.
1854: Frederika Brehmer gründet den ersten Frauenfriedensbund in Europa. In Sachsen führt das Verbot der Arbeiterverbrüderung zur Auflösung der Frauenabteilungen. Papst Pius IX. verkündet das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariä.
1855: In Großbritannien wird der Weltbund christlicher Verbände Junger Frauen gegründet, dem über 80 selbständige nationale Verbände angehören.
1857: Elizabeth Blackwell gründet in New York die erste Frauen und Kinderklinik. Frauen werden an der Universität Zürich generell zum Studium zugelassen.
1857: Die französische Malerin Rosa Bohnheur erhält die polizeiliche Erlaubnis, Männerkleidung zu tragen.
1858: In NewYork demonstrieren Textilarbeiterinnen gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen, für bessere Arbeits- und Lohnverhältnisse und für gleiche Löhne. In Schweden werden unverheiratete Frauen mit 25 Jahren mündig gesprochen.
1860: Ministerpräsident Camillo Benso Graf von Cavour führt die Reglementierung der Prostitution ein, die damit in Sardinien-Piemont gesetzlich erlaubt ist.
1861: Die Frauen in Niederösterreich, Böhmen und Steiermark erhalten das aktive Wahlrecht für den Landtag. Der Nordamerikanische Bürgerkrieg beginnt.
1863: Sachsen und Baden beschäftigen Frauen im Post- und Telegrafierdienst.
1864: Julia Margaret Cameron stellt erste Fotos her. Die Universität Zürich lässt einige Frauen aus St. Petersburg zum Studium der Medizin zu. Die US-amerikanische Frauenrechtlerin, Anna Dickinson hält im Repräsentantenhaus eine Rede.
1865: Der Nordamerikanische Bürgerkrieg endet. Die Schriftstellerin Anna Carroll, die für den amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln als Agentin arbeitet, hatte den sog. Tennessee-Plan entworfen dank dem der Sieg der Nordstaaten errungen wurde. Die Botanikerin Amalie Dietrich aus Ziegenheim bei Jena tritt ihre zehnjährige Forschungsreise nach Australien an. Verschiedene Entdeckungen werden nach ihr benannt.
1866: Im britischen Unterhaus legt der Philosoph John Stuart Mill eine Petition für das Frauenstimmrecht vor, die von 1500 Frauen unterzeichnet ist.
1867: Die Russin Nadeschda Suslowa promoviert an der Univ. Zürich zur Doktorin der Medizin.
1869: Die Internationale Gewerkschaftsgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter wird in Sachsen gegründet.
1869: In Philadelphia besteht Henriette Hirschfeld ihr Examen als Doktorin der Zahnmedizin. In Wyoming wird das Frauenwahlrecht durchgesetzt.
1870: Die US-Amerikanerin Margaret E. Knight erhält das Patent für die Erfindung von Einkaufstaschen. Zum ersten Mal wählen die Frauen in Wyoming. Josephine Butler protestiert gegen ein Gesetz, das die Prostitution in Großbritannien kontrollieren soll.
1871: Das Verdienstkreuz für Frauen wird von Kaiser Wilhelm I gestiftet. Im Norddeutschen Bund wird der Schwangerschaftsabbruch unter Strafe gestellt. Kaiserin Augusta steht an der Spitze des Dachverbandes der Vaterländischen Frauenvereine. Weibliche Mitglieder des Lette-Vereins sind zu sämtlichen Ausschüssen des Vorstandes wählbar.
1872: Henriette Goldschmidt begründet in Leipzig ein Seminar für Kindergärtnerinnen.
1874: Berthe Morisot bestreitet gemeinsam mit ihren Kollegen die erste Impressionisten-Ausstellung in Paris.
1876: Die erste Besteigung des Montblanc im Winter gelingt der Britin Isabelle Straton. Franziska Tiburtius lässt sich als erste praktische Zahnärztin in Berlin nieder. Bei der 100-Jahr-Feier der USA stürmen Frauen die Festveranstaltung und verlesen die Deklaration der Frauenrechte. Maria Spelterini stellt ihre Füße in Körbe und überquert auf einem Seil die Niagarafälle in den USA
1877: Die internationale Vereinigung der Freundinnen junger Mädchen richten in Genf auf den Bahnhöfen einen Abholdienst für Mädchen ein.
1878: Catherine und William Booth gründen in London die Heilsarmee. Im Dt. Reich werden erste Mutterschutzbestimmungen erlassen.
1879: der erste Wiener Damenfechtclub entsteht.
Um 1880: Die Kohleherde werden zunehmend durch Gasherde verdrängt. Papst Leo XIII. erlässt eine Enzyklika über die christliche Ehe, die sich gegen das Prinzip der Gleichberechtigung der Frau ausspricht.
1881: Eugen Dühring stellt die Behauptung auf, die Frauenbewegung sei jüdischen Ursprungs.
1882: Der Münchener Künstlerinnenverein gründet eine Damenakademie.
1883: Nach dem Tod von Richard Wagner leitet seine Frau Cosima die Festspiele in Bayreuth.
1884: Die Aufhebung des Mutterrechts wird von Friedrich Engels als die weltgeschichtliche Niederlage des weiblichen Geschlechts bezeichnet.
1887: In der US-amerikanischen Presbyterianischen Kirche beginnt der Weltgebetstag für Frauen. Antia Augspurg und Sophia Goudstikker eröffnen in München ein Fotoatelier. 1888: In Washington wird der Internationale Frauenrat gegründet. Berta Benz fährt den Motorwagen von Mannheim nach Pforzheim. So weit ist bisher noch kein Autofahrer gefahren. Die Verleihung des Bordinschen Preises begründet den Weltruhm der russischen Mathematikerin und Schriftstellerin Sofija W. Kowalewskaja. In Japan gibt es 10.326 Geishas und 27.559 Prostituierte.
1889: In Berlin wird der Verband weiblicher Angestellter e.V. gegründet, einzige dt. Frauengewerkschaft.
1891: Der Dt. Reichstag in Berlin verabschiedet Gesetze zum Schutz von Arbeiterinnen. Für Frauen gilt der Elfstundentag und sie erhalten vier Wochen bezahlten Urlaub nach der Entbindung. Die SPD fordert als erste dt. Partei in ihrem Programm das Wahlrecht für Frauen
1892: In Russland erhalten die Frauen das Wahlrecht für die städtischen Selbstverwaltungsorgane.
1893: Die Fallschirmspringern Käte Paulus erlebt im Flug den Tod ihres Verlobten.
1894: Kang Youwei gründet in Gnangzhou die erste Vereinigung gegen das Bandagieren der Frauenfüße in China.
1895: Sigmund Freud und Josef Breuer veröffentlichen ihre Forschungsergebnisse über die weit verbreitete Frauenkrankheit Hysterie. Die Moral der Gründerzeit, die weibliche Sexualität strikt tabuisiert und der bürgerlichen Frau lediglich familiäre Aufgaben zuweist, führt unweigerlich zu seelischen Konflikten. Frauen bleiben alle öffentlichen Möglichkeiten der Selbstbetätigung versagt, während der Mann berufliche Anerkennung findet. Häufig rebellieren Frauen gegen ihre Unterdrückung und die Beschränkung ihrer Entfaltungsmöglichkeiten mit hysterischen, krampfartigen Anfällen. Da der Zugang zur Erwerbstätigkeit vor allem bürgerlichen Frauen verschlossen ist, stammen auffallend viele Hysterikerinnen aus der mittleren und oberen Schicht. Seit der Antike wird die Hysterie als weibliche Krankheit angesehen: Ursache sei die wild gewordene Gebärmutter, die nach Lust und Kindern schreie…
1896: Frauen dürfen an den ersten olympischen Spielen der Neuzeit nicht teilnehmen. Der erste Internationale Frauenkongress wird von Lina Morgenstern im Dt. Reich eröffnet. 17.000 Delegierte aus 14 Ländern nehmen daran teil.
1898: Als erste Frau erhält Marie von Ebner-Eschenbach das österreichische Ehernabzeichen für Kunst und Wissenschaft. Frauen fordern die Abrüstung der schädlichen Panzerkorsetts, die den weiblichen Körper einzwängen und eine natürliche Atmung unmöglich machen.
1899: Für den Grinzinger Friedhof in Wien wird eine Totengräberin bestellt. Anlässlich des Internationalen Friedenskongresses in Den Haag finden in 18 Ländern 565 Frauenversammlungen statt. Bertha von Suttner und Margarethe Selenka überreichen dem Präsidenten der Haager Friedenskonferenz die erste internationale Friedensresolution der Frauen. In London findet ein Internationaler Frauenkongress zum Thema Mädchenhandel statt.
1900: Die Pariser Kunsthochschule lässt Frauen zum Studium zu. Im Familienrecht des BGB werden Frauen weiterhin ehe-herrschaftlicher Vormundschaft unterworfen. Baden gewährt als erstes Land im Dt. Reich Frauen den Zugang zur Universität. Erika Paulas erhält in Budapest das Baumeisterdiplom. Zum ersten Mal dürfen Frauen an den II. Olympischen Spielen der Neuzeit in Paris teilnehmen. Renate Schulz aus Hamburg schwimmt 100 m Freistil in 1:57,6 min.
1901: Die Ärztin Anna Fischer-Dückelmann beschreibt in ihrem Buch empfängnisverhütende Mittel. Femina erscheint in Frankreich; die Frauenzeitschrift ist auf dem Gebiet der Frauen- und Modezeitschriften führend. Die norwegischen Frauen erhalten mit Einschränkungen das kommunale Stimmrecht. Der Friedrichshafener Damen-Ruderverein wird begründet. In Preußen gibt es 213 staatliche und 656 private höhere Mädchenschulen. In Frankreich wird die erste Rechtsanwältin zugelassen.
1902: In den USA wird die Photosession gegründet, 1/5 der Mitglieder sind Frauen. Mathilde Wesendonck stirbt;Wagner hatte die von ihr verfassten Gedichte 1857/58vertont. In Großbritannien wird Frauen das Fußballspielen verboten.
1903: Henriette Arendt wird die erste Polizeifürsorgerin in Stuttgart. In der Schule für Brücken- und Wegebau in Paris erreicht Frau Kanyersky als erste Frau den Grad eines Zivilingenieurs. Erste registrierte Laufleistung einer Frau namens Agnes Wood, in Poughkeepsie/USA. Die Tennisspielerin Dorothy Dokuglass gewinnt ihren ersten Titel im Dameneinzel in Wimbledon. Frau von Dorp tritt als erste weibliche Advokatin im Gerichtshof in Den Haag auf. In Stockholm wird der Naturwissenschaftlerin Marie Curie der Nobelpreis für Physik für die Entdeckung der Elemente Polonium und Radium verliehen. 1906 wird sie ihre offizielle Antrittsvorlesung an der Sorbonne in Paris abhalten
1904: Der erste Studentinnenverein wird in Halle gegründet. In London betritt Frau Petzold aus Westpreußen als erste Predigerin einer unitarischen Freikirche die Kanzel. Die Ausdruckstänzerin Isadora Duncan eröffnet in Berlin eine Tanzschule. Carrie-Chapmann-Catt gründet den Weltbund für Frauenstimmrecht. Dorothy Douglass gewinnt zum zweiten Mal im Dameneinzel in Wimbledon. Erstmals können Frauen im Bogenschießen teilnehmen an den III. Olympischen Spielen in St. Louis.
1905: Käthe Schirmacher fordert dass Hausarbeit bezahlt werden muss. Helene Stöcker gründet in Berlin den Bund für Mutterschutz und Sexualreform. Die Tänzerin Mata Hari begeistert das Pariser Publikum. Ida Krone zeigt im Zirkus Charles eine Gruppe von 24 Löwen.
1906:Frau Bullock-Workman besteigt das Massiv des Nun-Kun an der tibetischen Grenze (7000m). Die Britin Madge Syers gewinnt in Davos die erste WM im Eiskunstlaufen für Damen. Königin Amalie von Portugal, die in Medizin promoviert, wird zur Ehrenpräsidentin des 15. Internationalen Medizinkongresses in Lissabon ernannt. Finnland ist das erste europäische Land, das Frauen das Wahlrecht verleiht.
1907: Zum ersten Mal werden in Paris Rockhosen für Frauen vorgestellt. Die italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori eröffnet in Rom das erste Kinderhaus. Erstmals wählen finnische Frauen. Die Volkszählung im Dt. Reich ergibt, dass es 0,8 Mio. mehr Frauen als Männer gibt.
1908: In allen Teilen des Dt. Reiches finden Demonstrationen für das Frauenstimmrecht statt. Bei den IV. Olympischenspielen in London dürfen erstmals Eiskunstläuferinnen teilnehmen. Mit dem Inkrafttreten des Reichsvereingesetzes ist die politische Betätigung von Frauen in Parteien und Vereinen im Dt. Reich erlaubt. Als erster weiblicher Passagier nimmt Thérèse Peltier an einem Flug teil. In Großbritannien gibt es eine weibliche Bürgermeisterin: Frau Dove in High Wycombe in der Grafschaft Buckinghamshire. Sie ist Vorsitzende des Gerichthofes, ohne Stimmrecht. Melitta Benz, Erfinderin des Kaffeefilters, gründet die Melitta-Werke. Der Zehnstundentag für Frauen wird im Dt. Reich eingeführt.
1909: Die Mathematikerin Emmy Noether, die als einzige Frau an der Erlanger Philosophischen Fakultät studiert hat, wird Mitglied der Dt. Mathematikervereinigung. Die erste Dauerwelle wird in London gelegt. Jeanne d’Àrc wird heilig gesprochen. Frauen werden in Preußen an allen Technischen Universitäten zugelassen. Raymonde Delaroche ist die erste Frau, die allein fliegt. Die Schwedin Selma Lagerlöf erhält für ihren ersten Roman den Nobelpreis für Literatur.
1910: Die Filmproduzentin Alice Guy gründet in den USA die Filmgesellschaft Solax, dreht über 70 Filme. Im Dt. Reich wird der Zehnstundentag eingeführt. Raymonde Delaroche erwirbt als erste Frau der Welt nach 35 Männern eine Pilotenlizenz. Erster bekannter Hochsprungrekord einer Frau: Die US-Amerikanerin Carolyn Dale. Elisabeth Kuypers dirigiert das Tonkünstlerinnen-Orchester von Berlin.
1911: Die erste deutsche Fliegern Nelly Geese legt ihre Prüfung als Pilotin an ihrem 25. Geburtstag erfolgreich ab. Lou Andreas-Salomé nimmt am dritten Kongress der Psychologie in Weimar teil. Marie Curie nimmt den Nobelpreis für Chemie in Stockholm entgegen.
1912: Den Rompreis der Akademie der Künste in Paris erhält zum ersten Mal eine Frau, die Bildhauerin Lucienne Heuvelmans. Als erste Frau überfliegt die US-Amerikanerin Harriet Squimby mit einem Blériot-Eindecker den Ärmelkanal. Bei den V. Olympischen Spielen in Stockholm wird Fanny Durack die erste Olympiasiegerin im Schwimmen.
1913: In Moskau werden die Bilder der russischen Malerin Natalija Gontscharowa ausgestellt. Das norwegische Parlament beschließt einstimmig, den Frauen das volle Wahlrecht zu gewähren. Dorothea Lambert-Chambers gewinnt zum sechsten Mal das Dameneinzel in Wimbledon. Lilli Boulanger bekommt für ihre Kantate Faust et Helène den Rompreis für Musik, der zum ersten Mal an eine Frau gegeben wird.
1914:Sarah Bernhard wird zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Die Französin Suzanne Lenglen gewinnt in St. Cloud die WM im Tennis. Käthe Paulus unternimmt ihre letzte Fahrt im Luftschiff. Der erste Weltkrieg beginnt.
1915: In Dänemark erhalten Frauen das Wahlrecht. Maria Gräfin von Linden, die 1910 als eine der ersten Frauen im Dt. Reich den Professorentitel erhielt. veröffentlicht wissenschaftliche Arbeiten über den Parasitismus im Tierreich. Die Australierin Fanny Durack schwimmt in Sydney Freistil -Weltrekorde.
1916:Im Züricher Cabaret Voltaire wird der Dadaismus gegründet; Emmy Hennings, Sophie Täuber und Hannah Höch zählen zu den bedeutendsten Dada-Frauen. Die Leipzigerin Erna Murray stellt in Berlin den Weltrekord über Brustschwimmen auf.
1917:Nach der amtlichen Unfallstatistik kommen im Dt. Reich etwa 2700 Frauen zumeist in der Rüstungsindustrie ums Leben. Lise Meitner und Otto Hahn entdecken das Protactinium, ein seltenes Element aus der Gruppe der Aktiniden. In Großbritannien wird allen Frauen über 30 das aktive Wahlrecht eingeräumt, sofern sie oder ihre Ehemänner steuerpflichtig sind. Die Norwegerin Molla Bjurstedt gewinnt zum dritten Mal das Dameneinzel der US-Tennismeisterschaften. Die niederländische Tänzerin Mata Hari wird 41jährig in der Nähe von Paris als deutsche Spionin erschossen. Eine Reform des Ehe- und Familienrechts in der Türkei besagt, dass Frauen das Recht erhalten, die Scheidung einzureichen. Die Oktoberrevolution in Russland bringt den Frauen die gesetzliche Festlegung der Gleichberechtigung. Alexandra Kollontai wird Ministerin für soziale Fürsorge.
1918: Bei den Wahlen zum britischen Unterhaus nehmen erstmals Frauen ihr in den letzten Jahren erkämpftes Wahlrecht wahr.
1919: Die Schauspielerin Mary Pickford, gründet gemeinsam mit Charles Chaplin, Douglas Fairbanks und David Wark Griffith die United Artists. Die Lehrerin Alma M. Karlin begibt sich auf Weltreise. Das Zölibat für Lehrerinnen wird in Hamburg aufgehoben. Rosa Luxemburg wird in Berlin ermordet. Käthe Kollwitz wird als erste Frau zum Mitglied der preußischen Akademie der Künste gewählt. Als erste weibliche Abgeordnete ergreift Marie Juchacz in der Weimarer Nationalversammlung das Wort. Reichspräsident Friedrich Ebert unterzeichnet die Weimarer Verfassung die das Wahlrecht der Frauen über 20 Jahre beinhaltet. Italien führt das Frauenstimmrecht ein.
1920: Gertrud Bäumer wird als erste Frau im Dt. Reich Ministerialrätin im Innen-Reichsministerium. Anna Siemsen wird in Düsseldorf zur ersten besoldeten Beigeordneten für das Düsseldorfer Fach- und Berufsschulwesen gewählt. Bei einer Volksabstimmung in der Schweiz entscheiden sich die Männer gegen die Einführung des Frauenstimmrechts. Im US-amerikanischen Arbeitsministerium wird eine Frauenabteilung eingerichtet; es wird festgestellt, dass in den letzten 15 Jahren über 5000 Patente an Frauen erteilt worden sind. Die ersten Reichstagswahlen der Weimarer Republik finden statt. Von 467 Abgeordneten des neuen Reichstages sind 37 Frauen. Suzanne Lenglen gewinnt bei den Tennismeisterschafen in Wimbledon alle drei Titel. Frauen erhalten in allen Staaten der USA das volle politische Wahlrecht. In der Sowjetunion wird die von einem Arzt durchgeführte Schwangerschaftsunterbrechung für straffrei erklärt. Im Parteiprogramm der NSDAP werden Frauen nur in ihrer Eigenschaft als Mütter erwähnt. Kinderlose Frauen sollen vom passiven Wahlrecht ausgeschlossen und wie Volksfremde behandelt werden.
1921: Frauen dürfen in der NSDAP keine leitenden Funktionen bekleiden. In Persien erscheint die erste Frauenzeitschrift. Adele Schacke aus Göttingen erhält als erste Frau das Dt. Sportabzeichen. In Rumänien erhalten Frauen das Stimmrecht bei Gemeindewahlen. Die britische Schrifstellerin Catherine Amy Dawson-Scott gründet in London die internationale Schriftstellervereinigung PEN-Club. In Berlin findet ein Damen-Boxkampf statt. Albert Einstein erhält den Nobelpreis für Physik; er vermacht die Geldsumme seiner ersten Frau, die an seiner Forschung maßgeblich beteiligt gewesen ist.
1922: Die Österreicherin Herma Planck-Szábo gewinnt die Eiskunstlauf-WM in Stockholm. Zum ersten Mal wird der internationale Frauentag in verschiedenen Ländern einheitlich gefeiert. Suzanne Lenglen wird zum vierten Mal Wimbledon-Siegern. Die ersten offiziellen Frauenweltspiele in den Leichtathletik-Disziplinen werden in Paris ausgetragen. Alexandra Kollontai tritt für die Sowjetrepublik in den diplomatischen Dienst in Norwegen. Der französische Senat lehnt das Frauenwahrecht ab.
1923: Sabina Spielreim lehrt an der Uni Rostow Psychoanalyse. Ägyptische Frauen schließen sich zur Frauenrechtsunion zusammen. Die erste ordentliche Professorin im Dt. Reich wird die Naturwissenschaftlerin Margarethe von Wrangell. Die US-amerikanische Schwimmerin Gertrude Caroline Ederle stellt in Brooklyn einen Weltrekord im 200 m Freistil auf. Der Muttertag bürgert sich im Dt. Reich ein. Der schwedische Reichstag beschließt, Frauen grundsätzlich zu allen Staatsämtern zuzulassen. Hoda Charaoui legt in Ägypten zum ersten Mal den Schleier ab. Helene Lange erhält die Ehrendoktorwürde der Staatswissenschaften an der Univ. Tübingen. Mathilde Vaerting wird zur ordentlichen Professorin für Pädagogik in Jena ernannt.
1924: In Hamburg wird die erste Sexualberatungsstelle eingerichtet. Erstmals legt eine Frau in Preußen die große juristische Staatsprüfung ab. Daraufhin wird Marie Munk zur Assessorin ernannt. Die chinesischen Frauen feiern erstmals den internationalen Tag der Arbeiterinnen. In Spanien haben nur unverheiratete, verwitwete oder gesetzlich geschiedene Frauen das Recht zu wählen.
1925: Die Künstlerin Sonia Delaunay-Terk bemalt einen Citroén B 12. In Chile dürfen Frauen frei über ihr Vermögen verfügen. Die Schauspielerin und Regisseurin Hermine Körner übernimmt die Direktion des Dresdener Albert-Theaters. Das Abgeordnetenhaus in Paris beschließt das Recht der Frauen auf Telnahme an Gemeinde- und Bezirkswahlen. Joséphine Baker wird in Paris zum Star. Das längste bekannte Testament wird von Frederica Evelyn Stilwell Cook verfasst: es besteht aus fast 10.000 Wörtern. Im Buch: Mein Kampf unterscheidet Hitler zwischen Staatsangehörige und Bürgerin. Das dt. Mädchen ist Staatsangehörige und wird erst mit der Verheiratung zur Bürgerin. Die Mutter ist die wichtigste Staatsbürgerin.
1926: Lise Meitner wird weltweit als erste Frau Professorin für Physik in Bonn. Die Gemeinschaft dt. und österr. Künstlerinnen Gedok wird in Hamburg gegründet. In Berlin wird der dt. Akademikerinnenbund gegründet, der 1200 Mitglieder zählt. Die erste Nummer der Frauenwacht erscheint. Als erste Frau durchschwimmt die US-Amerikanern Gertrud Ederle den Ärmelkanal und stellt mit einer Zeit von 14 Std. 39 min. den Weltrekord auf. Die sowjetische Politikerin Alexandra Kollontai wird Gesandtin der Sowjetunion in Mexico. Die Polygamie wird in der Türkei verboten. Violet Piercen läuft als erste Frau offiziell die Maratonstrecke. Die italienische Schriftstellerin Grazia Deledda aus Sardinien erhält den Nobelpreis für Literatur.
1927: In der Sowjetunion erfreuen sich beide Ehegatten völliger Freiheit in der Wahl der Beschäftigung und des Berufs. Der Film: Metropolis, von Fritz Lang, wird uraufgeführt. In Berlin protestieren mehrere tausend Frauen gegen die Ablehnung des Gesetzentwurfs zum Schutz von Mutter und Kind. Die 15jährige Norwegerin Sonja Henie wird erstmals Weltmeisterin im Eiskunstlauf. Als erste Frau startet Clärenore Stinnes mit einem Auto eine Reise um die Welt; sie benötigt zwei Jahre. Die Sittenpolizei wird abgeschafft und durch Organe der Wohlfahrtspflege ersetzt.
1928: Der Film: Das göttliche Weib mit Greta Garbo wird in den USA uraufgeführt. Erstmals dürfen Frauen an den Olympischen Spielen in Amsterdam am Leichtathletikwettbewerb teilnehmen. Weltrekorde stellten die Polin Halina Konopacka im Diskuswurf auf, Elizabeth Robinson im 100m-Lauf, Ethel Catherwood im Hochsprung, die Kanadische 4X100m-Staffel, Lina Radke-Batschauer im 800m-Lauf.
Amelia Erhart überfliegt als erste Frau den Atlantik. Die kommunistische Fraktion im Dt. Reichstag legt einen Gesetzentwurf zum Schutz von Mutter und Kind vor. Frauen über 21 erhalten in Großbritannien das Wahlrecht. In Kopenhagen wird die Weltliga für Sexualreform gegründet: Hauptprogrammpunkte der Liga sind: - Gleiche Rechte und Pflichten für Männer und Frauen im Sexualleben; Beseitigung der Dominanz der Kirche in Fragen der ehelichen Beziehung; Empfängnisverhütung; Anwendung eugenischer Erkenntnisse; Schutz der unverheirateten Frau und der unehelichen Kinder; Reformen hinsichtlich der Prostitution. Die katholische Kirche Polens ändert die Eheschließungsformel: Die Braut braucht ihrem künftigen Ehemann nicht mehr ehelichen Gehorsam zu geloben. Die norwegische Schriftstellerin Sigrid Undset erhält in Stockholm den Nobelpreis für Literatur. In Jakarta findet der erste Frauenkongress statt. Anna Seghers erhält den Kleistpreis für ihre Novelle: Aufstand der Fischer in St. Barbara. Die chinesische Revolutionärin Xlang Jingyn wird hingerichtet. Sie war die erste Frau gewesen, die Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas war.
1929: 3,3 Mio. Unterschriften für die vollständige Abrüstung wurde von den Frauen der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit gesammelt und in einem Lastwagen nach Genf gefahren Helene Mayer wird in Neapel Europameisterin im Fechten. Die Münchener Medizinische Wochenzeitschrift veröffentlicht eine neue Methode zur Empfängnisverhütung: die sog. Ogino-Knaus-Methode. Die 16jährige US-Amerikanerin Helen Madison schwimmt Weltrekord im 100m Freistil. In Wien gründen politisch interessierte Frauen die Österreichische Frauenpartei. Papst Pius XI. lehnt in seiner Enzyklika die Koedukation für Jugendliche als gefährlich ab; der Schöpfer habe das Zusammenleben der beiden Geschlechter nur in der Familie vorgesehen.
1930: Im Berliner Ufa-Palast wird der Film: Der blaue Engel mit Marlene Dietrich uraufgeführt.. Das erste Interview der Fernsehgeschichte läuft in Southampton ab, wo die Schauspielerin Peggy O’Neil vom Kolumnisten einer dortigen Zeitung interviewt wird. Erste Damenkunstmeisterschaft auf dem Flugplatz bei Bonn. Etwa ein Drittel aller arbeitslosen Frauen verliert die Arbeitslosenunterstützung im dt. Reich. Tennisstar Helen Wills-Moody gewinnt zum vierten Mal in Wimbledon das Dameneinzel. Im ersten offiziellen Damen-Länderspiel des dt. Hockey-Bundes schlägt das dt. Hockeyteam in Köln Australien.
