Chronik der Frauen: Jahr 18 - 1000 n.Chr.
Jahr 18: Der römische Kaiser Augustus versucht, durch gesetzliche Anreize die Zahl der Kinder zu erhöhen. Seit dem 2. Jahrhundert leidet der expandierende römische Staat unter sinkenden Geburtenraten. Die Römer halten nicht nur durch Kindestötung und Vernachlässigung, sondern auch durch Abtreibung und Verhütungsmittel ihre Familien klein. Zu den zahlreichen Verhütungspraktiken gehören Amulette und Zaubertränke genauso wie Öle oder Salben zum Verschließen des Muttermundes. Mit der niedrigen Geburtenziffer sinken aber auch die Rekrutenzahlen; das veranlasst Augustus die Lex Julia einzuführen, die allen Frauen zwischen 20 und 50 den Ehezwang auferlegt. Doch die Römerinnen lassen sich nicht dazu zwingen, Söhne für den Krieg zu gebären. Augustus macht den Ehebruch zu einem Verstoß gegen das öffentliche Recht. Wird die Ehefrau für schuldig erklärt bei Ehebruch, kann sie mit Vermögensentzug und lebenslanger Verbannung auf eine Insel bestraft werden. Ein Ehebruch des Mannes ist aber weiterhin straffrei. Viele Römerinnen, auch vornehme, lassen sich daraufhin als Prostituierte eintragen, um die gleichen sexuellen Rechte wie die Männer zu haben.
Jahr 30/33: Jesus von Nazareth wird unter dem römischen Stadthalter Pontius Pilatus in Jerusalem von den Römern gekreuzigt. An der religiösen Erneuerungsbewegung um Jesus haben Frauen einen wesentlichen Anteil. Die Jesusbewegung erwartete eine Aufhebung der sozialen Ungleichheit durch das Eingreifen Gottes und damit auch die Aufwertung der Frau. Viele Frauen ziehen als Jüngerinnen mit Jesus umher, gründen an ihrem Wohnort eine christliche Gemeinde.
Jahr 56: In einem Brief an die Christen Roms grüßt Paulus die Apostolin Junia (Röm.16.7). Bis heute wird sie in der Bibel zu einem Mann namens Junias verfälscht.
Um 100: Die führenden Männer der Kirche schränken die starke Position der Frauen in den frühen Christengemeinden ein. Frauen können nur unter der Voraussetzung Gemeindevorsteherin werden, wenn sie nicht in Abhängigkeit von einem Mann, sondern selbständig leben. Erst die Pastoralbriefe (um 130) fordern, dass die Gemeindeordnung analog zur patriarchalen Familienstruktur gestaltet wird.
2.-3.Jh: Maria, eine jüdische Alchimistin, erfindet in Alexandria den Destillierkolben.
Vor 116: Die Chinesin Ban Zhao verfasst eine Lehrschrift für Mädchen, die für über tausend Jahre die Erziehung der Mädchen zur völligen Unterwerfung festlegt. Sie ist offizielle Erzieherin der Kaiserin und ihrer Hofdamen.
Vor 161: Der römische Kaiser Antonius Pius nimmt den römischen Vätern das Recht, Ehen ihrer Töchter eigenmächtig aufzulösen
1.-2. Jh: Plinius der Jüngere und Galen berichten von zahlreichen berühmten Ärztinnen: Kleopatra, Lais, Elephantis, Olympias, Salpe (Spezialistin für Augenkrankheiten) und Sotira, Samithra, Xanite, Maja, Origeneia, Eugerasia, Favilla, Valeria Secunda und Salome, Metrodora und Aspasia. Hauptberufliche Ärztinnen spezialisieren sich zumeist auf Frauenheilkunde und Hautkrankheiten.
Um 160: In der römisch-ubischen Siedlung Bonn entsteht eine Tempelanlage zu Ehren der aufanischen Matronen; sie wird zum Zentrum dieses nordgermanischen Kultes. Die Bonner Matronen haben zahlreiche Anhängerinnen (wohlhabende Römerinnen aus Köln errichten ihnen Weihesteine). Die Matronen, drei keltische Göttinnen, werden in ganz Germanien verehrt. Aber auch bei den Kelten in Gallien, Britannien und südlich der Alpen sind sie bekannt. Die Matronen verkörpern die Frau als Mutter, Ernährerin, als Heilende und Segenbringende.
178: Römerinnen dürfen ihr Vermögen an ihre Kinder vererben.
Vor 211: Der römisch Kaiser Septimius Severus beschränkt zum ersten Mal in der Antike die Abtreibung, um die Rechte des Ehemannes zu stärken.
271: die Fürstin von Palmyra, Zenobia, ernennt sich zur römischen Kaiserin
3. Jh: die japanische Priesterkönigin Himeko einigt die lange verfeindeten 30 Stämme ihres Landes
Nach 312: die Herbergswirtin Helena, Mutter des römischen Kaisers Konstantin I. sichert die Stellung des Christentums im römischen Reich.
314: die Synode von Ankyra erklärt Abtreibung zu Mord und bestraft sie mit 10 Jahren Kirchenbuße
380: der Artemis-Tempel in Ephesus wird geschlossen; fast 1000 Jahre wurde die Göttin hier verehrt.
4.-5. Jh.: In der Zeit der Hunnenzüge gegen Ende der großen Völkerwanderungen erleiden einige Jungfrauen das Martyrium
401: der Kirchenvater Hieronymus entwickelt ein im ganzen Mittelalter gültiges Erziehungsideal für Mädchen.
403/404: Aelia Eudoxia, Kaiserin in Konstantinopel, lässt den Bischof Johannes I. Chrysostomos zwei Mal aus der Stadt vertreiben
415: Fanatische Mönche ermorden in Alexandria die heidnische Philosophin Hypatia
431: Das III. Ökumenische Konzil von Ephesos proklamiert Maria zur Gottesgebärerin
453: In Fochart wird die hl. Brigid, die Patronin der Iren geboren
Nach 480: Ein Gesetz des Burgunderkönigs Gundobad bestimmt, dass Frauen, die ihren Mann verlassen, im Sumpf ertränkt werden sollen.
5. Jh: In Konstantinopel entstehen die ersten Wöchnerinnenheime. Die Stellung der Ehefrau im frühen Mittelalter ist durch das Recht ihres Stammes festgelegt. Allen Stammesrechten gemeinsam ist die Unselbständigkeit der Frau; sie untersteht der Gewalt ihres Vaters oder Ehemannes. Nur bei den Westgoten und Longobarden kann eine Frau die Ehe verweigern.
Nach 506: Der Merowingerkönig Chlodwig verbietet den fränkischen Frauen grundsätzlich jeden Landbesitz
511: Zwei Frauen aus der Bretagne (Keltinnen) ziehen als Wanderpredigerinnen durch das Frankenreich und verteilen die heiligen Sakramente
526: Goten ermorden ihre letzte Königin Amalasuntha – das Gotenreich geht unter
533: das Amt der Diakonissin wird in der fränkischen Kirche endgültig abgeschafft
Vor 537: der fränkische Herrscher Chlothar I. nimmt gleichzeitig beide Schwestern zu Ehefrauen. In der merowingischen Gesellschaft ist die Mehrehe eine häufige Erscheinung. Die Versuche der Kirche, dagegen vorzugehen, haben kaum Erfolg.
Um 550: die fränkische Königin Radegunde gründet das Kloster Poitiers. Nach 550: Bischofsfrauen wehren sich gegen die von der Kirche vorgeschriebene Trennung von ihren Männern
Um 575: Ein Edikt des Merowingerkönigs Chilperich I. sichert fränkischen Töchtern das Recht zu, Land zu erben
585: Auf der Synode von Macôn diskutieren die fränkischen Bischöfe, ob Frauen Menschen seien. Sie bejahen die Frage, weil Maria Jesus geboren hat.
6. Jh.: Die vornehme Fränkin Eucheria verfasst Satiren in lateinischen Distychen. Frauen sind Runenspezialistinnen. Sie überliefern auch die germanische Schrift und Sprache.
Vor 605: In den Gesetzen des englischen Königs Aethelbert von Kent erscheint die Ehe als Kaufvertrag.
Seit 618: Unter der Tang-Dynastie verlieren die Schamaninnen am chinesischen Kaiserhof ihre Bedeutung.
Um 619: Chadidscha, die erste Frau Mohammeds, stirbt, 632 ihre jüngste Tochter Fatima. Chadidscha Bint Chuwailid war bereits zwei Mal verwitwet, als sie den 15 Jahre jüngeren und mittellosen Propheten Mohammed heiratete. Als Mohammed 610 seine ersten Visionen empfing, war Chadidscha die einzige, die an ihn glaubte. Sie bestärkte ihn in seiner Berufung und vermittelte ihm wichtige Beziehungen. Mohammeds zweite Frau, Aischa, sorgte für die Niederschrift seiner Aussprüche und versuchte nach seinem Tod ein islamisches Weltreich zu errichten. Die neue Religion Mohammeds zog viele Frauen in ihren Bann. Als Gläubige Allahs sind Mann und Frau gleich. In sozialer Hinsicht jedoch festigt der Islam die patriarchalen Strukturen Arabiens. Die Frauen werden aus der Öffentlichkeit ausgeschlossen und in ihr Haus verbannt.
Um 630: die ersten Frauenklöster werden in England gegründet
643: Das erste Gesetzbuch der Longobarden unterstellt alle Frauen der Gewalt des Mannes
649: Unter dem Einfluß des römischen Rechts gestehen die Westgoten ihren Frauen weitgehende Rechte zu
668 – 690: Theodor von Canterbury verbietet Verwandtschaftsehen und willkürliche Scheidung
684: mit einem Staatsstreich übernimmt die Konkubine Wu Hou die Regierung von China
689: Nach dem Tod des japanischen Kaisers Temmu gibt seine Frau Jito das erste japanische Gesetzbuch heraus. Bis zum 10 Jh. Verlieren die Frauen gänzlich ihren politischen Einfluss am japanischen Kaiserhof.
Um 725: Das alemannische Volksrecht verlangt für den Totschlag einer wehrlosen Frau das doppelte Bußgeld wie für einen getöteten Mann.
750: Papst Zacharias verbietet Frauen jeglichen Dienst am Altar, das öffentliche Lesen der Bibel und den Gesang in der Messe.
768/775: Erstmals taucht im christlichen Schrifttum der Gedanke auf, dass sich hauptsächlich Frauen der Magie verschreiben
783: Hildegard, die dritte Frau Karls des Großen, Mutter von 9 Kindern, stirbt mit 25 Jahren. Karl der Große hat 5 Ehefrauen und 4 Konkubinen
Um 802: Das friesische Volksrecht erlaubt einer Mutter, ihr Kind nach der Geburt zu töten. Die Tötung (Ertränkung) neugeborener Kinder ist bei den germanischenVölkern eine übliche Methode der Bevölkerungspolitik, zudem die einzige Möglichkeit, selektiv die Zahl der Töchter zu begrenzen.
822: Die Fränkin Northilda geht vor ein Kirchengericht, weil sie von ihrem Mann zu unerlaubten sexuellen Praktiken gezwungen wird.
829: trotz aller Verbote dienen Frauen weiterhin am Altar und reichen die Sakramente
865: Die berühmte byzantinische Dichterin Kassia stirbt
866: Papst Nikolaus I. beschließt, dass allein das Einverständnis der Partner für eine Eheschließung maßgeblich ist
880: In Japan stirbt Ono no Komachi, eine der größten japanischen Lyrikerinnen, die zu den 6 heiligen des Landes gezählt werden.
9 Jh: Mit der beginnenden Marienverehrung ändern sich die Ansichten über Frauen
Vor 918: Königin Aethelflaed von Mercia führt ihre Soldaten gegen die Wikinger
Um 970: Die Nonnenklöster werden der Aufsicht der Königin unterstellt.
Vor 975: Als erste christliche Autorin und deutsche Dichterin verfasst Hrotsvit von Gandersheim christliche Dramen
996: Der französische König Robert II. heiratet Bertha von Burgund, die Witwe des Grafen von Blois, trotz kirchlichem Verbot.
996: Adela von Hamaland gewinnt den Rechtsstreit um die Güter ihres Vaters.
