Chronik der Frauen: 1931 - 1960

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1931:

Die dt. Sportfliegerin Elly Beinhorn unternimmt einen Afrikaflug.

Die Enzyklika von Papst Pius XI. über die christliche Ehe und gegen jegliche Geburtenkontrolle wird veröffentlicht.

In Indien wird der 1. März zum Frauentag erklärt. Sonja Henie wird zum fünften Mal Weltmeisterin im Eiskunstlaufen.

Die vorläufige Verfassung Chinas bestimmt die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz. Das Frauenwahlrecht wird vom spanischen Parlament genehmigt.

Jane Adams, die Vorsitzende der internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, erhält den Friedensnobelpreis.

Das dt. Reich zählt 1 Mio. arbeitslose Frauen. Wie die Regierungen in anderen Industrieländern Europas sowie in den USA versucht auch die dt. Regierung, die durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 verursachte Arbeitslosigkeit durch eine Einschränkung der Frauenarbeit zu mildern. Papst Pius XI. verlangt auch im Jahr 1931 ausdrücklich, dass jegliche Berufstätigkeit von Hausfrauen und Müttern sofort eingestellt werden müsse.

1932:

Auf zahlreichen Kundgebungen am Internationalen Frauentag setzen sich Frauen für den Kampf gegen Faschismus und die Gefahr eines neuen Krieges ein.

Frauen aus 11 Ländern nehmen an den X. Olympischen Spielen in Los Angeles teil.

Nach den sechsten Reichstagswahlen ist die NSDAP die stärkste Fraktion. Clara Zetkin eröffnet den Deutschen Reichstag. Nach den siebten Reichstagswahlen sind 5,6% der Abgeordneten weiblich.

Die Schriftstellerin Else Lasker-Schüler erhält den Kleist-Preis in Berlin.

Die britische Pilotin Amy Mollisson landet in Kapstadt/Südafrika; sie legte die Distanz London/Kapstadt in der Rekordzeit von 4 Tagen und 6 Std. zurück.

Zahlreiche Schauspielerinnen drehen in Hollywood: Joan Crawford, Bette Davis, Marlene Dietrich, Greta Garbo Judy Garland, Jean Harlow, Katharine Hepburn, Vivian Leigh, Mary Pickford, Gloria Swanson, Mae West, Lilian Harvey.

1933:

Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler.

Im Gesetz gegen die Überfüllung der dt. Hochschulen wird der Anteil der Studentinnen auf 10% begrenzt.

In zahlreichen Städten werden undeutsche Bücher öffentlich verbrannt.

Die Zwangssterilisierung „erbkranker“ Frauen wird im Dt. Reich gesetzlich festgesetzt; darunter fallen auch Blindheit und Taubheit, Frauen, die häufig den Arbeitsplatz wechseln, ihre Kinder allein erziehen oder durch einen individuellen Lebensstil auffallen. Bis Mitte 1937 werden ca. 100.000 Frauen zwangssterilisiert. Moringen, im Raum von Hannover, wird zum ersten Frauenkonzentrationslager. Die gefangenen Frauen tragen oft schon bei ihrer Einlieferung Spuren körperlicher Misshandlungen, die ihnen beim Verhör zugefügt wurden. Mit der Unterzeichnung der Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat am 28.Februar, einen Tag nach dem Reichstagsbrand, wird die Unverletzlichkeit der persönlichen Freiheit aufgegeben. So können die Machthaber Oppositionelle in Schutzhaft nehmen.

Der älteste dt. Frauenverein löst sich auf.

Ein Propagandafilm der Regisseurin Leni Riefenstahl wird uraufgeführt.

Die Neugründung von Frauenorganisationen wird verboten.

Käthe Kollwitz wird zum Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste gezwungen. Eleanor Roosevelt hält ihre erste Pressekonferenz im Weißen Haus ab.

Ricarda Huch tritt aus der Preußischen Akademie der Künste aus.

1934:

Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses tritt in Kraft.

Die Berufsausübung von Beamtinnen im dt. Staatsdienst wird weiter eingeschränkt. Anlässlich ihres 88. Geburtstages erfüllt Hitler Elisabeth Förster-Nietzsche, der Schwester von Friedrich Nietzsche, den Wunsch, seine Bekanntschaft zu machen. Die selbsternannte Herausgeberin hat die politischen und philosophischen Äußerungen ihres Bruders Friedrich derart gefälscht, dass die Nationalsozialisten den Gegner von Antisemitismus und Deutschtümelei als Vordenker ihrer Machtpolitik und Rassenideologie missbrauchen können. Dorothy Thompson interviewt Hitler; durch ihre antifaschistischen Reportagen in der amerikanischen Öffentlichkeit, weckt sie reges Interesse für die Gefahren des Nationalsozialismus.

Die französische Philosophin Simone Weil verlässt den Schuldienst, um in einer Fabrik bei Paris zu arbeiten.

Die türkischen Frauen erhalten das aktive und passive Wahlrecht.

1935:

Die Regisseurin Leni Riefensthal erhält in Berlin den Film-Nationalpreis für den Parteitagsfilm: Triumph des Willens.

Die Nürnberger Gesetze werden verkündet; im Blutschutzgesetz wird bestimmt, dass Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen dt. oder artverwandten Blutes verboten sind und außerehelicher Verkehr verboten ist.

Zum ersten Mal wählen die Frauen in der Türkei. Seit 1929 wurde das Frauenwahlrecht in Spanien, Brasilien, Uruguay, Türkei, Ceylon, Siam und Südafrika erkämpft.

Die französische Physikerin Irène Joliot-Curie erhält gemeinsam mit ihrem Mann den Nobelpreis für Chemie.

1936:

Die XI. Olympischen Sommerspiele finden in Berlin statt, wo aus rassischen Gründen bestimmte Sportlerinnen nicht zugelassen sind.

Adolf Hitler verhängt ein Berufsverbot für Juristinnen.

Das Gesetz über die Hitlerjugend ordnet die Zwangsorganisation aller Kinder ab 10 Jahren an.

Künstlerinnen von internationalem Rang wie Agar, Oppenheim, Lamba, Toyen nehmen an der Surrealismusausstellung in London teil.

In der Sowjetunion wird durch Erlass die Abtreibung verboten und die Ehescheidung erschwert.

In Spanien beginnt der Bürgerkrieg.

Die US-Amerikanerin Beryl Markham überquert als erste Frau den Atlantik in Ost-West-Richtung im Alleinflug.

In einer Startauflage von 50.000 Exemplaren erscheint Margaret Mitchells Roman: Vom Winde verweht. in den USA. Innerhalb eines Tages ist die erste Auflage vergriffen, und von der zweiten werden täglich 3700 Exemplare verkauft. In der Verlagsgeschichte der USA ist das Buch der bislang größte Erfolg. Das Werk wird in 30 Sprachen übersetzt und erscheint in 37 Ländern.

In New York erscheint die erste Ausgabe der Wochenzeitschrift Life mit einem Titelfoto der Fotografin Margaret Bourke-White, die zum Team von 30 Meisterfotografen zählt.

1937:

Zwangsauflösung aller dt. Lehrerinnenverbände.

Im Konzentrationslager Lichtenburg treffen die ersten 500 weiblichen Häftlinge ein.

In München wird die Ausstellung entartete Kunst eröffnet.

1938:

Österreich wird durch das dt. Reich annektiert. Den Truppen wird unter dem Jubel der Bevölkerung ein triumphaler Empfang bereitet. Die Wiener Nationalsozialisten nutzen den Einmarsch unter Mithilfe der Bevölkerung für Übergriffe auf die österreichischen Juden , von denen 90% in Wien leben. Liselotte Herrmann ist im faschistischen Deutschland die erste Frau, die unter dem Fallbeil stirbt; sie hatte Flugschriften über die illegale Aufrüstung bei den Dornier-Werken in Friedrichshafen ausgeteilt. Im neuen dt. Ehescheidungsgesetz gelten Unfruchtbarkeit und die Weigerung, Kinder zu bekommen, als Scheidungsgrund.

Aus Protest gegen die Ausstellung Entartete Kunst organisieren Kunstschaffende im Exil die Exhibition of 20th Century German Art, in London.

Die Kernphysikerin Lise Meitner emigriert nach Schweden; sie lässt die Ergebnisse ihrer jahrzehntelangen Forschung der Urankernspaltung mit Otto Hahn kurz vor der Entdeckung der später von Hahn nachgewiesenen Kernspaltung zurück.

Die US-amerikanische Schriftstellerin Pearl S.Buck erhält in Stockholm den Nobelpreis für Literatur.

Die US-amerikanische Journalistin Dorothy Thompson gehört zu den bestinformierten Auslandskorrespondentinnen der amerikanischen Medienlandschaft. Ihre Kommentare erscheinen in der New York Herald Tribune und in 130 weiteren Tageszeitungen. Ihre Berichte über die Reichskristallnacht, über die KZ und Judenverfolgung werden sogar nach Deutschland gesendet.

1939:

Im Konzentrationslager Ravensbrück treffen 860 deutsche und sieben österreichische weibliche Häftlinge ein. Disziplin, Gewalt und harte Arbeit bestimmen das Leben der Internierten. Ab 1941 müssen einige von ihnen als Prostituierte im Häftlingsbordell des KZ Mauthausen dienen. Tausende von ihnen sterben an Krankheiten, Unterernährung und Erschöpfung. Ungezählt bleiben die Opfer von Mordbefehlen und medizinischen Massenversuchen. Mit dem Einmarsch der dt. Wehrmacht in Polen beginnt der zweite Weltkrieg. Hermann Göring bei einer Rede: Hier sollen die Mädchen eintreten und helfen, die Frauen und Mütter unterstützen und immer daran denken, dass die Frau, die die meisten Kinder hat, dem Vaterland auch das meiste gibt. Am Muttertag wird erstmals das Ehrenkreuz für die deutsche Mutter verliehen; für vier Kinder gibt es Bronze, Silber ab sechs Kindern und für acht und mehr Kinder Gold. Allem Mutterkult zum Trotz entfallen 1939 auf eine Durchschnittsehe nur 1,3 Kinder. Kurz nach Kriegsbeginn erlässt Heinrich Himmler, Reichsführer SS und Gründer der SS-Organisation Lebensborn e.V. einen internen Befehl zur Zeugung unehelicher Kinder. Der Befehl entlarvt die offizielle Wertschätzung der Frau und Mutter als Verbrämung frauen- und menschenverachtender Zuchtideen. Unter Verletzung jeglicher moralischer Prinzipien beginnt die Verschleppung arisch aussehender Kinder. Sie werden ihren Familien entrissen, mit einer neuen Identität versehen und eingedeutscht.

Billy Holiday klagt mit dem Song: Strange Fruit die Lynchjustiz weißer Rassisten in den USA an.

In China wird die erste Frauenuniversität gegründet.

Christel Schulz stellt im Weitsprung in Berlin den Weltrekord auf.

1940:

Im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück wird die Prügelstrafe eingeführt.

Die britische Regierung verfügt die Internierung der in Großbritannien lebenden deutschen Emigranten, die französische verfügt die Internierung von ca. 2300 Frauen dt. Herkunft.

1941:

Die Wehrmacht überfällt die UdSSR. Im Laufe des Krieges melden sich etwa 800.000 sowjetische Frauen freiwillig zum Kriegsdienst an die Front, auch als Scharfschützen in den ersten Reihen.

Der Judenstern wird eingeführt.

Die Deportationen nach Auschwitz beginnen.

Hitler erklärt den USA den Krieg. Die Vereinigten Staaten reagieren auf die Kriegserklärung von Japan, Deutschland und Italien mit der Mobilisierung aller Kräfte. Zwischen 1941 und 1945 arbeiten in den USA 6 Mio. Frauen in der Rüstungsindustrie. Die Wehrmacht forciert den Einsatz von Frauen im Kriegsdienst; ohne den verstärkten Rückgriff auf Frauen kann der Personalbedarf beim Heer, bei der Marine und bei der Luftwaffe nicht gedeckt werden. Im Frühjahr 1945 dienen 500.000 Mädchen und Frauen im Krieg.

Die Chemikerin Edith Weyde erfindet die Agfa Copy rapid Blitzkopie und gibt damit den Anstoß zur Herstellung von Fotokopien und der Sofortbildfotographie.

Die britische Schriftstellerin Virginia Woolf nimmt sich das Leben.

Die dt. Olympiasiegerin Helene Mayer, die wegen der Rassengesetzgebung in die USA emigriert ist, wird zum sechsten Mal in New York amerikanische Meisterin im Florettfechten.

1942:

Alle weiblichen Internierten sollen in die Frauenabteilung des KZ Auschwitz eingeliefert werden. Die in Berlin verabschiedete Endlösung der Judenfrage bedeutet den Tod von 11 Mio. jüdischer Menschen. Nach Auschwitz-Birkenau werden Frauen, Männer und Kinder aus 23 europäischen Ländern deportiert; Chemieunternehmen und Rüstungsfirmen sind am Völkermord mit beteiligt. Nach der Deportation und Ankunft in Auschwitz werden die Frauen am Eingang des Lagers sofort von ihren Männern und Kindern getrennt. SS Ärzte entscheiden über Leben und Tod: Alte, Kranke, Kinder, Schwangere, Mütter mit Kleinkindern, werden sofort in die Gaskammern von Birkenau geschickt. Ihre Identität und Gesamtzahl wird nirgends festgehalten. Frauen, die die Selektion überleben, werden beraubt entblößt, kahl geschoren und in die überfüllten Baracken gepfercht. Trotzdem es die Frauen schwerer haben, in den Frauenlagern sind die sanitären, hygienischen Verhältnisse bedeutend schlechter als bei den Männern, zeigen sie des Überlebens willens mehr Solidarität untereinander als Männer. Private Nischen werden durch die Aufrechterhaltung des kulturellen Lebens geschaffen, um zu einer Identität zu finden. Unzählig sind die Zwangssterilisationen. Ein ganzer Stab von Ärzten missbraucht die gesündesten Frauen für die Erforschung von Verfahren zur Massensterilisation. Carl Clauberg entwickelt auf Auftrag von Himmler eine Reizflüssigkeit, die er den Frauen in die Gebärmutter spritzt. Die meisten Frauen sterben an den Folgen der medizinischen Versuche, die ohne Narkose durchgeführt werden. Die wenigen Überlebenden sind von den Eingriffen körperlich und seelisch verkrüppelt.

Nach der Entdeckung durch die Gestapo werden führende Mitglieder der Widerstandsgruppe verhaftet und hingerichtet, über 80 Menschen, darunter 18 Frauen.

Der italienische Duce Benito Mussolini verleiht Goldmedaillen an die fruchtbarsten Mütter Italiens

Die US-amerikanische Kunstsammlerin Peggy Guggenheim eröffnet ihre Galerie für Kunst des 20. Jh.

1943:

Viele hundert Menschen protestieren in Berlin mehrere Tage und Nächte gegen die Deportation ihrer Angehörigen nach Auschwitz.

In Paris verhaftet die Gestapo in Zusammenarbeit französischer Antiterroreinheiten mehr als 100 Mitglieder der Résistance.

Gertrude Duby Blom, Anthropologin, Journalistin und Fotografin, ist die erste weiße Frau, die in Mexiko an einer Regierungsexpedition zu dem Volk der Lakadonen teilnimmt Bei ihrer ersten Begegnung mit den Nachfahren der Maya erfährt die, dass die Tage dieses Volkes gezählt sind. Holzindustrie und Siedler berauben die Sammler und Jäger ihrer Lebensgrundlage. Gertrude Blum kämpft jahrzehntelang gegen den Raubbau an den Regenwäldern. Der Name der Frauenrechtlerin, Sozialistin und Widerstandskämpferin steht auf Adolf Hitlers schwarzer Liste. Sie wird in Paris verhaftet und in Südfrankreich interniert.

Die Mitglieder der jüdischen Widerstandsgruppe Baum werden in Berlin hingerichtet. 12 von 27 sind Frauen.

Der Aufstand im Warschauer Ghetto beginnt. Knapp 400.000 Juden lebten vor dem Einmarsch der Deutschen in Warschau, dem Zentrum polnisch-jüdischer Kultur. Ab Oktober 1940 wurde die Ghettobevölkerung von der Lebensmittelversorgung abgeschnitten und in ihren Arbeitsmöglichkeiten beschränkt. 1941 hatten 60% kein Einkommen, und meist waren es Frauen, die noch eine Beschäftigung in einer Textilindustrie fanden, unter unsäglich schlechten Bedingungen mit einem Hungerlohn und spärlichen Essrationen. Bis Juni 1942 starben 100.000 Menschen an den Folgen von Unterernährung, Erschöpfung und Seuchen. Im Jänner 1942 brachten Sarah und Roza Zilba erste Nachrichten von den Massakern an litauischen Juden und den Aufruf zum bewaffneten Widerstand in das Ghetto. Es formierten sich militante Widerstandsgruppen. Die 24jährige, meistgesuchte Rebellin Warschaus, Niuta Tejtelbojm sorgt für den Waffennachschub. Ihre Truppe sprengt Bahnlinien, verübt Attentate auf dt. Offiziere und unterstützt die Aufständischen im Ghetto. Am 22. Juli 1942 begann die erste Massendeportation: Täglich wurden 5.000 bis 7.000, manchmal bis zu 13.000 Menschen in die Gaskammern von Treblinka verschleppt. Als die Liquidierung am 12. September beendet wurde, lebten noch rund 60.000 Juden im Ghetto. Am 19. April 1943 rückten 2 Bataillone der Waffen-SS in das Ghetto ein, um die hier noch lebenden Menschen in KZ zu deportieren. Die jüdische Untergrundorganisation leistet erbitterten Widerstand, wochenlang. Am 16. Mai wird der Aufstand niedergeschlagen.

1944:

Die Asienforscherin Alexandra David-Neel kehrt mit wertvollen Erkenntnissen über den tibetischen Buddhismus nach Europa zurück. Ihre Reisebeschreibungen gelten in der Fachwelt als Pionierarbeit. Sie lernte den Dalai Lama kennen und wurde eingeladen, als erste und einzige Frau in das für Europäer verschlossene Land Tibet vorzudringen.

Die abstrakten Holzcollagen der Bildhauerin Louise Nevelson werden in New York ausgestellt. Sie gilt neben Barbara Hepworth als eine der bedeutendsten Bildhauerinnen des 20. Jh.

In Bern wird der erste Teil der Studie: Die Psychologie der Frau von Helene Deutsch veröffentlicht.

In der UdSSR werden die Titel: Mutterheldin und Mutterruhm angeordnet.

Der dt. Reichsminister Martin Bormann propagiert nach Kriegsende die Zeugung unehelicher Kinder und die Polygamie.

Der Verhaftungswelle nach dem Attentat von Claus Graf Schenk von Stauffenberg auf Adolf Hitler fallen über 70 Frauen und Kinder zum Opfer. Dem KZ Bergen-Belsen wird ein Frauenlager angegliedert.

Die Alliierten befreien die belgische Hauptstadt Brüssel. Estera Heiber und ihr jüdisches Untergrundbüro konnten während der Besetzung 2400 Kinder vor dem KZ retten. Oft blieben die Kinder einzige Überlebende des Holocaust.

1945:

Als erste Frau seit 1903 erhält die Schriftstellerin Elsa Triolet den französischen Literaturpreis: Prix Goncourt.

Nach einer SS Statistik sind in dt. KZ 202.674 weibliche Häftlinge interniert.

Die 15jährige Anne Frank stirbt im KZ Bergen-Belsen an den Folgen einer Typhusepidemie. Als 1941 die ersten Güterzüge aus den Niederlanden in die Vernichtungslager rollten, organisierten niederländische Freunde einen Unterschlupf für die jüdische Familie. Zwei Jahre blieben sie unentdeckt, bis sie schließlich von der Gestapo aufgespürt, nach Auschwitz und dann nach Bergen-Belsen deportiert wurden.

In Frankreich wählen die Frauen erstmals bei den Gemeinderatswahlen.

Die Graphikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz stirbt in Moritzburg bei Dresden.

Eleanor Roosevelt wird zum Mitglied der Vollversammlung der Vereinten Nationen ernannt. Vertreter von 51 Staaten unterzeichnen in San Francisco die Charta. Die Vereinten Nationen sprechen sich in der Charta für die Gleichberechtigung von Mann und Frau aus.

Auf Anweisung des US-amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman wird über Hiroschima die erste Atombombe abgeworfen, später die zweite über Nagasaki. Durch die Explosion und die freigesetzte Strahlung sterben in Hiroschima mindestens 110.000 Menschen. Die freigesetzte radioaktive Strahlung wirkt innerhalb von einem km sofort tödlich. In Nagasaki sterben 36.000 Menschen sofort, 40.000 werden verletzt. Damit ist der Zweite Weltkrieg auch in Südostasien beendet.

Anna Haag ruft die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit wieder ins Leben. In Stockholm nimmt die chilenische Lyrikerin Gabriela Mistral den Nobelpreis für Literatur entgegen.

Die Gesamtkapitulation tritt in Kraft. Damit ist der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Mio. Deutsche sind auf der Flucht vor der Roten Armee. Der Exodus hat Mitte 1944 in Polen begonnen. Da es den dt. Truppen bei ihrem Rückzug nicht gelingt, die Spuren des Nazi Regimes zu verwischen, treffen die Rotarmisten von Majdanek bis Auschwitz auf Stätten des Grauens, die Rachegefühle wachrufen. Fast jeder sowjetische Soldat hat in seiner Familie Opfer zu beklagen. Die Gewalt, die die NS Herrschaft über Jahre ausgeübt hat, schlägt jetzt gegen die dt. Zivilbevölkerung zurück.

1946:

Die Militärregierungen Dt. veröffentlichen zahlreiche Listen über die von Frauen zu leistenden Arbeiten, größtenteils Bauarbeiten, Beschränkungen und Arbeitschutzmaßnahmen sind aufgehoben; auch in Land- und Forstwirtschaft überwiegt mit 51,4% der Anteil der weiblichen Beschäftigten. Der Frankfurter Frauenausschuss konstituiert sich. Er fordert Gleichberechtigung, die Mitwirkung von Frauen in der Verwaltung, gleiches Recht auf Arbeit und Lohn und rechtliche Beteiligung in Berufsvertretungen. Zur Verbesserung der Ernährungslage in Dt. unterzeichnet die US Militärregierung einen Vertrag über die Lieferung von Lebensmittelpaketen.

Der japanische Kaiser Hirohito verkündet in Tokio eine demokratische Verfassung. Frauen sind gleichberechtigt und erhalten das Wahlrecht.

Emely Greene Balch, US-amerikanische Sozialpolitikerin, wird in Oslo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die US-amerikanische Biochemikerin Gerty Theresa Cori wird gemeinsam mit ihrem Mann für die Erforschung des Zuckerstoffwechsels in Stockholm mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Die elegante reiche Welt begeistert sich für die Modeschöpfungen von Christian Dior

1948:

Die Regisseurin Wanda Jakubowska erreicht Weltruhm mit der Verarbeitung ihrer Erfahrung in Auschwitz und Ravensbrück.

Der von der SPD Abgeordneten Anna Haag im Landtag von Württemberg Baden eingebrachte Gesetzesentwurf über die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung wird angenommen. In Bonn konstituiert sich der Parlamentarische Rat, um das Grundgesetz der Bundesrepublik auszuarbeiten

Golda Meir ist Mitunterzeichnerin der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel.

In London enden die XIV. Olympischen Sommerspiele. Herausragende Sportlerin ist die niederländische Läuferin Francina Blankers-Koen, die viermal Gold gewinnt.

In Paris verabschiedet die Vollversammlung der UNO die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

1949:

Mit der Veröffentlichung des Buches: Das zweite Geschlecht der französischen Schriftstellerin Simone de Beauvoir wird der Grundstein für die emanzipatorische Frauenbewegung der Nachkriegszeit gelegt.

5 Mio. Frauen unterschreiben in der sowjetischen Zone für das Verbot von Atomwaffen. Die Belgierinnen haben auch bei nationalen Parlamentswahlen Wahlrecht.

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Dt. sieht die Gleichberechtigung von Frauen und Männern vor.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB wird in München gegründet.

1950:

Mutter Theresa gründet die Kongregation: Missionare der Nächstenliebe.

Die Fotografin Gisèle Freund veröffentlicht ihre Exklusivreportage über die argentinische Politikerin Evita Perón.

In der BRD wird die Rationierung von Lebensmitteln aufgehoben. Laut einer Statistik gibt es in Dt. 53% Frauen, von denen 50,5% ledig sind, 78% verwitwet und geschieden, 36% erwerbstätig ist.

Angesichts des US-amerikanischen Eingreifens in den Koreakonflikt macht sich in Europa Angst vor einem neuen Krieg breit.

1951:

92% der Deutschen sind gegen eine Remilitarisierung.

Auf der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf wird das Übereinkommen über die Gleichheit des Entgelts männlicher und weiblicher Arbeitskräfte für gleichwertige Arbeit von der BRD, Ungarn, Italien, Brasilien ratifiziert. Bisher haben ratifiziert: Belgien, Mexiko, Jugoslawien, Frankreich, Österreich, Dominikanische Republik, Kuba, Philippinen, Polen und Bulgarien.

Sensationell geht Doris Hart als dreifache Siegerin aus dem Internationalen Tennisturnier in Wimbledon hervor. Ihre Gehbehinderung, die sie als Folge einer Kinderlähmung davongetragen hat, macht sie mit ihrer brillanten Technik wett.

1952:

In Bolivien erhalten die Frauen aktives und passives Wahlrecht.

Eva, Evita Perón, argentinische Schauspielerin, Propagandistin, Sozialreformerin und Streiterin für das Frauenwahlrecht stirbt im Alter von 33 Jahren in Buenos Aires.

Die Konvention über die politischen Rechte der Frauen wird von der Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet.

1953:

Die Rechtsanwältin Eleni Skouras aus Saloniki wird als erste Frau in das griechische Parlament gewählt.

Die erste Einzelausstellung der Malerin Frida Kahlo findet in Mexico City statt.

Im Staatsgefängnis von New York wird die Todesstrafe an den angeblichen Atomspionen Ethel und Julius Rosenberg vollstreckt.

Die Journalistin und Sozialreferentin Charlotte Whitton wird in Ottawa Bürgermeisterin.

Konrad Adenauer richtet das Familienministerium ein.

1954:

Die 19jährige Francoise Sagan veröffentlicht ihr Erstlingswerk: Bonjour Tristesse

Sarah Chakko, einzige Frau im sechsköpfigen Präsidium des Ökumenischen Rates der Kirchen in Indien, stirbt

Coco Chanel eröffnet einen Modesalon in Paris.

Der Oberste Gerichtshof der USA erklärt die Rassentrennung an öffentlichen Schulen für verfassungswidrig.

Frida Kahlo stirbt in Mexico.

Bei dem bewaffneten Aufstand der algerischen Unabhängigkeitsbewegung kämpfen Frauen gegen die Kolonialmacht Frankreich mit. Ihr Einsatz wird bei der Diskussion über die Gleichberechtigung nicht berücksichtigt.

Gina Lollobrigida ist beliebtester Filmstar. Elisabeth Taylor wird vom populären Kinderstar zur Charakterdarstellerin. Sophia Loren spielt 1953 ihre erste Rolle. Die Schwedin Ingrid Bergman profiliert sich als Darstellerin internationalen Ranges. Audrey Hepburn behauptet sich in Hollywood.

1955:

In der Sowjetunion wird 2 Jahre nach dem Tod Stalins die Abtreibung wieder legalisiert.

Die Remilitarisierung der BRD ist mit dem Deutschlandvertrag und dem Eintritt in die NATO beschlossene Sache.

Ruth Ellis ist die letzte Frau, an der in GB die Todesstrafe vollzogen wird. Die Angeklagte wird wegen Mordes an ihrem Geliebten zum Tode durch den Strang verurteilt.

In Kassel wird die Documenta 1 eröffnet.

Der Film Sissi mit der 17jährigen Romy Schneider in der Hauptrolle läuft in den dt. Kinos.

1956:

Der britischen Kriminalautorin Agatha Christie wird das Kommandeurskreuz des Ordens British Empire von Königin Elisabeth II. verliehen.

In Ägypten erhalten Frauen passives und aktives Wahlrecht.

In Pretoria demonstrieren rund 20.000 Frauen für ihre Rechte.

Die US-amerikanische Anthropologin Margaret Wead wird zur Präsidentin des Weltbundes für geistige und seelische Gesundheit gewählt.

1957:

Winni Nomzamo Mandela tritt dem ANC bei und nimmt so den politischen Kampf gegen die Apartheid auf. Im gleichen Jahr wird sie Mitglied der Frauenliga.

Julia Morgan, die erfolgreichste Architektin der USA stirbt.

Bette Nesmith Graham erfindet die Korrekturflüssigkeit Liquid Paper

Frankreich, Italien, Belgien Luxemburg, Niederlande und BRD schließen sich in Rom zur EWG zusammen. Dabei werden Richtlinien zum Arbeitsrecht der Frauen erlassen.

Althea Gibson geht als erste Farbige als Siegerin aus dem Dameneinzel in Wimbledon hervor.

1958:

In Bamako treffen sich über 2000 Frauen zum ersten Kongress der Frauenorganisationen von Schwarzafrika.

Laut Beschluss der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen kann bei besonderer Notlage eine Pfarrvikarin Gottesdienst halten.

Das Schweizerische Parlament in Bern billigt die Einführung des Frauenstimmrechts auf Bundesebene, in einem Volksentscheid 1959 wird dies jedoch verworfen.

Die australische Schwimmerin Dawn Fraser schließt mit ihrem Weltrekord über 100m Freistil an ihre Erfolgsserie an.

Zum ersten Mal ziehen vier weibliche Peers auf Lebenszeit in das britische Oberhaus ein.

1959:

Die Malerin Ida Kerkovius wird für ihre künstlerische Leistung mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und es wird ihr die Ehrenprofessur verliehen.

Die britische Bildhauerin Barbara Hepworth wird auf der Biennale in Sao Paulo/Brasilien mit dem großen Preis für Bildhauerei ausgezeichnet.

Die schweizerischen Stimmbürger lehnen das Frauenwahlrecht ab.

Indira Gandhi wird zur Präsidentin der indischen Kongresspartei nominiert.

1960:

In Südafrika kommt es zu schweren Rassenunruhen. Während rund 20.000Schwarze in Sharpeville friedlich gegen den Ausweiszwang demonstrieren, der ihnen nur mit Einwilligung des Arbeitgebers erlaubt ihren Wohnort zu verlassen, greift die Polizei mit brutaler Waffengewalt ein. Die Ordnungskräfte schießen unkontrolliert in die Menge und töten 71 Menschen, darunter Frauen und Kinder. 180 Menschen werden verletzt.

Beste Darstellerinnen bei den Filmfestspielen in Cannes sind Jeanne Moreau und Melina Mercouri

Sirimawo Bandaranaike wird Ministerpräsidentin von Ceylon

Unter dem Namen Enovid wird in den USA die erste Antibabypille auf den Markt gebracht. Bei rund 20% der Frauen treten als Nebenwirkungen Kopfschmerzen, Übelkeit, Sodbrennen