Die Erdbebentätigkeit auf der ganzen Welt nimmt zu, und zwar nicht nur an Häufigkeit, sondern auch an Stärke. Beben über 4,5 stellen eine Gefahr für Leben und Besitz dar; Beben von 8,2 können Hunderttausende Menschen töten, wie das im Jahr 1976 in China (750-800.000 Tote) geschah. Die Tiere scheinen instinktiv zu wissen, wann ein Erdbeben droht. In China hat man beobachtet, dass Ratten vor dem Ausbruch eines Erdbebens hastig aus den Gebäuden fliehen und Schweine verzweifelt versuchen, sich aus ihren Ställen zu befreien. In Zentralasien beginnen Pferde und Kamele zu scheuen und lassen sich nicht zügeln, in Italien geraten Kühe und Ziegen in ihren Ställen in Panik, in Japan versuchen Katzenfische aus den Teichen zu springen. Kurz vor dem Erdbeben von Anchorage in Alaska (1964) verließen die großen Kodiakbären frühzeitig ihre Winterschlafhöhlen und begaben sich aufs offene Land. Vor dem Erdbeben in Kaich’eng, China (1975), beobachtete man, dass die Schlangen in Scharen aus ihren Überwinterungslöchern gekrochen und in Schnee und Eis erfroren waren. Auch Haustiere, die in Wohnungen gehalten werden, spüren ein Erdbeben voraus: Katzen sträuben das Fell, Hunde heulen, Fische spielen verrückt. Bei der Tsunami-Katastrophe am 26.12.2004 in Phuket war auffallend, dass nahezu kein Tier zum Opfer wurde. Außerdem wurde vielerorts auffälliges Verhalten von Tieren einige Zeit vor Eintreffen der Tsunami-Welle beobachtet: Vögel kreischten und Elefanten weigerten sich, ihre normale Arbeit zu erledigen und versuchten landeinwärts zu flüchten. Erdbeben werden – wenn es in dem betroffenen Gebiet Vulkane gibt – gewöhnlich von Vulkanausbrüchen begleitet, da die aufgestauten Kräfte und Spannungen im Erdinneren nach einem Auslass suchen. Auf Erdbeben, die in der Nähe des Meeres auftreten, folgen meist gigantische Flutwellen, da auch der Meeresboden in Mitleidenschat gezogen wird. Diese Flutwellen kündigen sich fast immer dadurch an, dass das Wasser von der Küste zurückweicht, um dann innerhalb von Minuten in einen gigantischen Tsunami zurückzukehren. Tsunamis, die manchmal die unglaubliche Höhe von rund 73 Metern erreichen, türmen sich erst dann zu voller Höhe auf, wenn sie sich der Küste nähern. Der große Tsunami des Erdbebens von 1923 in Tokio-Yokohama brachte auf dem offenen Meer kein Schiff zum Kentern, aber sie versenkte oder zertrümmerte die im Hafen vor Anker oder im Dock liegenden Schiffe, als sie die Küste ereichte und Yokohama überflutete. Nicht jedes starke Seebeben führt automatisch zu einem Tsunami: verursacht das Seebeben nur einen seitlichen Versatz des Meeresbodens, wird vergleichsweise wenig Wasser bewegt und es entsteht kein Tsunami. Der Ausbruch eines Unterwasser-Vulkans kann ebenfalls einen Tsunami verursachen, falls das ausgestoßene Material (Asche, Lava) in kurzer Zeit eine große Wassermasse verdrängt. Auch Auswirkungen von außen auf das Meer können Ursache für einen Tsunami sein, z.B. großvolumige Erdrutsche nach Vulkanausbrüchen. Der Einschlag von großen Meteoriten oder gar Kometen ins Meer haben in der Erdgeschichte die größten Tsunamis aller Zeiten verursacht. Tsunamis breiten sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1000 km/h im Meer aus. Bei jenen, die durch ein Seebeben entstehen, hängt die Geschwindigkeit von der Meerestiefe ab. Was sich ausbreitet ist die Welle, das Muster der Veränderung der Höhe des Wasserpegels samt der Energie, die in der Welle steckt. Gefährlich wird es, wenn die Welle auf feststehende Hindernisse im Meer (kleine Inseln, Bohrinseln, Leuchttürme) trifft oder in den immer flacher werdenden Küstenbereich größerer Landmassen einläuft. Nähert sich zuerst ein Wellental dem Land, fließt Wasser vom Strand in das Wellental. Dadurch wird der Strand oft großflächig trockengelegt. Wer diese Erscheinung richtig deutet, hat noch Zeit, seine Umgebung zu warnen und vom Strand zu flüchten, denn bei der großen Wellenlänge des Tsunamis dauert es zig Minuten bis zu 1/2 Stunde, bis dann die zerstörerische Flutwelle kommt. Es baut sich dann in kurzer Zeit eine ansteigende Flutwelle auf. Der ersten Welle folgen meistens weitere, zum Teil noch gefährlichere als die erste. Gefährlich sind nicht nur die Wellenberge sondern auch die Wellentäler. Obwohl die Welle durch Bremsung auf dem Meeresgrund und an der Küste schwächer wird, fließt das Wasser in den immer noch weiten Wellentälern mit einem ungeheuren Sog ab, der Dutzende von Kilometern weit ins Meer hinausreicht. Meeresboden fällt weit über das Maß einer normalen Ebbe trocken, Hafenbecken entleeren sich bis auf den Grund. Das stärkste, je gemessene Erdbeben mit Epizentrum in der Nähe der südchilenischen Hafenstadt Valdivia und einer Stärke von 9,5 auf der Richterskala erzeugte 8 Tsunamis im Abstand von ungefähr einer Viertelstunde. Nach 15 Stunden traf die erste Welle in der Hafenstadt Hilo auf Hawaii ein, 10.000 km entfernt vom Epizentrum. Der bisher folgenschwerste Tsunami in der Menschheitsgeschichte wurde ausgelöst durch das viertschwerste Erdbeben seit 100 Jahren mit Stärke 9,0 auf der Richterskala. Das Epizentrum lag 65 km vor der Westküste Nord-Sumatras im Indischen Ozean. Hauptsächlich betroffen sind Indonesien, Thailand, Sri Lanka, Indien und die zahlreichen Inselgruppen im Indischen Ozean (Seychellen, Lakkadiven, Andamanen, Nikobaren). Selbst im fernen Afrika sind Opfer zu beklagen. Es starben 225.000 Menschen. Entscheidend ist, rechtzeitig aus dem gefährdeten Küstenbereich zu höheren Standorten oder ins Inland zu flüchten. So deutete eine 10-Jährige aus England, die wenige Wochen zuvor in der Schule die Besonderheiten eines Tsunamis kennen gelernt hatte, das plötzliche Zurückweichen des Wasser am Strand bei Phuket am 26.10.04 richtig als typisches Kennzeichen eines Tsunamis. Sie alarmierte ihre Mutter und zusammen gelang es ihnen, auch alle anderen am Strand und im nahen Hotel zu warnen. Alle Personen in diesem Strandbereich konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, bevor die erste Welle über den Strand hereinbrach. An anderen Stränden, nur wenige Hunderte Meter weiter, mussten viele Hunderttausende Ahnungslose sterben. Die Erdbebentätigkeit ist an den Verwerfungslinien zwischen den tektonischen Platten der Erde am meisten ausgeprägt. Es sind dies die getrennten Kontinental- und Meeresbodenmassen, die sich, getrieben von den Strömungen im flüssigen Erdinneren, über dem Magma in den tieferen Bereichen der Erdkruste bewegen, wobei es zu Erdbeben kommt, wenn sie entlang der Verwerfungslinien aneinander stoßen, sich reiben oder übereinander schieben. Die Hauptbeben-Zonen entlang der Grenzen der tektonischen Platten sind der so genannte „Feuerring“, zu dem Indonesien, Japan, Alaska, Kalifornien, die Westküste Zentral- und Südamerikas und ein Teil der Karibik.Vor Sumatra, den Nikobaren und den Andamanenschiebt sich die indisch-australische Platte, die einen großen Teil des Indischen Ozeans umfasst, in einer 1.000 Kilometer langen Bruchzone mit ca. 7 cm pro Jahr in Richtung Nordosten unter die eurasische Platte. Dies geschieht normalerweise mit vielen kleinen Rucken. Das Epizentrum des Seebebens liegt am Rand der Indisch-Australischen Platte, die sich unter die Eurasische Platte schiebt. Erste Berechnungen ergeben ein Absinken der Indisch-Australischen Platte um bis zu ca. 10 m verbunden mit einer gewaltigen Rissbildung auf einer Länge von über 1000 km. Dieser plattentektonische Vorgang verursachte einen der schwersten Tsunami in der Geschichte der Menschheit. Dieses stärkste Beben in der Region seit 1924 hatte die Stärke 8,1; das Epizentrum lag zwischen Australien und der Antarktis, rund 500 Kilometer nördlich von Macquarie Island. Am 26.12. kam es zu einer ruckartigen Anhebung des Meeresbodens auf zuerst 500 Kilometern Länge, die sich durch die zahlreichen Nachbeben auf 1.000 Kilometer ausdehnte. Dabei bewegte sich der Meeresboden der eurasischen Platte in dieser Länge um 10 bis 30 Meter nach oben. Diese plötzlichen Vertikalbewegungen lösten Flutwellen, Tsunamis aus, die den ganzen Indischen Ozean durchzogen und an einigen Stellen die Küsten überschwemmten. Im Jet Propulsion Laboratory der NASA stellten US-Forscher fest, dass sich durch die Verlagerung der tektonischen Platten in Folge des schweren Bebens die Erdrotation beschleunigt haben könnte. Auf Grund der bei dem Beben bewegten Erdmasse komme man rechnerisch darauf, dass die Länge eines Tages um 3 Mikrosekunden kürzer geworden sei. Außerdem habe die Erdachse bei dem Beben einen Schlag um rund 2,5 Zentimeter bekommen. Ferner wurde die europäische Platte um 1 cm emporgehoben und um 2 cm nach Norden verschoben, rutschte aber nach wenigen Minuten wieder in ihre Ausgangslage zurück. Eine weitere Folge der Verschiebung der tektonischen Platten ist das Versinken von 15 kleineren der 572 Inseln der Andamanen und Nikobaren unter den Meeresspiegel. Darüber hinaus wurden die Nikobaren und die vor der Nordwestküste Sumatras und damit dem Epizentrum am nächsten gelegene Simeulue-Insel messbar etwa 15 Meter in südwestliche Richtung verschoben. Das Beben ereignete sich fast exakt (1 Stunde früher) ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Bam (Südiran). Das Beben erinnert auch an den Ausbruch des Krakatau 1883, der aufgrund einer Flutwelle 36.000 Menschen das Leben kostete. Bei keinem anderen Ereignis seit dem 29. April 1991, als vor der Küste Bangladeschs ein verheerender Wirbelsturm tobte und eine anschließende 6 Meter hohe Flutwelle hervorrief, der die Küstenregionen verwüstete und etwa 200.000 Todesopfer insgesamt forderte, sind so viele Menschen ums Leben gekommen. Die größten historischen Erdbeben bisher - Todesopfer 893: Iran – 150.000 1201: Ägypten/Syrien – weit über 1 Million 1556: Nordchina – 830.000 1737: Kalkutta/Indien – 300.000 1755: Lissabon/Portugal – ca. 100.000 allein in Lissabon (Seebeben) 1850 : China – 300.000 1908 : Messina, Reggio Calabria/Italien – größter Tsunami im 20. Jh. – ca. 80.000 1920/1927: China – mehr als 200.000 1976: Tangshan/China – mehr als 255.000 Starke Beben mit Magnitude 6 und höher finden durchschnittlich alle 3 Tage statt. Dass wir davon selten etwas mitbekommen, liegt daran, dass die meisten dieser Erdbeben von den Medien kaum wahrgenommen werden, weil sie nur wenig Schaden verursachen: oft liegt ihr Epizentrum in Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte, guter Bausubstanz oder im Meer. Die Erdbeben im 20. Jahrhundert haben mehr als 2 Millionen Menschen getötet. Die volkswirtschaftlichen Schäden betrugen im Jahr 2000 ca. 310 Mio. Euro und in den letzten 10 Jahren ca. 6 Mrd. Euro. Der höchste bisher gemessene Wert auf der Richter-Skala beträgt 9,5 (bei mehr als 10 würde ein ganzer Kontinent aufreißen),festgestellt beim Seebeben 1960 im Pazifik vor der Küste Chiles. Das aktuelle Seebeben am 26.12.2004 an der Westküste Nord-Sumatras war das fünft stärkste in den letzten 100 Jahren.

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Tiere haben von jeher menschliche Gemeinschaften und Kulturen mit geprägt, sei es als Götter oder mythologische Mischwesen, als Verkörperung des Guten und Bösen, Verbündete oder Feinde, als Jagdbeute und so genannte „Nutztiere“ oder als konkrete Interaktionspartner.

Im Bereich individueller Interaktionsformen zeigt sich darüber hinaus an Hand der neueren Ergebnisse aus der Ethologie, dass Vertreter diverser tierlicher Spezies nicht nur komplexe innerartliche Sozialstrukturen unterhalten, außerordentliche kognitive Kompetenzen besitzen, Werkzeuge produzieren und Techniken tradieren, sondern auch als kommunikationsfähige Individuen in dauerhafte soziale Beziehungen mit Menschen eingebunden sind. Obwohl Merkmale wie Sinnesorgane, Erbkoordinationen, Gedächtnis, Lernvermögen u. a. ebenso auf Menschen zutreffen und diese gemäß der biologischen Taxonomie unzweifelhaft zur Kategorie der Säugetiere zählen, hat sich kulturell nicht die Wahrnehmung von Gemeinsamkeiten und Verwandtschaft, sondern die einer ontologischen Kluft durchgesetzt.

Die pejorative Färbung von Tier-Bild und Tier-Status in den Gesellschaften, die kulturell den monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam verbunden sind, verweist zum Einen auf den Ursprung einer patriarchalen Viehzüchterkultur, zum Anderen auf ein spezifisches Gottesbild, ein hieran orientiertes Menschenbild, sowie auf eine Zwei-Welten-Lehre, in deren Rahmen sich auch die Vorstellung eines personalen satanischen Antagonisten entwickelt. Durch das religiöse Postulat der menschlichen bzw. männlichen Gottesebenbildlichkeitund den biblischen Herrschaftsauftragüber andere Lebewesen bedarf diese hierarchischdualistische Grundordnung - nicht zuletzt aus erzieherischen Gründen - eines Gegenentwurfs zum Menschen und zu seinen aus der Imago Dei-Lehre abgeleiteten, idealisierten Gattungsmerkmalen. „Das Tier“, ursprünglich in der Alltagskultur vorrangig als Brandopfer und Fleischlieferant betrachtet, bildet als beherrschbares und dem religiösen Gesetz nach zu beherrschendes Wesen die ideale Projektionsfläche für das Böse, Gottferne und Anti-Menschliche. Die Reduktion auf Naturhaftigkeit, Körper und Instinkt sowie die Unterstellung eines Mangels an Vernunft und Individualität, die im Falle der Tiere deren Versachlichung ermöglicht und die totale Herrschaft über ihre Körper und Psychen sichert, gehörte über zweitausend Jahre lang auch zum Ausgrenzungs- und Unterdrückungsmuster gegenüber Frauen. Analog zur essentialistischen Unterscheidung zwischen „Mensch“ und „Tier“ wird auch die Differenz zwischen „Mann“ und „Frau“ nicht als eine deskriptive gefasst, sondern erhält ihre asymmetrische Gestalt durch die Überbetonung biologischer Unterschiede und die Wertung, Verallgemeinerung und Festschreibung solcher Merkmale des (weiblichen) Anderen, die Naturnähe und ein niedereres Entwicklungsniveau suggerieren. Auch den Frauen wurde (und wird zum Teil noch immer) eine abhängige, rangniedere und weitgehend rechtlose soziale Stellung in der patriarchalen Gesellschaftsordnung zugewiesen. Im „unendlichen Jagdgebiet“ des Mannes treten Frauen und Tiere auch ganz konkret als Beute und Opfer auf. Es ist wichtig zu erwähnen, dass sich die Verbindung zwischen Frauen und (gejagten) Tieren oder zerlegten Tierkörpern vom Bedeutungsfeld der Jagd (und anderer Blutrituale wie dem Stierkampf) über das Fleischessen und die Pornografie bis hinein in Gewaltdarstellungen und Gewalthandlungen erstreckt. Repressive, meist religiös begründete Moralvorstellungen sind die eigentliche Ursache von Gewalttätigkeit in unserer modernen Kultur, und je stärker sie wieder erwachen, desto schlimmer wird auch die Gewalt.

Die Kolonisierung der Natur hat zur ökologischen Krise geführt. Die Kolonisierung der Frauen hat zum Geschlechterkrieg und der Unterdrückung der Frauen geführt. Die Überwindung der fortgesetzten Kolonisierung nicht-westlicher Kulturen hat zum Dritte-Welt-Problem geführt. Wir sind Teil einer größeren evolutionären Familie und keine privilegierte Spezies. Wenn wir aufhören, die Natur zu kolonisieren, beenden wir auch die ökologische Krise. Das gleiche gilt für die Kolonisierung der Frauen. Wenn Männer in Industriesystemen die Werte vorgeben und Frauen zum untergeordneten Geschlecht erklären, wird jede kreative Form weiblicher Produktivität und Selbstversorgung für unproduktiv erklärt. Dieses Muster wendet man dann genauso auf ländliche Gesellschaften an. Selbst wenn Frauen auf dem Land zwanzig Stunden am Tag arbeiten, wird ihre Leistung für die Gemeinschaft nicht ins Sozialprodukt einbezogen und gilt als unproduktiv, einfach weil sie nicht den Kriterien des Kapitals genügt. Und all das basiert auf den traditionellen Formen der Kolonialisierung über ganze Kulturen, Land, Bodenschätze und biologischen Ressourcen, die wir nach wie vor haben. Die Gesellschaftsstruktur hat sich an einem bestimmten Männerbild orientiert, dessen zentrale Werte Überlegenheit und Dominanz sind und daraus das Recht ableitet, alle zu unterwerfen, die nicht aggressiv, zerstörerisch und dominierend sein wollen.

Wirkliche Macht kommt von innen. Wirkliche Macht wendet sich gegen jede Form von Unterdrückung. Wirkliche Macht stärkt den anderen und stärkt einen selbst, anstatt auf die Vernichtung anderer zu bauen. Wenn das weibliche Prinzip wieder zum Tragen käme, würden wir zu einem neuen Verständnis von Wachstum kommen. Es würde den Wäldern die Möglichkeit geben, zu wachsen. Es würde die Rückkehr der biologischen Vielfalt auf die Bauernhöfe ermöglichen. Es würde dafür sorgen, dass Selbstversorgung, Selbstvertrauen und Selbstbestimmung ganz oben auf der politischen Tagesordnung ständen. Und daraus würde ein reales Wachstum entstehen, denn mit der Natur würden auch die Menschen und Gesellschaften aufblühen. Das wäre etwas ganz anderes als diese völlig fiktiven Zahlenreihen in den Geschäftsberichten der multinationalen Konzerne. Ebenso wenig wie rassistische und sexistische Konstruktionen, Einstellungen und Sprechweisen einen bloßen Gegenstand theoretischer Gedankenspiele darstellen, ist die Konstruktion, Abwertung und Abspaltung des Tierlichen in eine andere Seinssphäre allein ein ideengeschichtliches und semantisches Phänomen, sondern auch Ausfluss und Bestätigung der realen Unterjochung tierlicher Individuen, die sich im Rahmen der weiter expandierenden industriegesellschaftlichen Produktionsweisen um ein Vielfaches verschärft hat.

Dass Tiere keinerlei Lebens- und Unversehrtheitsrechte, d.h. generell keine Daseinsberechtigung jenseits menschlicher Verfügungszwecke besitzen; dass ihre Zwangsreproduktion, ihre elenden Existenzbedingungen in automatisierten Mastanlagen und Labors und ihr täglich milliardenfach herbeigeführter Tod unter der Kontrolle des Menschen, im Dienste persönlicher Befriedigung und gesellschaftlicher Konsumsteigerung stehen, wird auch heute noch überwiegend als „naturgemäß“ betrachtet und mit der „Bestimmung des Tieres“ oder seiner Minderwertigkeit als weniger vernunftbegabtes Lebewesen legitimiert. Dass sich private Formen direkter Gewalt in vielen Fällen zuerst auf tierliche, dann auf menschliche Individuen konzentrieren, wird besonders durch amerikanische Forschungsergebnisse seit langem bestätigt. Angeregt durch Befunde aus den seit den 1970-er Jahren laufenden FBI-Untersuchungen über Serienmörder, existieren heute verschiedene empirische Studien, die sich aus medizinischer, psychiatrischer, psychologischer und pädagogischer Sicht unter anderem mit dem Zusammenhang zwischen tier-, kinder- und frauenbezogener Gewalt im häuslichen Feld, mit tier- und menschenbezogener Jugendgewalt, speziesübergreifender Aggression im Geschlechtervergleich etc. beschäftigen. Im Rahmen einer kanadischen Polizeistudie wurden die Lebensläufe von 63 der Tierquälerei verdächtigen Personen unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich heraus, daß 78 Prozent der Verdächtigen sich auch wegen Gewaltdelikten oder Gewaltdrohungen gegen Menschen zu verantworten hatten.

Die Ontario Society for the Prevention of Cruelty to Animals hatte bereits im letzten Jahr eine Studie über 24 Frauen durchgeführt, die von ihren Partnern misshandelt wurden und in Zufluchtsstätten für misshandelte Frauen lebten. 61 Prozent dieser Frauen sagten aus, daß ihre Lebenspartner auch ihr Haustier misshandelt oder getötet hatten. Etwa zeitgleich mit der neuen Studie aus Toronto stellte die US-Psychologin Stephanie Verlinden eine weitere Studie vor, welche die Hintergründe der jüngsten Schulmassaker in den USA untersucht. Dabei überprüfte sie die Täter der Schießereien von Springfield, Littleton, Moses Lake, Bethel (Alaska), Pearl, Paducah, Jonesboro, Edinboro und Conyers. Bei den Tätern stellte sie verschiedene mehrheitlich auftretende Risikofaktoren fest. Etwa die Hälfte der Angreifer hatte in der Vergangenheit Tiere gequält. Als einer der vierfachen Frauenmörder in Duisburg gefasst wurde, gab der Mann an, neben menschlichen Opfern auch Nutztiere wie Pferde, Schafe oder Rinder massiv gequält und getötet zu haben.

Im Zuge einer bundesweiten Untersuchung wurde ein Lagebild der Deliktsentwicklung im Zeitraum 1993 bis 2000 erstellt. 1035 Fälle wurden nach kriminologisch relevanten Kriterien, wie beispielsweise Modus Operandus, Verletzungsarten und - formen, sowie opferspezifischen Kriterien, wie beispielsweise Geschlecht oder Domestikationsgrad, selektiert. Diese Untersuchung ergab unter anderem folgende Ergebnisse: Bei Gewaltdelikten an Pferden werden die Opfer selektiv angegriffen. Fünfundzwanzig Prozent der Verletzungen lagen im Genitalbereich. Ein weiteres Viertel wurde an Hals bzw. Kopf angegriffen. Es handelt sich zumeist um Schnitt oder Stichverletzungen. Bei den Opfern werden weibliche Tiere vorgezogen, die überdurchschnittlich häufig in einer Art und Weise attackiert werden, die an Sexualdelikte erinnert.

Für viele Menschen sind gerade die Bibelworte eine Rechtfertigung, Tiere zu quälen, Lust am Töten zu haben, sadistische Neigungen auszuleben. Es gibt keinen Bereich der konventionellen Tierhaltung, in dem die Tiere nicht unter für sie entsetzlichen Bedingungen gehalten werden. Stress und Aggressionen durch die Enge sind ebenso an der Tagesordnung wie körperliche Schmerzen und vorzeitiger Tod durch die Mast, zuchtbedingten Leiden, Gefangenschaft und Verletzungen. Familienverbände und soziale Beziehungen, in denen viele Tierarten naturgemäß leben, sind nicht möglich. Mütter werden von ihren Kindern getrennt, Aggressionen und verzweifelte Kämpfe unter Leidensgenossen gehören zum Alltag. Auch Fische werden mittlerweile in Massenbetrieben gezüchtet. In der Lachszucht werden die Tiere, die von Natur aus die Ozeane durchwandern, auf einem Bestandslevel von „15 kg Fisch“ pro Kubikmeter Wasser gehalten. Als Nahrung erhalten sie hochkonzentrierte Proteinkügelchen mit Antibiotika. Mehrere Wochen vor ihrer Schlachtung lässt man sie aushungern, um sie besser ausnehmen zu können. Nach einem qualvollen Leben auf engstem Raum erfolgt der Abtransport zum Schlachthof. Die völlig verunsicherten Tiere, die nie Tageslicht zu sehen bekamen, werden auf Transporter verladen und kilometerweit über laute Autobahnen und Landstraßen verfrachtet. Stress, Hunger, Durst, Knochenbrüche, Kälte und völlige Erschöpfung sind vielfache Faktoren für einen Tod unterwegs. Je länger die Fahrt dauert, umso stärker ist die Belastung für die Tiere. Die äußerst sensiblen Schweine bekommen nicht selten einen Herzinfarkt. Brutale Methoden bei dem „Ein- und Entladen“ der Tiere (beispielsweise mit Elektrogeräten) tun ihr übrigstes, um den Tieren ihre letzte Kraft und Würde zu rauben. Das Geschäft mit dem Fleisch ist unerbittlich. In nur 3 Monaten, nämlich von April bis Juni 2003, wurden allein in Deutschland über 11.209.000 Schweine, 811.500 Rinder und 85.000 Kälber geschlachtet. Die Schlachtzahlen von Hühnern, Enten und Truthähnen sind so gigantisch groß, dass hierbei nur noch von „Geflügelfleisch“ in der Gewichtsklasse Tonnen gesprochen wird. Die getöteten Leben an sich haben ihre Bedeutung verloren, nur noch das Gewicht der Masse zählt. Hinter jedem einzelnen „Schlachttier“ verbirgt sich die Geschichte eines empfindungsfähigen Wesens, das ein unvorstellbar grausames Leben und Sterben hinter sich hat. Haben die Tiere das Martyrium ihres genau kalkulierten Lebens als „Fleischlieferant“ lebend überstanden, erwartet sie der vorsätzliche Tod durch Menschenhand. Der Schlachthof ist ein perfekt organisierter, technisierter Apparat des Todes. Die durch die Schreie und durch den Geruch des Blutes ihrer Leidensgenossen völlig verschreckten Tiere werden in die Warteschlange der Betäubungsbucht getrieben. Im Akkordtempo setzen Schlachthofarbeiter Bolzengewehre oder Elektrozangen an die Schläfen der Tiere und hängen sie kurz darauf kopfüber an einem Hinterbein auf. Viele heimlich gefilmte Dokumentationen aus Schlachthöfen haben aufgezeigt, dass aufgrund des hohen Arbeitstempos der Betäubungsvorgang so fahrlässig durchgeführt wird, dass viele Tiere den gesamten Tötungsvorgang bei vollem Bewusstsein miterleben müssen. Durch einen Kehlenschnitt bluten die Tiere langsam aus, erst nach 10 Minuten hören Atmung und Herzschlag auf. Ein Leben nach dem anderen wird vernichtet, während die anderen panisch in der langen Schlange auf ihre Hinrichtung warten. So genanntes Geflügel, Hühner, Puten, Gänse usw. werden bei vollem Bewusstsein kopfüber in einer Reihe aufgehängt und mittels einer Fließbandfunktion durch ein Betäubungsbad gezogen. Auch hier sind unbetäubte Tiere beim Schlachtvorgang keine Seltenheit. Eine idyllische Almwiese mit einer gut gelaunten Kuh soll den Eindruck vermitteln, dass der Lebenssinn der Kühe darin besteht, den Menschen mit guter Milch zu einem gesunden Leben zu verhelfen. Weder der Mythos von der „gesunden“ Milch ist wahr, noch ist es dem Großteil der „Milchkühe“ möglich, auf einer grünen Almwiese herumtollen zu können. Die große Mehrzahl von ihnen verbringt ihr gesamtes Leben angekettet in einem Stall, zu völliger Bewegungsunfreiheit verdammt und unter grausamen Bedingungen zur „Melkmaschine“ umfunktioniert. Die Kuh als Säugetier produziert von Natur aus nur Milch, wenn sie ein Kalb geboren hat. Das ist bei ihr so wie bei allen anderen Säugetieren einschließlich des Menschen. In der traditionellen Milchproduktion wird die „Milchkuh“ einmal pro Jahr durch brutale künstliche Besamung geschwängert. Nach neunmonatiger Tragezeit gebiert sie ihr Kind, das ihr in der Regel spätestens 2 Tage nach der Geburt weggenommen wird, für Mutter und Kind ein Trauma, das keiner Erläuterung bedarf, wenn man sich diese Situation bei der menschlichen Mutter-Kind-Beziehung vorstellt. Das Kalb wird unter Rotlicht in eine enge Box gezwängt oder mit anderen Kälbern in einen abgetrennten Raum mit Holzspaltböden gesteckt und mit einer Ersatzmilch gefüttert. Das Brüllen nach seiner Mutter, die Sehnsucht nach Geborgenheit und mütterlicher Wärme wird nur durch das Brüllen der Mutter übertönt, die verzweifelt nach ihrem geraubten Kind ruft. Sie wird nun 2 x täglich an die Melkmaschine angeschlossen. Ihr Kalb wird sie nie wieder sehen. Ihm wird entweder ein ähnliches „Schicksal“ wie das seiner Mutter bevorstehen oder aber der baldige Abtransport zum Schlachthof, um als Kalbfleisch zu enden. Wenn die Gebärfähigkeit der „Milchkuh“ nachlässt, wird auch sie im Schlachthof enden, damit auch noch aus ihrem Fleisch Profit gemacht werden kann. 90 % der Eier, die in Deutschland konsumiert werden, stammen aus Legebatterien. In dieser Form der Massenhaltung sind bis zu 5 Hennen in winzigen Käfigen eingesperrt, jede Henne hat ungefähr die Größe eines Din-A-4-Blattes als „Lebensraum“. Für die äußerst bewegungsfreudigen Tiere ein unvorstellbarer Stress. Viele sterben schon vor dem Abtransport zum Schlachthof durch Stress oder Krankheiten, die durch die qualvolle Haltungsform hervorgerufen werden. Durch künstliches Licht und vielfache zuchtbedingte Manipulationen legen die Hennen ca. alle 30 Stunden ein Ei, eine Belastung, die die Körper der Hennen bis zur völligen Erschöpfung ausmergeln. Durch die von der Bundesregierung initiierte „Legehennenverordnung“ können bis 2012 weiterhin Mio. Hennen unter diesen grausamen Bedingungen legal gequält werden. Und auch danach wird sich für die Hennen nicht viel verbessern. Aufgrund des hohen Eierkonsums in unserer Gesellschaft werden Tiere dann unter vergleichbar unwürdigen Bedingungen (z.B. Bodenhaltung) in Massen gehalten werden. Durch die kritische Diskussion über die skandalösen Legebatterien in der Öffentlichkeit wird immer öfter die Bodenhaltung als alternative Haltungsform angepriesen. Die jedoch ist ein Trugschluss: Bei der Bodenhaltung fehlen lediglich die Käfiggitter. Tausende Hennen sind in riesigen Hallen eingesperrt, sie stehen dicht gedrängt Körper an Körper und fristen ein ähnlich leidvolles Dasein wie die Hennen in der Käfighaltung. Auch hier sind vorzeitige Todesfälle durch Stress und Krankheiten eine alltägliche, von den Betreibern einkalkulierte Nebenerscheinung. Die zumeist in riesigen Brutmaschinen geschlüpften Küken werden brutal nach Geschlecht sortiert (das so genannte Sexen), denn nur weibliche Hühner legen Eier. Die männlichen Küken (die Hälfte aller geschlüpften) werden in riesigen Massen vergast, erstickt oder zerstampft, da sie für die Eierproduktion „wertlos“ sind. Bei jeder kommerziellen Hühnerhaltung – egal ob Batterie-, Boden- oder Freilandhaltung - werden Hühner nur anhand ihrer Legeleistung bemessen, sobald diese nachlässt, werden sie geschlachtet. Dass mit Pelzprodukten unermessliches Leid verknüpft ist, ist inzwischen einem Großteil der Gesellschaft bekannt. Bilder riesiger Nerz- und Fuchsfarmen im In- und Ausland; Bilder von „Pelztieren“, die in ihren engen Verliesen aus Verzweiflung ihre Artgenossen auffressen, oder Bilder von in Fallen verendeten Tieren in freier Natur haben bereits soviel Bewusstsein geschaffen, dass ca. 70 % der in Deutschland lebenden Menschen Pelz ablehnen. Diese Tatsache darf jedoch nicht davon ablenken, dass es noch ein weiter und steiniger Weg ist, bis das Thema Pelz wirklich der Vergangenheit angehören wird. Die fast vergessene Tierhaut ist jedoch die weniger behaarte bis unbehaarte. Das Argument, dass Leder ein Abfallprodukt der Fleischindustrie sei, ist weder richtig noch tolerabel. Die Häute der Tiere machen etwa 55-60 % der Rindernebenprodukte aus, ein wichtiger wirtschaftlicher Nebenzweig der Schlachthöfe. Schuhe, Jacken und sonstige Lederprodukte werden vor allem aus der Haut von Kühen und Kälbern angefertigt, aber auch die Haut von Pferden, Schafen, Lämmer, Ziegen und Schweinen wird in bares Geld umgemünzt. Neben der Tierhaut aus deutschen Schlachthöfen werden Rindslederprodukte vor allem aus Indien importiert. Das Haarkleid der Schafe ist von Natur aus so eingerichtet, dass es sie vor extremen Temperaturen, Kälte wie Hitze, schützen soll. Menschen jedoch manipulierten durch Zuchtmethoden das Wachstum der Haare so weit, dass ein größtmöglicher Wollertrag errungen wird. Schafe werden bei der Schur brutal zu Boden geworfen und in Akkordzeit „abgemäht“, Verletzungen sind an der Tagesordnung. Der nun nackte Körper ist den extremen Temperaturen schutzlos ausgeliefert, bis die Wolle nachgewachsen ist. Dann beginnt der Leidensprozess von vorn, bis der Tod im Schlachthof wartet„Seide“ ist eigentlich die Faser, die Seidenraupen weben, um Kokons daraus zu machen. Um die Seide für den Menschen zu gewinnen, kochen die Seidenlieferanten die Raupen bei lebendigem Leib in ihrem Kokon. Daunenfedern, die für Decken, Kissen oder Winterjacken genutzt werden, werden weißen Gänsen bei lebendigem Leibe mehrmals in ihrem kurzen Leben ausgerupft. Die völlig traumatisierten Tiere sind nach dem Rupfen ihren daraus resultierenden Verletzungen und dem fehlenden Wärmeschutz hilflos ausgesetzt, bis die Federn nachgewachsen sind. Nach 4-5maligem Rupfmartyrium landen sie im Schlachthof. Stopfleber: Bei Tieren, die in sogenannten modernen Betrieben mit maschinellen Futterpumpen gefüttert werden, dauert der Stopfvorgang 45 Sekunden. Bis zu 60 Tiere in der Stunde können so gequält werden. Zwei bis dreimal am Tag müssen die Vögel diese grauenvolle Prozedur über sich ergehen lassen. Dabei wird täglich mehr als 1,2 Kilogramm Maisbrei in sie hineingepresst, der auch mit Gänse- oder Schweineschmalz versetzt sein kann, damit das Ganze besser rutscht. Die Menge der verabreichten Nahrung liegt drei- bis viermal über dem natürlicherweise aufgenommenen Futterquantum. Je schneller die riesigen Futtermengen eingepumpt werden, desto größer ist zudem das Risiko von Verletzungen der Speiseröhre und des Magens, schlimmstenfalls bis zum Platzen. Folge dieser widernatürlichen Zwangsernährung ist auch, dass die Leber um das Dreizehnfache ihrer Größe und von einem Normalgewicht von etwa 100 Gramm auf bis zu zwei Kilogramm anschwillt. Auch die Honigproduktion erfolgt immer mehr in Massenbetrieben. Um einen Pfund Honig zu gewinnen, müssen die Bienen Pollen von 2 Millionen Blüten sammeln und mehr als 88.000 Kilometer fliegen. Der Honig wird von dem Imkern und Imkerinnen entnommen und durch eine billige Zuckerlösung ersetzt. Bei „Einmal -Bienenstöcken werden diese vor dem Winter einfach abgebrannt. Die Erreichung höchster Produktionsquoten ist für die Tiere mit erheblichen Leiden verbunden, brutale Maßnahmen wie das Ausreißen der Flügel bei der Bienenkönigin, künstliche Besamung oder Verschickung von einem zum anderen Standort per Post sind hierbei nur einige Beispiele. In manchen Ländern Asiens nimmt man gefesselte junge Äffchen, klemmt sie unter einem Tisch fest, der über dem Kopf des Tieres eine tellergroße Öffnung besitzt, schlägt ihnen den Schädel auf wie bei einem Frühstücks-Ei und löffelt das Gehirn des lebenden Tieres heraus. Durch wachsendes Umweltbewusstsein und die stärker gewordene Kritik am Elend der sog. Nutztiere wurden neue, „bessere“ Methoden der Land- und Nutztierhaltung entwickelt, die zu einer geringeren Belastung der Natur, zu einer „humaneren“ Tierhaltung und vor allem zu einer für den Menschen gesünderen Ernährung führen soll. Für die Tierhaltung bedeutet dies, dass einheitliche Mindestanforderungen erfüllt werden müssen, um die Produkte mit dem staatlichen Bio-Siegel auszeichnen zu können. Hier gelten bestimmte Kriterien wie z.B. biologisch angebaute Futtermittel ohne Zusatz von Pestiziden und Antibiotika und die Einhaltung eines Mindeststandards bei der Unterbringung der Tiere. Dass auch die größten Mindeststandards die Bedürfnisse der Tiere nicht befriedigen, dürfte klar sein. Sie werden auch auf „Ökohöfen“ eingesperrt, zwangsgeschwängert, ihrer Kinder und ihrer Muttermilch beraubt, schlachtreif gefüttert und schließlich umgebracht. Durch die Einkehr von Biofleisch in die Bioläden sollen alle Zweifel und alle Schuldgefühle dem Tier gegenüber ausgeräumt werden. Man vermittelt dem Konsumenten/der Konsumentin, dass die Schuld an dem Tiermord dadurch abgegolten sei, weil die Tiere ein vermeintlich „glückliches und artgerechtes“ Leben führen konnten. Die grundsätzliche Schuld, dass Tiere überhaupt für den menschlichen Egoismus getötet werden, gerät ebenso in den Hintergrund wie die Tatsache, dass auch in der Biohaltung ein tiergerechtes Leben nicht möglich und auch nicht gewollt ist. Obwohl seit 1997 ein Verbot von Tierversuchen für Kosmetikendprodukte existiert, sind sämtliche Inhaltsstoffe der handelsüblichen Kosmetikwaren an Tieren getestet worden. Dabei werden beispielsweise Kaninchen und anderen Tieren die zu testenden Substanzen in die empfindsamen Augen oder auf die rasierte Haut geträufelt. Zudem sind in vielen Kosmetikprodukten Inhaltsstoffe vom lebenden oder toten Tier (z.B. Milch, Gelatine etc.).

Mein Rat:

Kaufen Sie nach Möglichkeit am besten direkt bei den Bauern ein! Je kleiner der Hof, desto überschaubarer und vertrauenswürdiger ist er! Und günstiger ist es zudem!

Der Stellenwert ist, bei allen Unterschieden der Mitgliedstaaten, traditionell und aufgrund der beherrschenden ökonomischen Interessen seit Gründung der Europäischen Wirtschafts-Gemeinschaft sehr gering. Alle Bestrebungen, den Tierschutz in den Römischen Verträgen oder neuerdings in der EU-Verfassung zu verankern, blieben erfolglos. Lebendige Tiere werden in den Verträgen als „Agrarprodukte“ eingestuft – und entsprechend behandelt. Auch das sog. Amsterdamer Tierschutzprotokoll aus 1997 nimmt „Gepflogenheiten der Mitgliedstaaten insbesondere in Bezug auf religiöse Riten, kulturelle Traditionen und das religiöse Erbe“ aus dem Tierschutz heraus – ein Freibrief für Stierkämpfe, Windhundrennen, Wildtiere in Zirkussen, Zugvögelmord, Ziegenwerfen, Sportangeln, Schächten, Hetzjagden, Gänsestopfen und andere Tiermissbräuche

 

Immer wieder stoßen Tierschützer an unüberwindliche Grenzen und totales Unverständnis, wenn sie in EU-Ländern Schutz für Tiere vor Misshandlungen, Aussetzen und Tötungen fordern und Tierschutzprojekte vor Ort einrichten wollen.

Jüngstes Beispiel ist die Tagung des Ministerrats am 26.04.2004, auf der eine verbesserte Tiertransportregelung vereitelt wurde: Keine 8-Stunden-Begrenzung für Masttiere, keine bessere Ausbildung des Transportpersonals, kein ausreichendes Platzangebot in den Fahrzeugen, keine tiergerechte Ausstattung der Fahrzeuge, erlaubte Temperaturen bis zu 35° Celsius u.a. Die seit Jahrzehnten anhaltenden Lebendtier-Ferntransporte mit Millionen Tieren im Jahr auf dem Hintergrund der Exportsubventionen und völlig unzulänglicher Kontrollen sind allein ein Beweis für das Desinteresse der EU-Politik am Schicksal  der Tiere, ebenso wie die Akkordschlachthöfe mit ihren Fehlbetäubungen, die artwidrigen Haltungen der sogenannten Nutztiere usw. usf. Die Blutspur gequälter und missbrauchter Tiere zieht sich ungesühnt und stetig quer durch Europa.

Offizielle Absichtserklärungen haben sich immer wieder als wertlos erwiesen. Die tierrelevanten EU-Erlasse dienen nicht dem Schutz der Tiere sondern der Harmonisierung des Wettbewerbs und legen lediglich Mindeststandards fest. Mitgliedstaaten, die über die Minimalanforderungen hinausgehen, riskieren wirtschaftliche Nachteile im Konkurrenzkampf, weshalb nur selten tierschutzfreundlichere nationale Vorschriften erlassen werden. Die besonders rückständigen Länder sind bestrebt, eine gemeinschaftliche Anhebung des Niveaus zu verhindern. Langfristig drohen die nationalen Vorschriften auf den EU-weit niedrigsten Standard abzusinken, eine Gefahr gerade angesichts der EU-Erweiterung.

Der Verfassungsentwurf sieht den Tierschutz nicht vor! Wenn die EU die Beachtung des Tierschutzes in Politikbereichen und Programmen - wie im Zusatzprotokoll erklärt - beibehalten möchte, ist es unerlässlich, dass es einen klaren Verweis auf den Tierschutz in den Staatszielen gibt sowie eine kohärente Einfügung in die für den Tierschutz relevanten Politikbereiche wie Landwirtschaft, Umwelt, Verbraucherschutz und Forschung.

Unter den EU-Bürgern gibt es Verwirrung, welche Bereiche des Tierschutzes die EU zu regulieren imstande ist. Daher sollten neben dem Verweis auf den Tierschutz als Zielsetzung in Artikel 3 des Verfassungsentwurfs und der Hinzufügung des Tierschutzes in die Liste der beiderseitigen Zuständigkeiten in Artikel 12 die Vorgaben des Tierschutzes in den Politikbereichen unmissverständlich erläutert werden.

Auch im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik müssen die Tiere entgegen ihrem bisherigen Status bloßer landwirtschaftlicher Erzeugnisse bzw. Handelswaren vertraglich als empfindungs- und leidensfähige Lebewesen anerkannt werden.

Europäische Chemikalienpolitik und Tierversuche

Nach wie vor ist beabsichtigt, „Altchemikalien“, die vor 1981 auf dem Markt waren, einer nachträglichen Sicherheitsprüfung und Risikobewertung zu unterziehen. (EU-Kommissionstext “Entwurf für einen Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe“ (REACH) vom 29.10.2003). Nach Angaben der EU-Kommission sollen dafür bis 2020 bis zu 10 Millionen Versuchstiere geopfert werden (Fische und Wirbellose nicht gerechnet, laut schwedischer „Stiftung tierversuchsfreie Forschung“ 25 Millionen). In einem ausführlichen Schreiben der zuständigen Kommissarin Margot Wallström an PAKT e.V. vom 8. März 2004 werden keine diesbezüglichen Zahlenangaben gemacht. Die Zahl der Versuchstiere ist jedenfalls von einer derart erschreckenden Größe, dass die Tierschutzverbände sich selbstverständlich genötigt sahen, dagegen zu protestieren. Auch andere Stellungnahmen aus dem In- und Ausland haben dargelegt, dass das Altchemikalien-Prüfungsvorhaben ohne Tierversuche durchgeführt werden kann, und zwar nicht „nur“ aus ethischen Gründen, sondern weil, wie die Erfahrungen belegen, Tierversuche ungeeignet sind, die Schädlichkeit von Chemikalien für Mensch und Umwelt sicher und kostengünstig zu beurteilen, im Gegensatz zu inzwischen entwickelten (und noch weiterhin zu entwickelnden) tierversuchsfreien Testverfahren. Gerade die Langzeitauswirkungen der diversen Chemikalien in der Umwelt lassen sich mit Tierversuchen am wenigsten feststellen, weil sie als Momentaufnahme für das lange Zeitfenster nicht zuverlässig aussagekräftig sind. Tierversuche geben keine Auskunft über Langzeitauswirkungen im menschlichen Organismus oder gar in der Biosphäre. Alle existierenden Daten (nicht nur die aus Tierversuchen resultierenden) sind zwingend zugänglich zu machen und verpflichtend gemeinsam zu nutzen, so dass sich erneute Tests erübrigen. Es ist zwingend und rechtsverbindlich festzulegen, mehrere Hersteller des gleichen chemischen Stoffes zu verpflichten, nur einmal die vorhandenen Tierversuchs-Daten vorzulegen, bei Androhung finanzieller Sanktionen. Zu gewährleisten ist ferner, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten verpflichtet werden, mehr als vorgesehen ausreichende finanzielle Mittel zur weiteren Entwicklung tierversuchsfreier Methoden bereitzustellen und dass die bisher validierten tierversuchsfreien Verfahren beschleunigt anerkannt werden. Dieser Hinweis gründet sich auch auf die bedauerliche Tatsache, dass die Zahl der Tierversuche in den letzten vier Jahren signifikant zugenommen hat, die Forschungsförderung für die Entwicklung von Ergänzungs- und Ersatzmethoden dagegen stark gekürzt wurde – entgegen der Koalitionsvereinbarung der Regierungs-Parteien.

Zur landwirtschaftlichen Tierhaltung sind im Laufe der Jahre einige Richtlinien, basierend auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Mitgliedstaaten herausgekommen (Minimalanforderungen). Die Richtlinien sind so allgemein und vage, dass von einem Schutz der „Nutztiere“ nicht gesprochen werden kann. Selbst Dämmerlicht ist für diese Tiere zulässig. Die sog. Pelztiere werden den „Nutztieren“ zugeordnet. Es liegt im Ermessen der Mitgliedstaaten, bestimmte tierquälerische Praktiken weiterhin zu erlauben, wie die Zwangsmast von Enten und Gänsen zur Erzeugung von Fettleber.

Dringender Handlungsbedarf besteht hinsichtlich der Haltung der Mastkaninchen, Masthähnchen und Schafe, für die es keineRichtlinien gibt. In der (alten) EU werden darüber hinaus jährlich 4 Milliarden Masthühner gehalten und geschlachtet. Die extremen Haltungsbedingungen führen zu gravierenden gesundheitlichen und anderen tierschutzrelevanten Problemen. Eine Richtlinie zum Schutz der Masthühner ist also ebenfalls dringend erforderlich. Das gleiche trifft auf die Putenhaltung zu.

Fazit: Der größte Teil der „Nutztiere“ in der EU wird in einer ihren Bedürfnissen und angeborenen Verhaltensweisen entgegenstehenden und tierschutzwidrigen Weise gehalten. In letzter Zeit zu registrierende Ansätze zu einem Umdenken in Richtung artgerechterer Haltungssysteme müssen noch durch restriktive rechtliche Bestimmungen der EU befördert werden. Diese Ansätze dürfen auch nicht wie bisher durch viel zu lange Übergangsfristen relativiert werden.

Die ab 2007 wirksam werdende Agrarreform (GAP) ermöglicht zwar die Chance der stärkeren Berücksichtigung des Tierschutzes, doch obliegt die Ausführung den Mitgliedstaaten, und bis jetzt wurde unterschiedlicher Gebrauch von den finanziellen Anreizen zur Verbesserung des Tierschutzes gemacht. Die Osterweiterung verursacht neue Probleme, z.B. durch den Wegfall der bisherigen Grenzkontrollen, durch die längeren Transportwege innerhalb der EU. Einigungen zugunsten des Tierschutzes dürften nun, angesichts der größeren Zahl der Mitgliedstaaten und der besonderen Vernachlässigung des Tierschutzes in den Beitrittsländern, noch schwieriger werden.

Weil immer wieder über tierschutzwidrige Zustände größten Ausmaßes in den Beitrittsländern berichtet wird (wie millionenfacher Vogelmord auf Malta, Zypern, Italien, Gänserupfen in Ungarn an den lebenden Tieren oder die tragische Situation, die in einem „Tierauffanglager“ in Nitra –Slowakei- herrscht), stellt sich die Frage, wie der Stand der in Aussicht stehenden Übernahme des EU-Tierschutzrechts in diesen Ländern ist, soweit es sich in den Richtlinien und Verordnungen der EU sowie den Empfehlungen des Europarats niederschlägt. Mit der Maastrichter Tierschutzerklärung (1992) und dem Amsterdamer Tierschutzprotokoll (1997) liegen juristische Rahmenbedingungen vor, die es nicht nur ermöglichen, sondern erfordern, den Tierschutz in den Beitrittsländern wenigstens auf das Niveau des EU-Rechts zu heben.

Bei den Richtlinien geht es um den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere, zum Schutz von Lege- hennen, Kälbern, Schweinen, Transporttieren, Schlachttieren und Versuchstieren. Von Bedeutung sind auch die Singvogel-Richtlinie, die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, die Verordnung zur Umset- zung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens und die Verordnung zum unionsweiten Verbot von Tellereisenfallen und de Einfuhr von Pelzprodukten aus Ländern, die Tellereisen verwenden.

Mit dem Beitritt der neuen Staaten entfallen für den Warenverkehr, somit auch für Tiertransporte, ab 1. Mai 2004 zwischen diesen Staaten und der jetzigen EU die bisherigen Kontrollen an den Ostgrenzen Deutschlands, Österreichs und Italiens, wodurch sich die Leiden, die diese Transporte für die Schlachttiere mit sich bringen, vergrößern. Die Auflösung der bestehenden Grenzveterinär-Kontrollstellen ist besonders nachteilig, weil die aus Polen oder Tschechien kommenden Tiere bei der Einreise nach Deutschland bereits mehrere Stunden unterwegs waren. Hinzu kommt der geplante Stellenabbau bei Polizei und Grenzveterinären, obwohl selbst bei gleichbleibendem Personalstand die Kontrollintensität nicht beibehalten werden kann. Bezüglich der neuen östlichen Außengrenzen der EU ist noch ungeklärt, ob und wann an den zahlreichen neuen Übergangsstellen die erforderliche Infrastruktur vorhanden sein wird, um die notwendige Versorgung der Tiere sicherzustellen und um verletzten oder nicht mehr transportfähigen Tieren wirksam zu helfen. Erforderlich ist eine 24stündige Entladung aller Tiere an den Außengrenzen. Es darf nicht sein, dass die Einhaltung der Tierschutztransport-Richtlinie während des gesamten Transports künftig nicht mehr verlangt wird. Je größer also die EU, desto länger die unkontrollierten Tiertransporte selbst in den Binnengrenzen. Über den Stand der Beitrittsverhandlungen in Bezug auf die Tierschutzprobleme wird in den Medien nichts berichtet. Selbst im „Eurobulletin“ der Eurogroup for Animal Welfare und den Reports der „Intergroup“ ist darüber nichts zu erfahren gewesen, abgesehen von einem kurzen Bericht in der November-Ausgabe 2003 des „Eurobulletins“, der sich aber hauptsächlich auf die Hennenhaltung bezieht. Der „Comprehensive Monitoring Report“ geht nicht auf unser Anliegen ein, zu erfahren, wie es mit der Kooperationswilligkeit der neuen Staaten hinsichtlich der Verbesserung oder überhaupt Einführung des Tierschutzes (Gesetze??) steht, mit der erforderlichen Infrastruktur zur Einhaltung der Tierschutzbestimmungen der EU wie Veterinärämter in ausreichender Zahl und personeller Ausstattung.In Polen und Ungarn wurden zwar 2003 Tierschutzgesetze verabschiedet, doch sind diese völlig unzulänglich. In diesen und den anderen Beitrittsstaaten sind also Tierschutzgesetze einzuführen, die ihren Namen verdienen und deren Vollzug auch realisiert wird, wozu eine entsprechende Infrastruktur noch zu schaffen ist.

Positiv ist am EU-Beitritt immerhin, dass die Beitrittsländer Tier- und Artenschutzregelungen einführen und umsetzen müssen, wo es früher überhaupt keine gab. Deren vollständige Umsetzung wird Jahrzehnte beanspruchen; es fehlen ja vielfach auch die regionalen und lokalen Institutionen und Verwaltungen, die die Umsetzung bewirken. Einzelne Förderprogramme der EU wie das SAPARD-Programm für die Modernisierung der Landwirtschaft könnten aber den Tier- und Artenschutz konterkarieren.