Parfum, Geschichte - Mode
Parfum
Unsere heutige Bezeichnung Parfum stammt vom lateinischen „per fumum“ und bedeutet „durch den Rauch“.Es gibt Pflanzen-Parfums, seefrische Düfte - ganz einfach natürliche Gerüche um zum Wesentlichen zurückzukehren: Erde, Feuer, Wasser und Wind. Düfte können ganze Welten beinhalten und intimer Ausdruck der Gefühle sein. Ein Duft entfaltet sich auf der Haut oder im Haar zu einer persönlichen Aussage, zur verführerischen Botschaft.
Blumen, aromatische Pflanzen und Harze waren einstmals (etwa 4.000 v.Chr.) die Rohstoffe, die für die Verehrung der Götter benutzt wurden. Der Gebrauch von Duftsubstanzen breitete sich aus: Räuchermittel, Öle, Balsam, gegärte Liköre.Im Rahmen von religiösen Kulten oder Festgelagen kamen Weihrauch, Myrrhe, Zypressen- und Sandelholz, Amber oder Moschus zur Anwendung. Die wohlriechenden Essenzen, welche man mittels primitiven Verdampfungsgeräten gewann, dienten zu kosmetischen Zwecken und zum Einbalsamieren der Toten. Kriton, ein Schüler von Sokrates, gab bereits 100 Jahre vor Christus Anweisungen für das Baden, Parfumieren und Schminken. Schon die alten Ägypter, Griechen und Römer huldigten einer hoch entwickelten Körperkultur; sie badeten in duftenden Wassern, salbten und parfumierten sich täglich.
Im 8. Jahrhundert stand die Kunst der Destillation im Orient in hoher Blüte: Um 760 fügten Parfumeure in Arabien ihren Extrakten erstmals Alkohol bei.
Während der Kreuzzüge vom 11. bis 13. Jahrhundert brachten die Kreuzritter auch kostbare Duft- Essenzen, Salben und Kosmetika nach Europa. Eine wahre Leidenschaft für Schönheitspflege setzte ein. Im 15.Jahrhundert erlebten die Italiener, das damals reichste Volk Europas, einen triumphalen Erfolg der Duftwässer.Vor allem in der Seehandelsrepublik Venedig war der Umgang mit Parfum nahezu verschwenderisch. Von Italien aus (de Medici) verbreitete sich die Parfumherstellung verstärkt nach Frankreich aus. Am Hofe des Sonnenkönigs galten um 1660 heiße Bäder oder Zähneputzen als gesundheitsschädigend. Man betupfte höchstens Gesicht und Hände mit einem in parfümierten Weingeist getauchtes Tüchlein. Der glänzende Hof von Versailles gab den Ton in der Mode und in den Sitten an.
In vier Jahren hatte Ludwig XIV. nur ein einziges Bad genommen! Körperhygiene wurde klein geschrieben. Schmutzig sein war normal, und um den Geruch ihres Körpers auszugleichen, benutzten Männer und Frauen Parfum und Kosmetik. Die wenigen Utensilien für Körperpflege schlug man für die Reise in ein Taschentuch, das sinnigerweise «toilette» genannt wurde. Unangenehme Körperausdünstungen übertünchten Männlein und Weiblein mit stark duftenden Essenzen. An Fürstenhöfen und in Kreisen reicher Bürger waren Parfums, ätherische Öle und Präparate für Gesichtspflege begehrt, welche von venezianischen oder florentinischen Kaufleuten aus dem Orient eingeführt wurden: Kakao, Vanille, Tabak, Pfeffer, Gewürznelken, Cardamom, Balsam aus Peru. Der Hof von Louis XV. wurde der Hof des Parfums getauft, und der Gebrauch des Parfums, der sich jeden Tag änderte, wurde vorgeschrieben. Man benutzte sogar Essig. Man erinnerte sich der Hygiene und bevorzugte feinere Düfte. Die großen Verführerinnen und die mächtigen Frauen rivalisierten an den Fürstenhöfen um die Geheimnisse der Schönheit und der Gifte. Die Reichen trugen Parfumkugeln, die mit Moschus, Ambra oder mit aromatischen Harzen gefüllt waren. Es ist überliefert, dass Heinrich VII., von 1445 bis 1509 König von England, üppigen Parfums sehr gewogen war und, durch allzu ausgiebigen Gebrauch starker Essenzen, des Öfteren in Ohnmacht fiel.
1550 ist die erste «industrielle» Herstellung von Parfums in Frankreich nachweisbar. Königin Elisabeth I. (1558 bis 1603) ließ öffentliche Plätze mit duftendem Wasser besprühen. Die Monarchin trug ständig eine mit Parfum gefüllte, vergoldete Kugel am Gürtel.
Das Parlament erlaubte den Handschuhmachern zuerst den Titel Parfumhersteller anzunehmen, und sich dann Puderhersteller zu nennen. Montpellier und Grasse lagen im Wettstreit um die medizinischen Kräuter, um Blumen wie Nelken, Veilchen, Lavendel, Jasmin und Tuberose. Die Chemiker von Grasse lebten im Wohlstand und sie verbesserten die Techniken der Enfleurage und der Destillation.
In England überstieg anno 1770 der Konsum von Parfums jedes vernünftige Mass. Das Parlament erließ, zum Unmut der duftsüchtigen Ladies, jedoch zur Freude der Gentlemen, welche für die horrend teuren Parfums aufkommen mussten, ein Gesetz folgenden Wortlautes: «Eine Ehe kann gesetzlich als ungültig erklärt werden, wenn Mylady versuchen sollte, ihren ehrenwerten Gemahl durch die Verwendung von Parfum und Schminke zu überrumpeln...».
Ende des 18. Jh.erfand der Italiener Giovanni Maria Farina in Köln das Eau de Cologne.
Während der französischen Revolution waren die Parfumhersteller verhasst. Gnade bekamen sie erst wieder in der Konsularszeit und im Kaiserreich. Die Kaiserin Josephine gab ein Vermögen für exotische Düfte aus, während Napoleon sich mit Eau de Cologne begnügte. Er machte das Parfümieren wieder gesellschaftsfähig. Nach einer kurzen Phase des Schwärmens für Vetiver und Patchouli unter dem II. Kaiserreich, stand die zweite Hälfte des 19. Jahrhundert unter dem Zeichen des gehobenen Bürgertums und der Entdeckung des guten Geschmacks. Der Handel mit Luxusgütern florierte, die Parfumherstellung wurde immer mehr zu einer Kunst. Kumarin, Heliotropin, Vanillin, Jonone, Aldehyde. Die Chemie und die neu entdeckten Stoffe führten zu einer Revolution der Gerüche. Das war die Geburtsstunde der modernen Parfumherstellung.
Frankreich ist bis heute Zentrum der Parfumindustrie.
Um 1900 war die Belle Epoque. In der Parfumherstellung ergänzte Coty seine Fähigkeiten mit den Qualitäten von Lalique. Durch sie wurde das Parfum zum Luxus. Poiret erfand die Silhouette einer Frau. In den USA entstand der Markt um die Schönheit mit der Entstehung der ersten Schönheitsinstitute, und mit Kosmetik von Elizabeth Arden und Helena Rubinstein. Erst später stellten sie ihr eigenes Parfum her. In diesen extravaganten Jahren emanzipierten sich die Frauen und fingen an zu arbeiten. Vorbei waren die Korsetts. Man tanzte Charleston, begeisterte sich für die Filmstars des Stummfilms.
Die Aldehyde brachten einen neuen Wind, der den Parfums Frische und Dynamik verlieh.
Die Euphorie hörte mit dem Börsenkrach von 1929 aber auf. Die Haute Couture und das Parfum der Nachkriegszeit schlossen sich zusammen. Gemeinsam schafften sie für die Frau ein verführerisches Modell, das von Hollywood beeinflusst war. 1930 kam die Weltwirtschaftskrise mit der hohen Arbeitslosigkeit, dann der Faschismus, der Krieg und der Holocaust. Die Mode passte sich den Einschränkungen an. Hollywood war auf dem Höhepunkt. Die Studios triumphierten mit dem Starsystem. Nach dem Krieg erfand Christian Dior den New Look, der eine neue Zeit ankündigte. Das erste weibliche Modemagazin, Marie Claire, informierte über Mode, Schönheit, Liebeskummer und veröffentlichte Romane mit Fortsetzungen. Die Modemacher setzten starke, charaktervolle Düfte durch. Man benutzte ein Parfum der Haute Couture, um sich von dem anderen abzusetzen.In den 50er Jahren kommerzialisierte sich das Parfum. Es war die Geburtsstunde des Eaux de Toilette für den Herrn und des amerikanischen Parfums. Kaugummi, Blue Jeans, Rockn Roll: Während des kalten Krieges träumte Europa von Amerika und seinen Sexsymbolen. Die Haushaltsgeräte revolutionieren den Alltag der Frau. Das Prêt-à-porter ersetzte die Konfektion. Auch die Parfums waren preiswerter. Sie waren für jeden zugänglich und enthielten einfachere Duftnoten. Der amerikanische Einfluss war spürbar. Estée Lauder brachte ihr erstes Parfum heraus. 1960 die Revolution der Sitten und die 68er Bewegung begleiteten eine neue Welle von frischen Gerüchen. Die 60er Jahre feierten die Vollbeschäftigung und das wirtschaftliche Wachstum. Die Hippie-Bewegung wurde in San Francisco geboren und breitete sich in Europa aus. Man wurde sich seines Körpers und seiner Sinne bewusst, die Sexualität befreit. Liebe statt Krieg. Die ganze Jugend wurde von dem frischen Wind der Rebellion gepackt, von den Demonstrationen gegen Vietnam bis zum Mai 68. Das Patchouli eroberte die Straßen, aber die Marken der Haute Couture kümmerten sich nicht darum. In den 70er und 80ern kommen aus den USA fruchtige Noten, die das Parfum für Männer und Frauen erneuern. Die südfranzösische Stadt Grasse, in deren Umgebung bereits seit Jahrhunderten Duftpflanzen angebaut werden, hat sich als Parfumstadt einen Namen gemacht. Heute ist der Gebrauch von Parfum selbstverständlich und gehört zum täglichen Leben. Der duftende Hauch von Luxus rundet die gepflegte Erscheinung von Frauen und Männern gleichermaßen stilvoll ab. Der kostbare Parfumflacon befriedigt die Sinne: Er sieht edel aus. Er fühlt sich kostbar an. Der Duft vermittelt Wohlbefinden und wird bemerkt. Dank der heutigen Möglichkeiten, eine Fülle synthetischer Grundstoffe herzustellen, ist der Phantasie der Parfumeure keine Grenze mehr gesetzt.
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