vor 20 Mill. Jahren

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Die folgenreichsten Entwicklungen im Menschwerdungsprozess werden möglich, als sich unsere vormenschlichen Vorfahren vor etwa 20 Mio. Jahren aus dem Schutz der Wälder in die offene Savanne begeben.

Den Erfordernissen ihrer neuen Umwelt entsprechend, beginnen sie damit, sich aufrecht zu bewegen.
Beine und Füße dienen nun bald allein der Fortbewegung.
Mit der Aufrichtung verändert sich die Beckenstruktur der Frau.
Der Beckenraum wird runder, der Geburtskanal enger.
Da parallel dazu der Kopf des Hominiden größer wird, das Gehirnvolumen verdreifacht sich im Laufe der Menschwerdung, wird der Geburtvorgang für die Frau schwieriger und gefährlicher.
Die Hand entsteht als ein vielseitig einsetzbares Organ mit einzeln bewegbaren Fingern und opponierbarem Daumen.
Zum menschlichen Organ wird sie in ihrer Verbindung mit dem sich nun schnell entwickelnden Gehirn, vor allem im Bereich der Großhirnrinde. Hier befindet sich der Hauptsitz der Gefühle, der Vorstellungs- und Assoziationskraft.
Die schwere Muskulatur an Hals und Schädel degeneriert, sie ist bei der aufrechten Haltung nicht mehr erforderlich.
In der neuen Statik der aufrecht gehenden Menschen übernimmt das Becken die tragende Rolle.
Der robuste Kiefer entwickelt sich ebenfalls zurück.
Aus dem Greif- und Reißorgan Schnauze wird der Mund, der nicht nur sprechen und kauen, sondern auch besonders innige Beziehungskontakte, vom Füttern bis zum Küssen herstellen kann.
Während die Intelligenzentwicklung nun rapide fortschreitet, verlangsamen sich die biologischen Wachstumsprozesse.
Das Menschenkind wird völlig unfertig geboren.
Ohne eine jahrelange, nährende, pflegende und erziehende Versorgung ist es nicht überlebensfähig.
Die weitere Evolution des Menschen ist psycho-sozial ausgerichtet. Dabei wachsen den Frauen über ihre biologischen Funktionen hinaus nun auch die entscheidenden sozialen Rollen zu.
Seit es Säugetiere gibt, gibt es die besondere Funktion der Mutter.
Neues Leben entsteht im Mutterleib, hat Anteil am Stoffwechsel der Mutter und wird von ihr lebend geboren.
Mit dieser Leben spendenden Fähigkeit kommt dem Weibchen die entscheidende Rolle für den Fortbestand der Spezies zu.
Die Schwangerschaftszeiten werden immer länger, vor allem aber auch die Phasen der Abhängigkeit des Neugeborenen von der Mutter.
Während dieser Zeit entwickeln sich besonders enge und über die Abhängigkeitsphase hinausgehende, dauerhafte Beziehungen und Bindungen zwischen Frauen und Kindern.
In der Zeit der frühen Menschen spielen Männer in diesen Beziehungs- und Bindungsstrukturen nur als Kinder und im späteren Alter als Brüder von Frauen eine Rolle.
Ein Bewusstsein von Vaterschaft gibt es in den frühen Gesellschaften noch nicht.
Denn einen Zusammenhang zwischen Sexualkontakten von Frauen und Männern und eventueller Schwangerschaft stellen die Menschen in diesem Entwicklungsstadium noch nicht her.

Die frühen Mutter-Kind-Bindungen und die damit verbundenen Aufgaben der ersten Menschenfrauen führen zu einer Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern und leiten deren unterschiedliche Entwicklung ein.

Das Interesse der Frauen wird zunächst aus biologischer Notwendigkeit in besonderer Weise auf das Leben gerichtet.
Ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln sich im Schaffen von Lebens- und Überlebensbedingungen.
So sind Frauen nicht nur als Spenderinnen, sondern auch als Gestalterinnen und Erhalterinnen des Lebens hoch geachtet.
Das frühe Menschenkind braucht zum Überleben nicht nur Nahrung von der Mutter, sondern auch das Gefühl der Geborgenheit.
Die Mutter gibt dem Kind dieses Gefühl, bzw. verstärkt es, in dem sie mit ihm spricht.
Der anfängliche Lall-Dialog zwischen Mutter und Kind schafft den Anreiz zu immer mehr und immer neuen Lautbildungen.
So wird der frühe Mutter Kind Dialog zur Basis für die Entwicklung der menschlichen Sprache.
Die genetischen Voraussetzungen für die Entwicklung der Sprachfähigkeit bei weiblichen Primaten und weiblichen Menschen sind stärker ausgebildet als bei ihren männlichen Artgenossen.
Die modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse widerlegen die These, dass die menschliche Sprache von urzeitlichen Jägern entwickelt worden sei.

Um 100.000. Die Neandertaler sind die ersten uns bekannten Menschen, die ihre Toten bestatten. Die Toten sind in unmittelbarer Nähe zu den Lebenden bestattet, unter den Wohnhöhlen, den Lager- und Siedlungsplätzen, auch Feuerstellen. Sie beobachten den Lauf der Gestirne und entwickeln daraus Systeme zu ihrer Orientierung im Kosmos. Die Toten bestatten sie in Ost-West-Richtung, entsprechend der Laufbahn von Sonne und Mond. Sie hinterlassen erste abstrakte Symbolisierungen ihrer astronomischen Kenntnisse auf einem gerundeten, einzelligen Gehäuse, das in Tata, im heutigen Ungarn gefunden wird. In den mit Ocker gefärbten Nummulites perforatus ritzen sie ein Linienkreuz ein. Dieser Fund ist das erste Sinnbild der Welt, die durch die vier Himmelsrichtungen in 4/4 unterteilt ist.

Um 70.000. Sie errichten Wohnplätze. Ihre neu erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Fell-, Holz- und Knochenverarbeitung sowie ihre Flechttechniken kommen ihnen dabei zugute. Als Baumaterial verwenden sie Großwildknochen, vor allem Rippen und Stoßzähne. Es entstehen die ersten Rundbauten mit einem Durchmesser von etwa 7-8 m. In der Mitte die Feuerstellen.