vor 25 Mill. Jahren
Begonnen hat die Schöpfungsgeschichte der Menschheit vor etwa 25 Mio. Jahren.
Um diese Zeit vollzieht sich eine Differenzierung der Hominoiden in zwei sich unterschiedlich weiterentwickelnde Linien:
In der Linie der Pongiden entwickeln sich die heutigen Menschenaffen.
In der Linie der Hominiden entstehen unsere menschlichen Vorfahren.
Der genaue Zeitpunkt der Menschwerdung ist zwar nicht bestimmbar, Schädelfunde, Werkzeug und Lagerplatzreste weisen allerdings darauf hin, dass es sich bei den vor gut 2 Mio. Jahren lebenden, späten Formen der Australopithecinen bereits um menschliche Vorfahren handelt. Die ersten ihre Umwelt gestaltenden Menschen werden als Homo habilis bezeichnet. Im Laufe einer weiteren Million Jahre vollzieht sich die Entwicklung unserer Vorfahren zum Homo erectus, aufrecht gehenden Menschen. Vor etwa 200.000 Jahren erscheinen die Homo sapiens, die jetztzeitlichen Menschen. Die Neandertaler gehören zu diesem Menschentyp. Sie bestatten ihre Toten, stellen Kleidung her und errichten Wohnräume. Unsere direkten Vorfahrinnen vom Typ der Homo sapiens sapiens, bekannt geworden als Cromagnon-Frauen, leben seit etwa 40.000 Jahren. Ihre schöpferischen Leistungen bilden die Grundlage jeder weiteren kulturellen Entwicklung. 3.000 v.Chr. entstehen im heutigen Äthiopien und Tansania erste Werkzeuge aus mit Abschlagtechnik bearbeiteten Kieseln.
Das erste vollständig rekonstruierbare Menschenskelett stammt von Lucy, einer etwa 30jährigen, etwa 1,05 m großen Vertreterin der Australopithecinen aus dem Osten des heutigen Äthiopiens (Lucys Überreste befinden sich im Cleveland Museum in den U.S.A).
Die heute lebende Menschenform, Homo sapiens sapiens, tauchte vor etwa 40.000 Jahre während der letzten Eiszeit auf.
Mit ihr beginnt die Kulturstufe der Jüngeren Altsteinzeit (Jungpaläolithikum), die nach dem Rückzug der Gletscher vor 10.000 Jahren endet. Die Menschen dieser Zeit haben erstmals figürliche Kunst geschaffen. Themen der beginnenden Kunst waren die damals lebenden Tiere, Vulva Symbole und die viel beachteten Frauenfiguren, die als Venusstatuetten in die Literatur eingegangen sind. Das Denken unserer Ahninnen hat sich mit der Schaffung einer räumlichen und zeitlichen Orientierung und der Frage nach Herkunft und Tod befasst. Davon legen die ostwestlich ausgerichteten Bestattungen der Toten Zeugnis ab und die vielfältigen Vulva Darstellungen, die zu den frühesten figürlichen Abbildern zählen. Sie fanden sich in Wohnstätten, Grablegungen und Kulthöhlen. Auf ein Alter von mehr als 30.000 Jahre werden z.B. die Vulven von Abri Cellier und La Ferrassie (Dordogne) datiert. Marie E.P. König deutet die Vulva Symbolik als Ausdruck eines frühen Widergeburtsglaubens der Steinzeitmenschen. Für die Geschichte der Frauen am bedeutsamsten sind die in der jungpaläolithischen Kunst so zahlreichen Frauendarstellungen. Bis heute sind mehr als 500 Frauenstatuetten bekannt. Das Fundgebiet erstreckt sich von den Pyrenäen bis Sibirien. Die meisten sind in der Zeit zwischen 28.000 und 23.000 Jahren vor heute entstanden. Abbilder von Männern fehlen weitgehend in den ersten 10.000 Jahren der beginnenden Kunst. Figürchen vom Typ der Venus von Willendorf (Österreich), Gagarino (Ukraine), Dolni Véstonice (Mähren) und die Reliefs von Laussel (Dordogne) sind nach einem einheitlichen Formenkanon gestaltet. Der Körper ist aus kugelförmigen Elementen um die Mitte zentriert aufgebaut, häufig ist das Schoßdreieck überdeutlich ausgeprägt. Herkömmlicherweise werden die Statuetten als Fruchtbarkeitsidole interpretiert. Dies entspricht einem Denken, in dem Frauen als Garantinnen für die Vermehrung der Art angesehen werden, also in erster Linie in ihrer Mutterfunktion. Die eiszeitlichen Frauengestalten aber erscheinen nie mit Kind. Marie König hat die Frauenbilder aus ihren Entstehungsbedingungen heraus erklärt. Der figürlichen Kunst voraus ging eine bis in die Homo erectus Zeit zurückreichende Tradition abstrakter Symbole. Kugelförmige Gebilde, wie in Achenheim ausgegraben, wurden als Sinnbild für die als rund gedachte Welt geschaffen. Das Linienkreuz gab die vier Himmelsrichtungen an. Und Netzmuster, die seit der Zeit der Neandertalerinnen bekannt sind, bezeichnen eine räumliche Unterteilung, wie sie notwendig ist, um den Lauf der Gestirne zu orten. Die aus kugeligen Elementen aufgebauten Frauenstatuetten veranschaulichen nach Marie König die Rundung der Welt mit dem Nabel als Mittelpunkt und der Vulva als Symbol für die Wiedergeburt. Häufig ist der Kopf der Frauengestalten mit einem Netzmuster überzogen, dem Ausdruck für räumliche Ordnung. Demnach steht das Frauenbild für ein frühes Weltbild, für das Wissen um räumliche Orientierung und für den zyklischen Prozess des Lebens. Eine ganze Reihe von Funden lässt darauf schließen, dass die Erfindung des Mondkalenders auf die Frauen zurückgeht. Aus Laussel (Dordogne) stammt das Kalksteinrelief einer Frau, die in einer Hand ein mondsichelförmiges Rinderhorn hält, das mit 13 Kerben versehen ist, die 13 Mondmonate eines Sonnenjahres. Ihre andere Hand weist auf den Schoß, so dass ein Zusammenhang zum weiblichen Zyklus verdeutlicht wird. Aus der Zusammenschau von körperlichen und außerkörperlichen Prozessen ergab sich die menschliche Einbindung in kosmische Zyklen: Der Kalender, die menschliche Zeit, war entstanden und somit die Voraussetzung für eine zeitliche Ordnung im gesellschaftlichen Zusammenleben, für jahreszeitliche Zusammenkünfte und für den Kulturaustausch zwischen entfernt lebenden Gruppen. In der endeiszeitlichen Kulturphase (17000 bis 11.000 Jahre vor heute) hat sich das Frauenbild noch stärker stilisiert. Es zeigt sich in Profilansicht, mit dem nach hinten gestreckten Gesäß erinnert es an eine Tanzhaltung. Diese Stilisierung war über ganz Europa verbreitet und zu einem universalen Ausdruckmittel geworden. Häufig wurden die Frauen einander zugewandt oder sich umarmend gezeigt. Das erste dargestellte Paar der Kunstgeschichte ist somit ein Frauenpaar. Frau-Mann-Paare sind aus der Eiszeitkunst nicht bekannt. Erst in der Endeiszeit werden Männer überhaupt zum Thema der Kunst. Sie sind oft als Tier-Mensch-Mischwesen dargestellt, häufig sind sie sterbend, oder tödlich bedroht gezeigt. Die Symbolwelt am Anfang der Kultur bezieht sich auf den Lebensbereich der Frauen. Die Vorstellungen über Herkunft und Tod, über die zeitliche und räumliche Einbettung der menschlichen Existenz wurden in Frauenkörpern begreifbar gemacht. Es ist zu vermuten, dass die Frauen es auch waren, die im Zentrum des sozialen und kultischen Lebens gestanden und die kulturelle Entwicklung maßgeblich bestimmt haben.
