60.000 v.Chr.
Um 60.000. Sie kennen die Kräuter, verfügen bereits über wichtige pharmazeutische Kenntnisse.
Um 20.000. Die Cromagnon-Frauen verschönern nicht nur ihre Werkzeuge, Geräte und religiösen Gegenstände, sondern zunehmend auch sich selbst. Sie stellen kunstvoll geschnitzte mit Farbstoffen bearbeitete Schmuckstücke her, die ihr handwerkliches Geschick bezeugen. Sie hinterlassen vor allem in Mittel- und Osteuropa unzählige Halsketten und Armbänder, Diademe und Haarspangen, Anhänger und Broschen aus Muscheln, Schneckengehäusen, Geweih- und Gehörnteilen, kleinen Knochen, Zähnen, Elfenbein, Bernstein oder anderer wertvoller Mineralien
Um 18.000. Erfindung der Nähnadel
Um 15.000. Mit dem Abschmelzen des Eises und der damit einhergehenden Erwärmung verändern sich die Landschaften der Erde und mit ihnen Flora und Fauna. Die heutigen Kontinente entstehen, es bilden sich drei verschiedenhäutige Menschengruppen: Europide, Mongolide und Negride.
Um 14.000. Frauen beginnen mit Töpfen zu kochen. Da sie die Tongefäße noch nicht kennen, graben sie ihre ersten Kochtöpfe einfach in die Erde. Für den Kochprozess verwenden sie Quarzgerölle, die sie zunächst im offenen Feuer erhitzen und dann mit Hebern aus Knochen oder gehärtetem Holz ins Wasser in den Kochgruben leben.
Um 13.000. Steinzeitfrauen domestizieren junge Wölfe und Schakale zu Hunden.
Um 12.000. Hatte die Kunst der letzten Eiszeitperioden noch einen überwiegend symbolischen Charakter, so verändern sich im Mesolithikum mit den ökologischen Bedingungen auch die künstlerischen Ausdrucksformen. Die Levante-Künstlerinnen ritzen ihre Bilder nicht mehr in Decken und Wände tiefer, dunkler Höhlen ein, sondern schmücken gut zugängliche Felswände im Schutze von Überhängen oder Nischen mit ihren Zeichnungen (Menschenabbildungen, Tiere, Umwelt, Geschichten aus dem Alltag, ihr Leben, eine Frau mit Kind). Die Frauen begannen mit der Entwicklung der Landwirtschaft; sie kultivierten verschiedene Wildgetreide und Nährpflanzen, verschiedene Getreide und andere Nutzpflanzen. Bis zum 4. Jahrtausend hat sich die auf Pflanzenanbau und Haustierhaltung beruhende und von Frauenkultur und Göttinnenreligion geprägte Lebensweise in allen Regionen der Welt durchgesetzt.
Um 10.000. Kiesel sind mit verschiedenen Zeichen bemalt, meist Strichen oder Punkten, Zahlenwerten.
Um 9.000. Es entstehen erste dörfliche Siedlungen mit festen, aus Lehmziegeln erbauten Häusern (im heutigen Nahen Osten); Frauen prägen Struktur und Kultur der Dauergemeinschaften. Spuren erster zahmer Schafe (Mesopotamien) um 8.900. Um
8.500: Bei der Bearbeitung der Acker- und Gartenböden finden Frauen heraus, dass sich bestimmte Erdsorten in nassem Zustand leicht formen lassen und beim Trocknen diese Form behalten. Mahlsteine, Mörser, Sicheln und Vorratsgefäße.
Um 8.000 erste Bastsandalen.
Um 7.500: Nicht mehr der Wiedergeburtsglaube, sondern die Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod steht nun im Vordergrund.
Um 7.200: das höchste Gut der nun sesshaften Ackerbau- und Viehzuchttreibenden Gemeinschaften ist die Fruchtbarkeit. Tonstatuetten, wie sie in Jericho und Hacilar aufgestellt werden, zeigen die Verehrung der Großen Göttin, der Mutter allen Lebens und Herrin der Schöpfung in vielerlei Gestalt.
Um 6.600: erste Spiegel aus poliertem Obsidian.
Um 6.500: Baumeisterinnen von Catal Hüyük konstruieren ihre Stadt nach einem durchdachten Plan für eine ohne Hierarchien und offenbar gewaltlos lebende Gemeinschaft. Gruppen von etwa 20 Häusern gleicher Grundform und Bauart sind ohne Straßen und Durchgänge, so miteinander verbunden, dass sie wabenartige Siedlungskerne bilden, die offene Gemeinschaftshöfe umschließen. Runde Öffnungen in den aus Schilf bestehenden Dächern ermöglichen den Einstieg (um 6.000 dort: Frauen konstruieren die ersten Webstühle, Tonsiegel für den Stoffdruck, um 5.900 kunstvolle Methoden der Holzverarbeitung). Um
6.400: aus grob gemahlenem Weizen- und Gerstenmehl backen die Frauen Brot. Die ersten Backöfen sind Kammern aus gebranntem Lehm. Als Nebenprodukt entwickeln sie die Bierherstellung.
Um 6.300: in den ersten Städten verfeinern die Frauen die Tonverarbeitung und entwickeln sie zu kunstvollen Keramikgegenständen.
Um 6.000: Etwa 3.000 Jahre nach der Entwicklung von Pflanzenanbau und Haustierhaltung in den matriarchalen Kulturen des Nahen Ostens, existiert auch in den Gebieten des heutigen Südosteuropas eine neolithische Kultur. Die Gemeinschaften leben in Siedlungen. In Europa wie im Vorderen Orient bestehen matriarchale Kulturen, die egalitär und friedvoll sind und in allen ihren Ausdrucksformen geprägt werden durch die hervorragende Rolle der Frauen und die Verehrung einer Göttin als Spenderin und Erhalterin allen Seins.
Um 5.900: erster Hinweis auf das Bewusstsein vom Zeugungsakt der Menschen auf einer Reliefplatte, Frau und Mann bei der sexuellen Vereinigung, daneben eine Frau mit Kind im Arm.
Um 4.700: Bildnisse von Geburtsszenen, Frau-Kind-Paaren und Frau-Mann-Paaren.
Um 4.400: Die Badari-Kultur entsteht in Ägypten (erste ägyptische Kultur).
Um 4.200: verschiedenartige Schmuckstücke aus Metall (z.B. Kupfer).
Um 4.000: In Mesopotamien und im Indusgebiet entwickeln die Pflanzerinnen erste Bewässerungssysteme. In China beginnen die Frauen mit der Seidenraupenzucht, und sie erfinden den ersten Dampfkochtopf aus Ton. Seit dem Ende des 4. Jahrtausends wird der Pflug eingesetzt, erste Darstellungen finden sich in den bildhaften Schriftzeichen, die in Uruk in Mesopotamien hinterlassen werden.
Ab 4.000: Aus Vorderasien wandern Sumerer in das Zweitstromland ein, welche in den beiden folgenden Jahrtausenden mehr und mehr das alltägliche Leben der Einwohner von Südmesopotamien bestimmen.
Für die eingesessenen semitischen Frauen und ihre Große Göttin bedeutet das einen erheblichen Machtverlust. Die Obeid-Gruppen fallen ein, sie verehren den Gott Enki. In einem um 2.000 aufgeschriebenen Mythos versucht man, den Hergang der Geschichte zu verdrehen, indem der Gott Enki - in einer Umkehrung der Tatsachen - behauptet, Inanna habe alle Geschenke der Zivilisation von ihm gestohlen.
So eignen sich die Männer an, was Frauen in langen geschichtlichen Prozessen entwickelt haben und geben es unumwunden als ihre eigenen Erfindungen aus.
So wie die Männer sich als Götter verstehen, werden nun nicht mehr die Fähigkeiten und Kräfte der Frauen als göttlich verehrt, sondern das Männliche wird als verehrungswürdig ausgegeben. Die patriarchalische Umgestaltung des Götterhimmels lief der Patriarchalisierung der irdischen Gesellschaft parallel. Wie die matrizentrische Himmelsgenealogie von der Muttergöttin zur Tochtergöttin, der irdischen Erbfolge entsprach, so wurden beide während des 3. und 2. Jahrtausends umgestürzt. In Babylonien stieg der Sonnengott Marduk zum obersten Staatsgott auf, in Ägypten der Sonnengott Re, während die Großen Göttinnen Ischtar und Isis zu Töchtern des Hochgottes zurückgestuft wurden. Gleichzeitig besiegelte der Codex Hammurapi (um 1760) die patriarchale Familienorganisation. Dabei gibt es in der babylonischen Gesetzessammlung Hinweise auf frühere, matrizentrische Eheformen wie Besuchsehe oder matrilokale Eheresidenz, während das mittelassyrische Gesetz (um 1100) die Familienordnung noch zu Ungunsten der Frau verschärft. Nun entstanden riesige Königspaläste neben den Tempeln, der König als oberster Kriegsherr unterhielt ein bezahltes Heer, und die priesterlichen Ämter wurden durch Mitglieder oder Günstlinge des Königshauses besetzt. Erst mit der weltlichen Königsherrschaft, die immer autokratischer und kriegerischer wurde, etablierte sich eine hierarchisch geschichtete Klassengesellschaft, an deren unterster Stelle die Sklaven/innen standen. Das Alte Reich in Ägypten hatte nur einen kleinen Beamtenstab. Die ersten Pyramiden wurden nicht von Sklaven, sondern von freien Personen errichtet. In den frühen Tempelstädten wurden Mädchen gleichermaßen im Schreiben ausgebildet wie die Knaben.
Um 3.600: erste Wallfahrtsorte der Großen Göttin entstehen auf den Inseln Gozo und Malta. Baumeisterinnen errichten mehr als 20 Tempelanlagen. Es sind die ältesten und mächtigsten Steintempel der Menschheitsgeschichte.
Um 3.500: im Süden Mesopotamiens entwickeln Tempelfrauen die sog. erste Bilderschrift. Auf den frühen Tontafeln finden sich erste schriftliche Hinweise auf das Rad.
Um 3.200: Männer sind auf einer großen Vase im Tempel von Uruk dargestellt (bringen der Priesterin Opfergaben für die Göttin Inanna dar).
Um 3.000: im Süden Mesopotamiens leben bereits eine halbe Mio. Menschen. Zur Tempelwirtschaft der Großen Göttin Baba in Lagasch gehören etwa 66 qkm Land, darunter 45 qkm Ackerland. Mindestens 1200 Frauen und Männer sind hier beschäftigt – die Verwaltung obliegt den Frauen. Seit der Eiszeit gilt die Spirale als Symbol der fortwährenden kosmisch-weiblichen Lebensschöpfungskraft.
Ab 3000 v.Chr.: Im Schoß der egalitären matriarchalen Gesellschaften Mesopotamiens entwickeln sich die neuen patriarchalen Ordnungen. Ihre Basis sind die rationalisierte Landwirtschaft, private Verfügungsgewalt über Dinge und Menschen sowie kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den neuen Besitzern in nun mit Befestigungsmauern abgegrenzten Regionen oder Städten. Der Einsatz von Räderwagen und von Rindern gezogenen Metallpflügen fördert nun die Konzentration der landwirtschaftlichen Anbauflächen und einer fortschreitenden Arbeitsteilung bei der Nahrungsbeschaffung.
Um 2.800: In Mari, der Stadt der Großen Göttin Ischtar, betreiben die Priesterinnen eine Schreibschule für Frauen.
Um 2.750: die frühen ägyptischen Dynastien sind zwar keine Matriarchate, doch ist ihre Kultur noch deutlich von matriarchalen Elementen geprägt. Ab der vierten Dynastie sind alle ägyptischen Königinnen dokumentiert.
Um 2.700 rät der ägyptische Philosoph Ptah-Hotep den Männern: Wenn du weise bist, so behalte dein Heim, liebe deine Frau und streite nicht mit ihr. Ernähre sie, schmücke sie, salbe sie. Liebkose sie und erfülle alle ihre Wünsche, solange du lebst, denn sie ist dein Gut, das großen Gewinn bringt. Hab Acht auf das, was ihr Begehr ist und das, wonach der Sinn ihr steht. Denn auf solche Weise bringst du sie dahin, es weiter mit dir zu halten. Opponierst du ihr aber, so wird es den Ruin sein. Verdopple das Brot, das dir deine Mutter gab und trage sie wie sie dich trug.
Um 2.600: Frauenhaare sind seit jeher Symbol für Lebenskraft und Würde. Die Verachtung einer Frau ist oft mit der Zerstörung ihrer Haarpracht verbunden. Bereits die frühgeschichtlichen Frauen schmücken ihre Haare und stecken sie zu kunstvollen Frisuren auf. Jene, die kurze Haare tragen, schmücken sich mit kunstvoll frisierten Perücken aus langen lockigen Haaren. Peseschet heißt die erste namentlich bekannte Ärztin der Menschheitsgeschichte, als erste Richterin ist die Frau des ägyptischen Gaufürsten Assiut dokumentiert. Eine besondere Form der Erbfolgeregelung sichert den Frauen die entscheidende Rolle in der Geschichte der ägyptischen Dynastien. Die königlichen Familien werden über die weibliche Linie gebildet und weitergeführt. Der Stammbaum der ägyptischen Dynastien erwächst aus den Namen der Schwiegermütter des Königs und der Königsgemahlinnen. Die königliche Mutter ist die Trägerin der Legitimität der Herrschaft. Diese vererbt sie weiter an ihre erstgeborene Tochter. In der Regel übt die legitimierte Tochter die Herrschaft nicht selbst aus, sondern überträgt sie dem Mann, den sie zum Gatten wählt. Dieser Mann wird durch seine Vereinigung mit der königlichen Prinzessin zum rechtmäßigen Thronfolger und erwirbt das Recht zu regieren. Die Vaterschaft spielt in der ägyptischen Dynastie keine Rolle. Die königlichen Söhne erreichen den Thron nur durch die Heirat mit ihrer ältesten Schwester. Auch bürgerliche Männer können Pharao werden, wenn eine erstgeborene Prinzessin sie zum Gatten erwählt.
Um 2.400: Eine Liste von Frauenberufen in sumerischen Städten weist Frauen u. a. als Ärztinnen, Schreiberinnen, Friseurinnen und Köchinnen aus. Tanz und Musik sind fester Bestandteil des genussfreudigen Lebens in Ägypten. Die Frauen gelten als den überirdischen Mächten besonders nahe. In ihrem Tanz verbinden sie sich mit den kosmischen Kräften und lösen die Grenzen zwischen irdischem und göttlichem Erleben auf. Musik und Tanz werden in den Harims, den Frauenhäusern gelehrt.
Um 2.375: Das Reformedikt des Herrschers Urukagina in Lagasch enthält u. a. das erste Dokument einer gesellschaftlichen Reglementierung der sexuellen Entfaltungsfreiheit von Frauen. Es droht ihnen drakonische Strafen an, wenn sie weiterhin mit zwei oder mehr Männern leben und eine freie Rede ihnen gegenüber führen. Gesteinigt werden sollen diejenigen, die sich der befohlenen Beschränkung widersetzen und mit einem harten Stein soll man Frauen die Zähne einschlagen, die eine freie Zunge führen gegenüber Männern. Einerseits gelten die Frauen als voll geschäftsfähig und an Klugheit den Männern ebenbürtig, andererseits sind ihnen ihre Weiblichkeit, Sexualität und Gebärfähigkeit enteignet, sie unterstehen der Herrschaft von Männern. Einem Ehemann ist es gestattet, seine Frauen und Kinder auf Zeit zu verkaufen, wenn er Schulden abzuzahlen hat. Ein Mann, der der Frau untreu wird, die ihm Kinder geboren hat, kann aus seinem Haus geworfen werden und seinen gesamten Besitz verlieren. Todesstrafe gilt den Männern bei Vergewaltigung, den Frauen bei Ehebruch.
Um 2.340: mit der königlichen Hohepriesterin Enheduanna steht erstmalig eine Frau gleichzeitig an der Spitze der beiden Haupttempel von Ur und Uruk. Sie gilt als erste bekannte Dichterin und Theologin. Von der Gleichwertigkeit der Arbeit von Frauen und Männern zeugen Haushaltsbücher aus bäuerlichen Großfamilien, die um etwa 2.000 in Ägypten angelegt werden. Frauen und Männer werden gleichermaßen nach dem Anteil ihrer Arbeit bezahlt.
Um 2.250: Im Südwesten Englands entstehen zentrale Megalith-Kultstätten zur Verehrung der Großen Göttin, größer und bedeutender als die noch heute erhaltene Anlage von Stonehenge ist das religiöse Zentrum von Avebury mit dem heiligen Berg Silbury Hill. Ägyptische Frauen entwickeln Steckbrettchen als Menstruations- oder Schwangerschaftskalender. Medizinstudentinnen verfassen die sog. Rolle von Kahun, die verschiedene gynäkologische Diagnose- und Therapieverfahren enthalten. Sumerische Frauen entwickeln aus bestimmten Pflanzen, Mineralien, Bienenwachs und Wacholdersäften zuverlässige Testverfahren für die Schwangerschaft; Tampons aus frischem Gras und Wolle oder Zupfleinen tragen sie drei Tage lang in der Vagina. Schillert das Gras in bunten Farben nach der Entnahme, wissen die Frauen, dass sie schwanger sind. Papyrusrollen aus Ägypten berichten von Spezialistinnen, die nicht nur Schwangerschaftsdiagnosen stellen, sondern auch das Geschlecht des Kindes voraussagen können. Als Hausmittel benutzen die ägyptischen Frauen bereits Urintests.
Um 2.200: Auf Kreta beginnt die Entfaltung einer matriarchalen Kultur.
Von etwa 2.000 v.Chr. an begannen im Zuge der indoeuropäischen Wanderbewegung kriegerische Stämme in immer neuen Wellen aus der Region des Kaspischen Meeres in Indien, Kleinasien, Griechenland und Italien einzufallen. Überall fanden die Landsuchenden Hirtenkrieger eine hoch entwickelte matrizentrisch geprägte Kultur vor, die sie mit brutaler Gewalt eroberten und sich dienstbar machten: In Indien trafen die Arier auf eine alteingesessene Kultur, die bis heute die Spuren ihrer matrizentrischen Religiosität bewahrte und schufen das strenge Kastensystem, um sich als dünne Oberschicht zu behaupten. Ähnlich hierarchischen Strukturen schufen die Acher und Dorer in Griechenland und später die Italiker, welche die etruskische Kultur überlagerten.
Anfang 2.000: In Babylon entsteht das Relief der geflügelten Lilith. Die Göttin wird später, z.B. in der patriarchalen jüdischen Religion, zu einer kannibalischen Dämonin umgewertet. Die erste bekannte Sphinx in Löwengestalt mit Frauenkopf wird als Wächterin vor den Konigspyramiden in Gise in Nordägypten augestellt. Aus den priesterlich-göttlichen Frauen der Tempel, die Tempelliebe gestalten und empfangen, werden allmählich die Priesterinnen, die den königlichen oder göttlichen Männern den Liebesdienst zu erweisen haben. Ende 2.000 bieten Tempelpriester ihre Sklavinnen und die von besitzlosen Vätern an die Tempel verkauften Töchter gegen Bezahlung zum „heiligen“ Liebesdienst an. Die Männer dämonisieren die für sie mit einem Tabu belegten Bereiche weiblicher Sexualität. Der weibliche Dämon Lilith verkörpert die von Männern als bedrohlich empfundene Fruchtbarkeit und Sinnlichkeit der Frau. Priester erklären weibliche Sexualität für unrein und Frauen für kultunfähig. Die Gesetzestexte zeigen, dass die Priesterschaft die Isolation der Frauen und ihren Ausschluss vom Kult anstrebt (erster Teil des Talmud bezieht sich darauf).
Ende 2.000: leben in den arabischen Stämmen matrizentrische Strukturen fort, die Viehherden sind Besitz der Frauen.
Um 1.760: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist eine bekannte Regel des sog. Kodex Hammurapi. Dieser Kodex begründet eine Jahrtausende währende, strenge patriarchale Herrschaft in Gesellschaft und Familie, die über Judentum und Christentum bis heute fortwirkt.
Um 1.750: Die ersten acht Sippen der Shang-Dynastie tragen das Wort Frau im Namen. Dies deutet auf eine matrilineare Erb- und Thronfolge im frühen chinesischen Reich hin. Der babylonische Gedichtzyklus Enuma Elisch erzählt die erste patriarchale Schöpfungsgeschichte, in der ein männlicher Gott als Mörder der Göttin und als Erschaffer der Welt gefeiert wird.
Um 1.730 findet in der babylonischen Stadt Nippur ein Eheprozeß vor einem ausschließlich von Frauen gebildeten Gericht statt.
Um 1700: die jüdische Matriarchin Sara, die Gemahlin Abrahams, gilt als Stammmutter des jüdischen Volkes.
Das Volk der Skythen wird im Gebiet der heutigen Ukraine sesshaft. Das Volk, das der Legende nach von einer schlangenfüßigen Göttin abstammt, gilt als Ursprung der Amazonen. Die meisten matrizentrischen Kulturen gehen unter dem jahrtausendelangen Einfluss patriarchal strukturierter Nomadenstämme unter.
Um 1.240: Als frühe Chemikerinnen entwickeln babylonische Frauen Verfahren zur Herstellung von Parfüms und Kosmetika, dasselbe geschieht auch in Ägypten.
Um 1.230: Die jüdische Frau Deborah ist Richterin in Israel.
Um 1.160: Ein Edikt von Ramses III. bestimmt, dass der Fuß der ägyptischen Frau wandeln kann, wohin es ihr beliebt, ohne das sich ihr jemand entgegenstellt oder sie belästigt.
Um 1.100: Zahlreiche frauenfeindliche Bestimmungen enthalten die assyrischen Gesetze, insbesondere die Bestimmungen des § 40 machen Frauen zum „Besitz“ von Männern (und sie müssen einen Schleier tragen). Zur Strafe für eine Vergewaltigung soll der Vater oder Ehemann die Frau oder Tochter des Vergewaltigers ebenfalls vergewaltigen. Eine unverheiratete vergewaltigte Frau soll den Vergewaltiger heiraten, da sie nach Verlust der Jungfernschaft für andere Männer wertlos geworden ist. Eine Frau, die durch Eingriffe an sich selbst eine Abtreibung verursacht, soll gepfählt werden.
Um 1.000 v.Chr. Griechenland, Rom: Die politischen Rechte waren weitgehend den Männern vorbehalten, und Frauen konnten ohne männlichen Sachwalter keine größeren Geschäfte tätigen. Im Kult hingegen, wie auch in anderen nicht-öffentlichen Bereichen (Gesundheitswesen etc.) hatten sie volle Kompetenz. Frauen hatten ihr Leben lang einen Vormund, der sie bei den Behörden vertrat, Zunächst war dies der Vater, dann der Ehemann, oder der mündige Sohn, oder der Schwiegersohn. Erst als Ehefrau wurde die Frau zum vollwertigen Mitglied der Gesellschaft, und der Zweck der Ehe war es, legitimen Nachwuchs zu produzieren. Als Ausgleich bei ihrer Heirat erhielten die Töchter eine Mitgift, die ihren standesgemäßen Unterhalt sicherstellen sollte Im Hause der Dichterin Sappho auf Lesbos wurde jungen Mädchen jene feine Lebensart beigebracht, die sie später als Mütter und Herrinnen eines großen Hauses beherrschen mussten. Eine enge Bindung zwischen Lehrerin und Schülerinnen war ein wesentlicher Aspekt dieser Erziehungstradition, denn die Liebe zwischen Erwachsenen und Jugendlichen gleichen Geschlechts, wie auch unter den jungen Leuten selbst, galt als ganz natürlich und sinnvoll. Die Mädchen übten sich in Musik und Dichtung, erlernten feine Umgangsformen, sie trieben Sport, organisierten Wettbewerbe aller Art und mehrtägige kultische Feste für Frauen, stellten die Kleidung her, verkauften Backwaren, Gemüse aus eigener Erzeugung, verdingten sich als Ammen und Hebammen, waren in Handwerksbetrieben tätig, im Handel, machten Stiftungen. In hellenistischer Zeit wirkten Frauen als Wissenschaftlerinnen und Hochschullehrerinnen, Musikerinnen und Berufsathletinnen, übernahmen kostspielige Ehrenämter, regierten als Fürstinnen (Kleopatra VII. von Ägypten, Zenobia von Palmyra, Pythodoris im Königreich Pontos, Dynamis im Königreich Bosporus). David erreicht den Aufbau des Großreiches Israel durch eine aggressive Machtpolitik.
Um 878: Die phönizische Königin Dido gründet die Weltstadt Karthago an der Küste Afrikas. Zwischen dem 8. und 4. Jh. v.Chr. blühte im heutigen Italien die Kultur der Etrusker, Frauen verfügten über Eigenbesitz, den sie vererben konnten. Sämtliche Mitglieder einer römischen Familie unterstanden der väterlichen Gewalt, was die extrem patriarchalische Struktur der römischen Gesellschaftsordnung ermöglichte. Die Ehen waren relativ instabil, Scheidungen einfach und häufig. Frauen erbten mitunter beträchtliche Vermögen ihrer Ehemänner und konnten große Reichtümer anhäufen. Zudem verfügten Frauen der Oberschicht auch über genügend Bildung, um am kulturellen Leben und wie bei den Etruskern, an den Geselligkeiten der Männer teilzunehmen. Der Einfluss der hellenistischen Geisteswelt war stark, denn in den Häusern der Reichen vermittelten zumeist griechische Privatlehrer den Knaben und Mädchen Kenntnisse in Literatur und Philosophie, Geometrie und Musik. Frauen der Oberschicht traten als Schriftstellerinnen und Dichterinnen hervor (Cornelia, Agrippina die Jüngere, zwei Frauen namens Sulpicia). Die Gattin von Plinius dem Jüngeren vertonte dessen Verse und trug sie in Gesellschaft vor. Vermögende Frauen nahmen Tanzstunden, übten sich in Diskus- und Speerwurf, im Ringen, im Wassersport, Grundkenntnisse in Rechnen, Lesen und Schreiben waren in allen Bevölkerungsschichten verbreitet. In den heidnischen Religionen waren die Frauen den Männern nicht nur gleichgestellt, sondern hatten häufig wichtigere Aufgaben als diese. In der Urkirche war diese Geisteshaltung noch wirksam, Frauen hatten Anteil an der Verbreitung des Glaubens und sie hatten Aufgaben im Gottesdienst. Diese wurden ihnen aber bald untersagt, und ein Lehrverbot für Frauen wurde erlassen. Längst überholte Vorstellungen von der Minderwertigkeit der Frau wurden wieder aktuell, man verwies sie aus der Öffentlichkeit an ihren Platz im Haus, wo sie als ein Stück Eigentum des Ehemannes sich der Kindererziehung und Wollarbeiten zu widmen hatten. Überdies wurde die Sexualität verteufelt, die in den Riten der Frauen immer noch eine große Rolle spielte. Während der gesamten heidnischen Antike ist die Fruchtbarkeit der Frauen ein von der Gesellschaft höchst geachtetes Gut gewesen und auch Priesterinnen mussten in der Regel verheiratet und Mütter sein, die nur während der Zeit ihrer Kultfunktion keusch lebten.
9. Jh.: Das Reinigungsgesetz der Hebräer fixiert Gesetze und Vorstellungen, die bis heute das Leben der Frauen in der jüdisch-christlichen Gesellschaft beeinflussen: So werden z.B. Menstruation und Geburt als Zeiten der Unreinheit definiert und mit strengen Reinigungsvorschriften belegt. Der Kult wird ausschließlich Männersache. Frauen gelten aufgrund ihres Geschlechtes als Trägerinnen und Vermittlerinnen kultischer Unreinheit.
8. Jh.: chinesische Frauen sind geschäftstüchtige Händlerinnen.
776: In Olympia starten die ersten Männerwettkämpfe zu Ehren des Zeus, Frauen sind selbst als Zuschauerinnen nicht zugelassen. Dabei sind die neuen Olympischen Spiele nur eine Nachahmung der ältern Frauenspiele zu Ehren der Hera. 7.Jh: Der Grieche Semonides verfasst gehässige Schriften gegen Frauen.
6.Jh: Hebräische Priester verfassen die Geschichte der Weltentstehung und der Erschaffung der Menschen. Durch die Figur der Eva übertragen sie den Frauen die Schuld für das kümmerliche Los der Menschen. Die biblische Erzählung von Gottes Schöpfung und vom Sündenfall versucht, die gesellschaftliche Vormachtstellung der Männer als von Gott Jahwe gewollte zu legitimieren. In Asien finden die religiösen Erneuerungsbewegungen von Konfuzius, Laotse und Buddha vor allem bei den Frauen großen Anklang. Im Gefolge des Buddhismus entstehen viele Frauenklöster.
Ende 6. Jh: die Mathematikerin und Medizinerin Theano ist wichtiges Mitglied der als Geheimbund organisierten pythagoreischen Schule (außer ihr noch 28 Frauen).
595: Die griechische Dichterin Sappho gründet auf Lesbos eine Schule für junge Mädchen. 5.Jh: Die Astronomin Aglaonike von Thessalien gilt als Hexe, weil sie Sonnen – und Mondfinsternisse exakt berechnet.
Ende 5. Jh: Unter dem Einfluss der Philosophie der Sophisten wandelt sich das griechische Erziehungsideal. Die bislang weitgehend musisch geprägte Erziehung wird durch eine wissenschaftliche und philosophische Bildung verdrängt, von der die Frauen ausgeschlossen sind. Ein wohlerzogenes Mädchen soll möglichst wenige Dinge sehen, möglichst wenige Dinge verstehen und keine unziemlichen Fragen stellen. Mit 14 oder 15 Jahren werden die Mädchen verheiratet. Auf die Wahl ihres Ehegatten haben sie keinerlei Einfluss.
489: Griechische Arbeiterinnen erhalten nach der Geburt eines Mädchens nur eine halbe Zusatzration
458: Die Tragödie Orestie von Aischylos wird in Athen uraufgeführt. Das Stück wendet sich gegen alte mutterrechtliche Verhältnisse.
411: In der Komödie Lysistrate des Aristophanes wird vom sexuellen Streik der Griechinnen berichtet.
Anfang 4.Jh: Nach dem Studium in der Akademie des Platon lehrt Arete von Kyrene Philosophie.
317/16: Olympia, die Mutter Alexander des Großen, wird gesteinigt.
399: Der griechische Philosoph Sokrates wird hingerichtet. Die Römerin untersteht als Tochter oder Frau dem Familienoberhaupt, dem pater familias Nach ihm wird sie auch genannt, z.B. Livia, d.h. Tochter des Livius. Der Vater entscheidet, ob ein neugeborenes Mädchen leben darf oder sterben muss, und bestimmt ihren Ehemann wenn sie mit 12 – 15 Jahren heiratet. Er darf seine Tochter und seine Ehefrau bestrafen, sogar töten. Römische Frauen dürfen keine Staatsämter bekleiden, greifen aber mit Wahlpropaganda und Demonstrationen ins politische Geschehen ein. Die Athenerinnen erkämpfen den Freispruch ihrer Ärztin Agnodike. 2.Jh: die frauenfreundliche Kultur der Kelten wird immer mehr zurückgedrängt. Germanen und Römer drängen die keltische Kultur zurück, die den Frauen umfassende Rechte sichert.
195 : In Rom demonstrieren die Frauen erfolgreich gegen die Lex Oppia, ein Luxusgesetz.
